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17.06.2011

07:11 Uhr

Thomas Bellut

Krisenmanager wechselt an die ZDF-Spitze

VonHans-Peter Siebenhaar

Thomas Bellut wird heute in Berlin zum Nachfolger seines Förderers Markus Schächter gewählt. Der zukünftige ZDF-Intendant hat nicht nur durch den Abgang von Thomas Gottschalk eine Menge Arbeit vor sich.

Außer Konkurrenz: Bis auf die Spaßkandidatur eines Feuilleton-Redakteurs hat Thomas Bellut keinen Mitbewerber um den Posten des ZDF-Intendanten. Quelle: dapd

Außer Konkurrenz: Bis auf die Spaßkandidatur eines Feuilleton-Redakteurs hat Thomas Bellut keinen Mitbewerber um den Posten des ZDF-Intendanten.

GüterslohPersonalentscheidungen im ZDF waren in der Vergangenheit zuweilen schwere Geburten. Der scheidende Intendant Markus Schächter brauchte drei Wahlgänge, um von den heillos zerstrittenen Parteien auf den ZDF-Chefsessel gesetzt zu werden. Doch am heutigen Freitag dürfte alles problemlos über die Bühne gehen, wenn der 77-köpfige Fernsehrat im Berliner Hyatt-Hotel am Potsdamer Platz den Programmdirektor des Senders, Thomas Bellut, zum neuen ZDF-Intendanten wählen wird. Der 56-Jährige tritt dann im März 2012 die Nachfolge seines Vorgängers und Förderers Markus Schächter an.

Die ZDF-Intendantenwahl ist keine Wahl im klassischen Sinn. Denn abgesehen von der Spaßkandidatur eines Feuilleton-Redakteurs der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ gab es keinen Konkurrenten im Kampf um den Chefsessel eines der größten öffentlich-rechtlichen Sender in Europa. Ein Aufschrei wegen des mangelnden Kandidatenwettbewerbs blieb dennoch aus. Denn über Parteigrenzen hinaus genießt der Politikwissenschaftler Bellut, der zum Thema „DDR-Berichterstattung in den Nachrichtenmedien der Bundesrepublik Deutschland“ promovierte, den Ruf eines undogmatischen Journalisten und kreativen Managers. Viele Politiker, wie den ZDF-Fernsehratsvorsitzenden und früheren CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz, kennt er seit vielen Jahren.
Bekannt wurde der Osnabrücker durch seine Sendung „Was nun, ...?“ in den späten neunziger Jahren. Der Katholik Bellut bewies in zahlreichen Talkrunden mit Spitzenpolitikern aller Parteien zwei Stärken: politische Unabhängigkeit und analytischen Sachverstand. Auch vor unpopulären Entscheidungen scheute der spätere Programmdirektor Bellut nicht zurück. So kündigte er vor drei Jahren die Zusammenarbeit mit der beliebten Literaturmagazin-Moderatorin Elke Heidenreich, nachdem sie sich negativ über den Sender geäußert hatte.

Bellut gilt als nüchterner Fernsehmanager mit Blick für Zielgruppen und Einschaltquoten. Trotzdem verfügt er über Sensibilität, in schwierigen Momenten die richtigen Entscheidungen zu treffen. Beim tragischen Wettunfall des Quotenbringers „Wetten, dass ...?“ Ende des vergangenen Jahres saß Bellut wie Millionen anderer Zuschauer zu Hause in Mainz und war geschockt. Blitzschnell entschied er am Telefon, die Wettshow erstmals in ihrer fast 30jährigen Geschichte abzubrechen. Dafür erntete er Beifall. Selbst Kritiker wie der frühere RTL-Chef Helmut Thoma lobten seinen Mut: „Das ZDF hat völlig richtig gehandelt, die Sendung sofort abzubrechen.“ Seine Feuertaufe als Krisenmanager hatte er bestanden.

Von Schächter übernimmt Bellut, der seit 2002 als ZDF-Programmdirektor fungiert, ein strategisch gut aufgestelltes Haus. Der Noch-Intendant hatte es mit Belluts Unterstützung geschafft, die in Mainz lange ersehnte Senderfamilie aufzubauen. Mit ZDF Neo, ZDF Kulturkanal und ZDF Info ist das Zweite heute für die digitale Zukunft gut gerüstet. Aber auch im Hauptsender gibt es nach dem Abgang von Thomas Gottschalk bei „Wetten, dass ...?“ einiges zu tun. So muss Bellut dringend einen Nachfolger für den populären Moderator finden, das Programm verjüngen und mehr Zuschauer insbesondere in Ostdeutschland gewinnen. Denn 2010 erreichte das ZDF nach RTL und ARD trotz einer leicht gestiegenen Zuschauerquote von 12,7 Prozent nur Platz drei. Eine Position, mit der Bellut nicht zufrieden sein kann.

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