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05.04.2011

14:14 Uhr

Thomas Ganswindt

Ex-Siemens-Vorstand gesteht Fehler ein

Vor Gericht: Im Schmiergeld-Prozess gegen den ehemaligen Siemens-Vorstand Thomas Ganswindt hat der Angeklagte die Vorwürfe der Steuerhinterziehung und vorsätzlicher Verletzung der Aufsichtspflicht zurückgewiesen.

Thomas Ganswindt, ehemaliger Siemens-Vorstand, steht vor Gericht. Quelle: Reuters

Thomas Ganswindt, ehemaliger Siemens-Vorstand, steht vor Gericht.

MünchenIm Schmiergeld-Prozess gegen den ehemaligen Siemens-Vorstand Thomas Ganswindt hat der Angeklagte die Vorwürfe der Steuerhinterziehung und vorsätzlicher Verletzung der Aufsichtspflicht zurückgewiesen.

Der 50-Jährige ehemalige Zentralvorstand des Elektrokonzerns muss sich seit heute im Zusammenhang mit der Korruptionsaffäre von Siemens wegen Steuerhinterziehung und vorsätzlicher Verletzung der Aufsichtspflicht verantworten

Zum Prozessauftakt vor der Wirtschaftsstrafkammer des Münchner Landgerichts. In einer ausführlichen Darstellung seines beruflichen Werdegangs schilderte der 50-Jährige, wie er Ende 2001 als neuer Bereichsvorstand der Telekommunikationssparte ICN eine in der Krisebefindliche Sparte übernommen und mit der Entwicklung von technisch innovativen Produkten wieder flott gemacht habe.

Der frühere Siemens-Vorstand zeigte auch Reue: Rückblickend seien die Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung „zu wenig gewesen“, sagte der Manager heute vor dem Landgericht München. „Ich hätte nachfassen müssen und nicht auf die Kontrolleinheiten und Organe vertrauen dürfen.“.

Ausführlich legte der Ingenieur vor Gericht dar, warum er den zweifelhaften Geschäftspraktiken in der ihm unterstellten Telekommunikationssparte von Siemens nicht stärker nachgegangen sei. Ein Grund: „Ich hatte keinen Zweifel, dass die Geschäftspraktiken der Vergangenheit abgestellt werden.“ Das bei Siemens damals übliche Vier-Augen-Prinzip, also die Arbeitsteilung zwischen Technikern und Kaufleuten, sei für ihn zudem Garant dafür gewesen, dass es eine wirksame Kontrolle gebe.

Ganswindt hatte den einst größten Bereich des Traditionsunternehmens von 2001 an geführt und war von 2004 bis 2006 Mitglied des mächtigen Zentralvorstands. Der Ex-Manager war wegen der Affäre um schwarze Kassen Ende 2006 sogar kurzzeitig in Haft. Insgesamt sollen bei Siemens rund 1,3 Milliarden Euro an dubiosen Zahlungen zur Erlangung von Auslandsaufträgen geflossen sein.

Die Staatsanwaltschaft wirft Ganswindt vor, schwarze Kassen geduldet und Hinweise auf Schmiergeldzahlungen für Aufträge im Ausland ignoriert zu haben. Er sehe das differenzierter, meinte Ganswindt, übernehme aber die Verantwortung für die Vorgänge. Wegen des Korruptionsskandals hat Ganswindt schon 2007 seinen Job verloren. Er konnte seiner Aussage zufolge bisher auch keine neue angemessene Stelle in der Industrie mehr finden.

 

Kommentare (1)

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Nirgendwer

06.04.2011, 08:38 Uhr

Letztlich bin auch ich als stinknormaler Tarif-Mitarbeiter wegen der Korruptionsaffäre und dank löscher arbeitslos geworden. Und auch ich habe bis heute keine neue adäquate Stelle gefunden. Aber im Gegensatz zu Ganswindt habe ich noch lange nicht ausgesorgt. Warum also sollte mir die Person(alie) leid tun?

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