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06.03.2006

13:00 Uhr

Thomas Lipke

Einmal Globetrotter, immer Globetrotter

VonTanja Kewes

Thomas Lipke startete als Zeltverkäufer. Als Geschäftsführer treibt er nun die Expansion von Europas größtem Outdoor-Händler voran.

KÖLN. „Rein, raffen, raus“, erklärt Thomas Lipke, „gibt es bei uns nicht!“ Mit der federnden Leichtigkeit eines Sportlers nimmt er Stufe für Stufe der so genannten „Stairway to Heaven“. Die breite Treppe verbindet die vier Etagen des mit 7 000 Quadratmetern größten Fachgeschäfts für Freizeit- und Reiseausrüstung in Europa. 1 400 Gäste, unter ihnen „Sir Vival“ Rüdiger Nehberg, sind zur Eröffnung des neuen Flaggschiffs von Globetrotter in Köln gekommen. Und Geschäftsführer Lipke ist nicht nur in Feierlaune, er hat sich sogar „verkleidet“. Sportschuhe, Jeans und Freizeithemd trägt Lipke heute nicht. Stattdessen: Anzug, glatte Lederschuhe und Krawatte. „Rein, raffen, raus – das typische Einkaufsverhalten der Männer hebeln wir aus.“

28 Jahre ist es her, dass Lipke zu Globetrotter kam. Er ist laut Firmenchronik Globetrotter 005. „Globetrotter hat mich aufgesogen“, sagt Lipke, der eine feine randlose Brille mit silbernen Bügeln trägt. Für den Hamburger Ausrüstungsspezialisten gab er sein Studium der Informatik auf. Vom Zeltverkäufer stieg er zum Geschäftsführer auf.

Die Begeisterung für Outdoor ergänzt sein unternehmerisches Gespür. „Lipke hat Mut, packt zu und bringt das Unternehmen voran“, berichtet Winfried Schechinger, Geschäftsführer des Ausrüsters Tatonka. Das Werk der Gründer hätten Lipke und sein Kompagnon Andreas Bartmann konsequent weiterentwickelt: „Und trotz allen Erfolgs ist der Thomas normal geblieben.“. Neue Produkte teste er „im Feld“ am liebsten immer noch selbst. Im September 1979 eröffneten der Bergführer Peter Lechhart und der Jeep-Fahrer Klaus Denart in Hamburg-Wandsbek einen kleinen Ausrüstungsladen. Es mangelte den Grönland- und Wüstenerkundern an ordentlichem Expeditionszubehör. 25 Jahre später ist Globetrotter Marktführer in Europa. Im vergangenen Jahr steigerte das Handelsunternehmen den Umsatz nach eigenen Angaben um 18 Prozent auf 118 Millionen Euro. Für das laufende Jahr sind 25 Prozent Wachstum avisiert.

Gegen Konsumfrust setzt Globetrotter Abenteuerlust. Mit Attraktionen wie Kältekammer, Kletterwand, und Reisebuchhandlung jagt Globetrotter Konkurrenten wie Karstadt Sport oder lokalen Platzhirschen wie Sack & Pack die Kunden ab. Das Kölner Flagschiff ist nur der vorläufige Höhepunkt. Vier weitere Filialen sollen in den nächsten Jahren die sechs bestehenden ergänzen.

Authentizität ist das höchste Gebot bei Globetrotter. Die rund 600 Mitarbeiter rekrutieren sich wie einst auch Aushilfe Lipke aus der Szene. Zu jeder Filialadresse gehören die Koordinaten. Das neue Flaggschiff liegt auf 50 Grad, 56 Minuten, 81 Sekunden nördlicher Breite und 6 Grad, 56 Minuten, 53 Sekunden östlicher Länge. Zum Selbstverständnis zählt auch, das Globetrotter keine Abteilung wie etwa das Call-Center ausgliedert. „Wir machen alles selbst – auch die schweren Fehler“, sagt Lipke mit Blick in den Lichthof, in dem die Party zu Musik der kölschen Kultband BAP tobt.

Bei allem Erfolg – Globetrotter wandelt zwischen den Extremen hart gesottener, verschrobener Freaks und Lifestyle-Sportlern. „Über unsere Position im Markt diskutieren wir immer wieder lang und hart“, sagt Lipke, „Funktion geht vor Fashion, Nachhaltigkeit vor Trends.“ Auch wenn das betriebswirtschaftlich nicht immer sinnvoll sei. So gibt es bei Globetrotter keine Inline-Skates. Auch Marken wie Puma und Quicksilver sucht man vergebens.

Die Bandbreite spiegelt auch Lipke selbst wider. Der private Keller im Niedrigenergiehaus in Großhansdorf bei Hamburg ist ein Fundus an Outdoor-Utensilien. In zwei Räumen stapeln sich Daunenjacken, Eispickel und Zelte. In der Garage wartet eine kleine Fahrradflotte, zwei Faltboote und ein Kanu. Geschäftsführer hin oder her – für große Touren klinkt sich Lipke noch heute wochenlang aus. Im vergangenen Sommer etwa paddelte Globetrotter 005 samt Frau einen Nebenfluss des Yukon in Kanada rund 400 Kilometer hinauf. Sohn und Tochter gehen inzwischen eigene Wege. Die Teenager ziehen Snowboard und Mallorca den „Actionurlauben mit Papi“ vor.

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