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13.11.2015

15:52 Uhr

Thomas Middelhoff

Arcandor-Managern droht neues Strafverfahren

Dem ehemaligen Arcandor-Chef Thomas Middelhoff droht ein neues Strafverfahren. Die Staatsanwaltschaft Bochum hat Klage wegen Anstiftung zur Untreue eingereicht. Der Ex-Manager bestreitet die Vorwürfe.

Dem Manager droht ein neues Strafverfahren. dpa

Thomas Middelhoff

Dem Manager droht ein neues Strafverfahren.

DüsseldorfDem früheren Topmanager Thomas Middelhoff droht ein weiteres Strafverfahren. Die Staatsanwaltschaft Bochum habe gegen den ehemaligen Chef des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor Klage wegen Anstiftung zur Untreue eingereicht, sagte ein Anwalt Middelhoffs am Freitag der Nachrichtenagentur dpa. Es gehe um Bonus-Zahlungen, die Middelhoff als Arcandor-Chef erhalten habe. Middelhoff bestreitet nach Angaben seines Anwalts die Vorwürfe. Über eine Zulassung der Anklage ist noch nicht entschieden.

Nach einem Bericht des „Manager Magazins“ hat die Staatsanwaltschaft beim Landgericht Essen Klage gegen Middelhoff sowie fünf weitere Ex-Vorstände und neun frühere Aufsichtsräte des 2009 pleitegegangenen Handelsriesen eingereicht. Der Vorwurf laute teils auf Untreue in besonders schwerem Fall und teils auf Beihilfe dazu.

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Es gehe in der 633 Seiten starken Anklageschrift um Boni und Abfindungen in Höhe von 8,8 Millionen Euro, die zwischen August 2006 und März 2009 gezahlt worden seien, schreibt das Magazin. Das Landgericht selbst bestätigte lediglich den Eingang einer Anklage „gegen insgesamt 15 frühere Verantwortliche der damaligen Essener Arcandor AG“. Angaben zur Identität der Angeklagten und zum Inhalt der Anklage könnten noch nicht gemacht werden, da die Papiere zunächst den Betroffenen zugestellt werden müssten.

Es wäre nicht das erste Mal, dass sich das Essener Landgericht mit den Millionenboni des früheren Arcandor-Chefs beschäftigt. Bereits im September 2013 hatte das Landgericht Essen den Manager in einem Zivilverfahren dazu verurteilt, dem Arcandor-Insolvenzverwalter einen Sonderbonus in Höhe von 2,3 Millionen Euro zurückzuzahlen, den er kurz vor seinem Ausscheiden erhielt. Das Gericht hielt die Bonuszahlung für rechtlich nicht zulässig.

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Hintergrund

Als sich Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff 2014 vor dem Essener Landgericht wegen des Vorwurfs der Untreue verantworten musste, fielen einige denkwürdige Sätze. Eine Auswahl.

Die Katze auf dem heißen Blechdach

„Ich bin wie die Katze übers Dach. Ich musste drei Meter tief auf eine Garage springen und dann noch einmal drei Meter auf die Straße.“
(Middelhoff über seine filmreife Flucht vor Fotografen nach einem Termin bei einem Gerichtsvollzieher in Essen Ende Juli, bei dem er seine Vermögensverhältnisse hatte offenlegen müssen)

Apocalypse Now

„Das ist wie ein apokalyptischer Traum.“
(Middelhoff zu Pfändungsversuchen von Gläubigern am Rande seines Untreue-Prozesses vor dem Essener Landgericht)

Arbeit, Arbeit, Arbeit

„Er hat eigentlich immer gearbeitet, immer, immer.“
(Middelhoffs Gattin Cornelie Middelhoff als Zeugin vor Gericht zur Arbeitsbelastung ihres Mannes)

Das fliegende Büro

„Das war ein fliegendes Büro für ihn.“
(Ein früherer Mitarbeiter Middelhoffs als Zeuge vor Gericht zu den umstrittenen Charterflügen seines Ex-Chefs)

Stau

„Stau war das Schlimmste für ihn.“
(Der langjährige Fahrer des Managers als Zeuge vor Gericht)

Der Schaden des Thomas M.

„Mir und meiner unternehmerischen Tätigkeit ist großer Schaden zugefügt worden.“
(Middelhoff zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen ihn, die er als „uferlos“ und „unverhältnismäßig“ empfindet)

Von Gott gegeben

„Ich habe mich nie als Controllerin meines Chefs gesehen.“
(Eine ehemalige Sekretärin des Managers, die sagte, sie habe Middelhoffs Entscheidungen als „gottgegeben“ hingenommen.)

Das Urteil ist allerdings nicht rechtskräftig, und das Oberlandesgericht Hamm hat in zweiter Instanz bereits signalisiert, dass es die Bonuszahlungen an Middelhoff für weniger problematisch hält als die erste Instanz.

Auch sonst sind die Erfahrungen des Managers mit der Justiz in der Ruhrgebietsstadt eher unerfreulich. Im November 2014 war der Manager vom Essener Landgericht wegen Untreue zu einer dreijährigen Gefängnisstrafe verurteilt und wegen Fluchtgefahr noch im Gerichtssaal verhaftet worden. Erst nach mehr als fünf Monaten kam der inzwischen erkrankte Manager gegen Zahlung einer Kaution von 895.000 Euro wieder auf freien Fuß. Middelhoff hat die Vorwürfe stets bestritten und gegen das Urteil Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt. Die Verhandlung darüber steht noch aus.

Von

dpa

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