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08.04.2015

15:47 Uhr

Thomas Middelhoff

Er hat „immer in einer ganz anderen Welt gelebt“

Hat Schlafenzug Thomas Middelhoff krank gemacht? Die Anwälte des Ex-Managers gehen gegen die Justiz vor. Wie oft Sichtkontrollen in U-Haft vorkommen und ab wann Schlafenzug schädlich ist – die wichtigsten Antworten.

Die Anwälte des Ex-Managers machen der Justiz schwere Vorwürfe. dpa

Thomas Middelhoff

Die Anwälte des Ex-Managers machen der Justiz schwere Vorwürfe.

EssenDer frühere Topmanager Thomas Middelhoff (61) ist nach fast fünf Monaten in Untersuchungshaft wegen einer seltenen Autoimmunerkrankung ins Uniklinikum Essen verlegt worden. Seine Anwälte erheben schwere Vorwürfe gegen die Justiz. Beim Landgericht Essen ging außerdem am Mittwoch ein neuer Antrag der Verteidiger auf Haftprüfung ein. Das Gericht will nun prüfen, ob der Haftbefehl außer Vollzug zu setzen sei. „Irgendwann muss dem Martyrium ein Ende gesetzt werden“, sagte Middelhoff-Anwalt Sven Thomas. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Fall.

Wie geht es dem Ex-Arcandor-Chef gesundheitlich?
Nach Angaben seiner Verteidiger ist er an einer seltenen Autoimmunkrankheit erkrankt. Es soll sich um Chilblain Lupus handeln, mit schmerzhaften, frostbeulenartigen Schwellungen und Knoten vor allem an Händen und Füßen. Außerdem soll er in den vergangenen Monaten mehr als zehn Kilogramm Gewicht verloren haben.

Die besten Zitate von und über Thomas Middelhoff

Hintergrund

Als sich Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff 2014 vor dem Essener Landgericht wegen des Vorwurfs der Untreue verantworten musste, fielen einige denkwürdige Sätze. Eine Auswahl.

Die Katze auf dem heißen Blechdach

„Ich bin wie die Katze übers Dach. Ich musste drei Meter tief auf eine Garage springen und dann noch einmal drei Meter auf die Straße.“
(Middelhoff über seine filmreife Flucht vor Fotografen nach einem Termin bei einem Gerichtsvollzieher in Essen Ende Juli, bei dem er seine Vermögensverhältnisse hatte offenlegen müssen)

Apocalypse Now

„Das ist wie ein apokalyptischer Traum.“
(Middelhoff zu Pfändungsversuchen von Gläubigern am Rande seines Untreue-Prozesses vor dem Essener Landgericht)

Arbeit, Arbeit, Arbeit

„Er hat eigentlich immer gearbeitet, immer, immer.“
(Middelhoffs Gattin Cornelie Middelhoff als Zeugin vor Gericht zur Arbeitsbelastung ihres Mannes)

Das fliegende Büro

„Das war ein fliegendes Büro für ihn.“
(Ein früherer Mitarbeiter Middelhoffs als Zeuge vor Gericht zu den umstrittenen Charterflügen seines Ex-Chefs)

Stau

„Stau war das Schlimmste für ihn.“
(Der langjährige Fahrer des Managers als Zeuge vor Gericht)

Der Schaden des Thomas M.

„Mir und meiner unternehmerischen Tätigkeit ist großer Schaden zugefügt worden.“
(Middelhoff zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen ihn, die er als „uferlos“ und „unverhältnismäßig“ empfindet)

Von Gott gegeben

„Ich habe mich nie als Controllerin meines Chefs gesehen.“
(Eine ehemalige Sekretärin des Managers, die sagte, sie habe Middelhoffs Entscheidungen als „gottgegeben“ hingenommen.)

Was ist die Ursache für die Erkrankung?
Die Rechtsanwälte machen dafür die Haftbedingungen verantwortlich, vor allem die engmaschigen Kontrollen zu Beginn der Haft. Dass Middelhoff in den ersten Haftwochen mindestens alle 15 Minuten kontrolliert worden sei, bezeichneten sie als „unter keinem denkbaren Gesichtspunkt gerechtfertigten Schlafentzug“. Dies habe offenbar das Immunsystem des Mandanten geschwächt. Die Essener Vollzugsanstalt wollte nach eigenen Angaben durch die regelmäßigen Sichtkontrollen einen Suizid verhindern.

Wie genau ist Middelhoff in der JVA Essen nachts kontrolliert worden?
Laut NRW-Justizministerium hat ein Bediensteter alle 15 Minuten durch den Spion der Zellentür geschaut, ob er noch atmet. Dafür sei das Licht in der Zelle von außen für etwa eine Sekunde eingeschaltet worden. Wer sich davon im Schlaf gestört fühle, könne eine Schlafmaske erhalten. Middelhoffs Anwalt zufolge wurde sein Mandant nachts immer wieder geweckt. Der Ministeriumssprecher geht dagegen davon aus, dass kein Vollzugsbeamter die Zelle betreten hat, ausschließen könne er das aber nicht. Der Bund der Strafvollzugsbediensteten (BSBD) sagt, um einen „Haftraum zu öffnen“, müssten im Normalfall drei Bedienstete zusammen reingehen, dazu fehle schon das Personal.

Warum wurde Middelhoff so überwacht?
Grund für die Sichtkontrollen - vom 14. November bis 9. Dezember und am 18./19. Dezember - war laut Justizministerium Suizidgefahr. Middelhoff sei ein „haft-unerfahrener Mensch“ und habe „immer in einer ganz anderen Welt gelebt“. In seiner Familie sei zudem Suizid vorgekommen. Aus „Sorgfaltspflicht und Obhutspflicht“ habe die JVA die Kontrolle daher durchgeführt. An Eingangsgespräch, weiteren Überprüfungen und Entscheidungen seien grundsätzlich immer auch Arzt und Psychologe beteiligt.

Kommentare (4)

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Herr Josef Hirsepp

08.04.2015, 16:43 Uhr

Wer aus dem Fenster Springen kann, der kann auch mal mit Licht und Laerm schlafen!

was sollen den all die Trucker sagen, die auf dem Autohof oder schlimmer noch auf der Raststaette zu allen Tages-& Nachtzeiten pennen muessen??????

wen ihn dass nicht gefaellt, dan soll er zu meinem Kumpel gehen und im Steinbruch malochen, oder mal an der frischen Luft mit Waldarbeitern 8 wochen schuften!
Dann schlaeft er auch im Stehen, mit offenen Augen,wie ein Kaninchen!

auf seinem Segelboot konnte er gut alle 4h Wache halten !
-- was ebenfalls einem "Schalfentzug" nahe kommt!

Account gelöscht!

08.04.2015, 16:56 Uhr

Wer richtig müde ist, schläft auch bei Licht und laufendem Fernseher, genau wie meine 7-jährige Tochter. Wahrscheinlich kann er nicht schlafen wegen derzeitiger, selbstverursachter Sorgen. Am Allerwahrscheinlichsten braucht er Argumente, um der Zelle zu entgehen. In gewohnten, luxuriösen Betten kann er wohl wieder wie ein Murmeltier schlafen. Aber, wollen wir und die Richter ihm das gönnen? Mitnichten!

Herr Peter Spiegel

08.04.2015, 18:35 Uhr

Er hat „immer in einer ganz anderen Welt gelebt“
Ich auch und trotzdem bin ich noch in Freiheit.

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