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16.04.2015

18:54 Uhr

Thomas Middelhoff

Haftprüfung endet ohne Ergebnis

Im Fall des früheren Arcandor-Chefs Thomas Middelhoff hat das Gericht am Donnerstag kurzfristig einen Haftprüfungstermin angesetzt. Allein, es gab kein greifbares Ergebnis. Somit bleibt Middelhoff in Haft.

Der ehemalige Arcandor-Chef bleibt in Haft. dpa

Thomas Middelhoff

Der ehemalige Arcandor-Chef bleibt in Haft.

EssenEin Haftprüfungstermin für den ehemaligen Spitzenmanager Thomas Middelhoff ist am Donnerstag ohne greifbares Ergebnis verlaufen. Die zuständige Kammer des Essener Landgerichts habe noch keine Entscheidung getroffen, teilte ein Gerichtssprecher mit. Die Verteidigung fordert die Freilassung des 61-Jährigen, der nach ihrer Überzeugung durch die Haftbedingungen erkrankt ist.

Die Richter hätten sich mit der Frage der Fortdauer der Untersuchungshaft befasst und Sachverständige zu Middelhoffs Gesundheitszustand angehört, teilte ein Gerichtssprecher mit. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.

Middelhoff ist unter anderem wegen Untreue zu einer dreijährigen Gefängnisstrafe verurteilt und sitzt seit Monaten wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft. Er war sofort nach dem Urteil Mitte November im Gerichtssaal verhaftet worden. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig.

Die besten Zitate von und über Thomas Middelhoff

Hintergrund

Als sich Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff 2014 vor dem Essener Landgericht wegen des Vorwurfs der Untreue verantworten musste, fielen einige denkwürdige Sätze. Eine Auswahl.

Die Katze auf dem heißen Blechdach

„Ich bin wie die Katze übers Dach. Ich musste drei Meter tief auf eine Garage springen und dann noch einmal drei Meter auf die Straße.“
(Middelhoff über seine filmreife Flucht vor Fotografen nach einem Termin bei einem Gerichtsvollzieher in Essen Ende Juli, bei dem er seine Vermögensverhältnisse hatte offenlegen müssen)

Apocalypse Now

„Das ist wie ein apokalyptischer Traum.“
(Middelhoff zu Pfändungsversuchen von Gläubigern am Rande seines Untreue-Prozesses vor dem Essener Landgericht)

Arbeit, Arbeit, Arbeit

„Er hat eigentlich immer gearbeitet, immer, immer.“
(Middelhoffs Gattin Cornelie Middelhoff als Zeugin vor Gericht zur Arbeitsbelastung ihres Mannes)

Das fliegende Büro

„Das war ein fliegendes Büro für ihn.“
(Ein früherer Mitarbeiter Middelhoffs als Zeuge vor Gericht zu den umstrittenen Charterflügen seines Ex-Chefs)

Stau

„Stau war das Schlimmste für ihn.“
(Der langjährige Fahrer des Managers als Zeuge vor Gericht)

Der Schaden des Thomas M.

„Mir und meiner unternehmerischen Tätigkeit ist großer Schaden zugefügt worden.“
(Middelhoff zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen ihn, die er als „uferlos“ und „unverhältnismäßig“ empfindet)

Von Gott gegeben

„Ich habe mich nie als Controllerin meines Chefs gesehen.“
(Eine ehemalige Sekretärin des Managers, die sagte, sie habe Middelhoffs Entscheidungen als „gottgegeben“ hingenommen.)

Bislang haben das Essener Landgericht und das Oberlandesgericht in Hamm die Fortdauer der Haft bestätigt. Selbst das Angebot einer Kaution von 900.000 Euro konnte die Richter nicht überzeugen, dass Middelhoff sich nicht der Justiz entziehen würde.

Inzwischen ist bekannt, dass der ehemalige Manager anfangs in der U-Haft im Viertelstundentakt wegen Suizid-Verdachts überwacht wurde, auch nachts. Dadurch habe sich sein Gesundheitszustand so verschlechtert, dass er nun haftunfähig sei, argumentieren Middelhoffs Anwälte.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Herr Ulrich Groeschel

17.04.2015, 07:51 Uhr

Es gab ja auch Zweifel am Ausmaß des Schlafentzuges. Wurde denn beim Haftprüfungstermin auch geklärt wie die Kontrollen im einzelnen durchgeführt wurden?

Frau Annette Bollmohr

17.04.2015, 10:40 Uhr

"Klappe auf, Klappe zu" (HB-Printausgabe 17.04.15):

Man muss den Mann nicht mögen, um festzustellen, dass sich hier der Verdacht aufdrängt, dass hier aufgrund persönlicher Ressentiments einiger Amtsträger unnötig schikanöse Maßnahmen ergriffen werden, obwohl es Alternativen gäbe.

Sowas geht überhaupt nicht.

Da hat sich jeder zusammenzureißen und seine persönlichen Gefühle im Zaume zu halten.

Wo kämen wir denn hin, wenn jeder seinen Gehässigkeiten freien Lauf ließe?!

In diesem unserem Lande gelten aus gutem Grunde klare, faire und strikte Regeln, an die sich absolut jeder zu halten hat. Und die besagen, dass jede Art von Schikane oder gar Folter verboten ist.

Wäre ja auch eine ziemliche Ironie, wenn ein rechtskräftig Verurteilter aufgrund der Folgen der Nichteinhaltung dieser Bestimmung aus der Haft entlassen werden müsste, oder?


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