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07.04.2015

19:26 Uhr

Thomas Middelhoff

Verteidiger sehen „Big T“ als haftunfähig an

Thomas Middelhoff ist zur Behandlung im Uniklinikum Essen. Die Verteidiger sehen den in U-Haft sitzenden Ex-Manager als haftunfähig an – und kritisieren die Haftbedingungen heftig. Eine sofortige Prüfung ist beantragt.

Sein Gesundheitszustand hat sich nach Angaben seiner Verteidiger weiter verschlechtert. dpa

Thomas Middelhoff

Sein Gesundheitszustand hat sich nach Angaben seiner Verteidiger weiter verschlechtert.

EssenDer Gesundheitszustand des seit fast fünf Monaten in Untersuchungshaft sitzenden früheren Topmanagers Thomas Middelhoff hat sich nach Angaben seiner Verteidiger weiter verschlechtert. Der 61-jährige Manager befinde sich seit Dienstag erneut zur Behandlung im Universitätsklinikum Essen, teilten die Rechtsanwälte mit. Die behandelnden Ärzte gingen von einer seltenen Autoimmunkrankheit aus. Die Verteidiger beantragten sofortige Haftprüfung. Aus Sicht der Verteidigung besteht bei Middelhoff Haftunfähigkeit.

Scharfe Kritik übten Middelhoffs Rechtsanwälte erneut an den Haftbedingungen ihres Mandanten und der zunächst unzulänglichen Behandlung der Erkrankung. Dass Middelhoff in den ersten Haftwochen mindestens alle 15 Minuten kontrolliert worden sei, bezeichneten sie als „unter keinem denkbaren Gesichtspunkt gerechtfertigten Schlafentzug“. Die Essener Vollzugsanstalt wollte nach eigenen Angaben durch die regelmäßigen Sichtkontrollen einen Suizid verhindern. Der Anstaltsleiter Alfred Doliwa sagte der „Bild am Sonntag“: „Das Leben des Gefangenen hat Vorrang. Was wäre denn passiert, wenn sich Herr Middelhoff was angetan hätte.“

Die besten Zitate von und über Thomas Middelhoff

Hintergrund

Als sich Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff 2014 vor dem Essener Landgericht wegen des Vorwurfs der Untreue verantworten musste, fielen einige denkwürdige Sätze. Eine Auswahl.

Die Katze auf dem heißen Blechdach

„Ich bin wie die Katze übers Dach. Ich musste drei Meter tief auf eine Garage springen und dann noch einmal drei Meter auf die Straße.“
(Middelhoff über seine filmreife Flucht vor Fotografen nach einem Termin bei einem Gerichtsvollzieher in Essen Ende Juli, bei dem er seine Vermögensverhältnisse hatte offenlegen müssen)

Apocalypse Now

„Das ist wie ein apokalyptischer Traum.“
(Middelhoff zu Pfändungsversuchen von Gläubigern am Rande seines Untreue-Prozesses vor dem Essener Landgericht)

Arbeit, Arbeit, Arbeit

„Er hat eigentlich immer gearbeitet, immer, immer.“
(Middelhoffs Gattin Cornelie Middelhoff als Zeugin vor Gericht zur Arbeitsbelastung ihres Mannes)

Das fliegende Büro

„Das war ein fliegendes Büro für ihn.“
(Ein früherer Mitarbeiter Middelhoffs als Zeuge vor Gericht zu den umstrittenen Charterflügen seines Ex-Chefs)

Stau

„Stau war das Schlimmste für ihn.“
(Der langjährige Fahrer des Managers als Zeuge vor Gericht)

Der Schaden des Thomas M.

„Mir und meiner unternehmerischen Tätigkeit ist großer Schaden zugefügt worden.“
(Middelhoff zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen ihn, die er als „uferlos“ und „unverhältnismäßig“ empfindet)

Von Gott gegeben

„Ich habe mich nie als Controllerin meines Chefs gesehen.“
(Eine ehemalige Sekretärin des Managers, die sagte, sie habe Middelhoffs Entscheidungen als „gottgegeben“ hingenommen.)

Der frühere Chef des inzwischen pleitegegangenen Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor war am 14. November vom Essener Landgericht wegen Untreue und Steuerhinterziehung zu drei Jahren Haft verurteilt und noch im Gerichtssaal verhaftet worden. Der Bundesgerichtshof wird wohl erst in einigen Monaten über seine Revision entscheiden.

Mehrere Versuche von Middelhoffs Rechtsanwälten, den 61-Jährigen auf freien Fuß zu bekommen, scheiterten. Der Grund: Die Richter am Landgericht Essen und am Oberlandesgericht Hamm sahen Fluchtgefahr. Selbst als enge Freunde und Familienmitglieder Middelhoffs eine Kaution von fast 900.000 Euro anboten, blieben die Richter hart.

Von

dpa

Kommentare (5)

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Herr Jürgen Dannenberg

07.04.2015, 20:23 Uhr

Der "knallharte" Manager - so sensibel zu sich selbst.

Herr Herbert Maier

07.04.2015, 20:37 Uhr

Wie dieser Mann von der Justiz behandelt wird, ist Wahnsinn. Vielleicht fällt es ja hier besonders auf, weil es ein medienwirksamer Fall ist. Eine solch unmenschliche Behandlung mit Schlafentzug gehört in der deutschen Justiz für ALLE schnellstens abgestellt, zumal es wesentlich schonendere Mittel gibt, die den gleichen oder sogar besseren Erfolg erzielen. Anstatt den Selbstmord zu verhindern, treibt so eine Folter Menschen ja geradezu in den Selbsmord oder macht sie schwer krank!

Herr Werner Christian Wöhrle

08.04.2015, 07:09 Uhr

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