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12.01.2011

13:28 Uhr

Thomas Seifert

Ein Deutscher führt US-Chipkonzern AMD

VonJoachim Hofer

Erst im Herbst 2009 holte der US-Chiphersteller AMD den deutschen Manager Thomas Seifert als Finanzchef nach Austin in Texas. Jetzt erklimmt der gebürtige Nürnberger die nächste Stufe auf der Karriereleiter - aber wohl nur für kurze Zeit: Der 47-Jährige übernimmt den Chefposten des Anfang der Woche geschassten Dirk Meyer.

Thomas Seifert: Der Ex-Qimonda-Vorstand rückt an die Konzernspitze beim AMD. Pressebild

Thomas Seifert: Der Ex-Qimonda-Vorstand rückt an die Konzernspitze beim AMD.

MÜNCHEN. Als der Münchener Halbleiterhersteller Qimonda Anfang 2009 pleiteging, da taten sich viele Mitarbeiter ausgesprochen schwer, einen neuen Job zu finden. Auf dem Höhepunkt der weltweiten Wirtschaftskrise waren Chipspezialisten wenig gefragt.

Umso mehr rieben sich viele Ex-Beschäftigte von Qimonda die Augen, als ihr einstiger Vorstand Thomas Seifert ein paar Monate nach der spektakulären Insolvenz zum Karrieresprung in die USA ansetzte: Der Chipproduzent AMD holte den Manager im Herbst 2009 als Finanzchef nach Austin, Texas.

Jetzt erklimmt der gebürtige Nürnberger die nächste Stufe auf der Karriereleiter - wahrscheinlich aber nur für kurze Zeit: Der 47-Jährige werde den schärfsten Rivalen von Weltmarktführer Intel führen, bis ein Nachfolger für den Anfang der Woche geschassten Vorstandschef Dirk Meyer gefunden ist, teilte AMD mit. Seifert selbst habe kein Interesse, den Führungsjob dauerhaft zu übernehmen. Meyer muss gehen, weil es ihm in den gut zwei Jahren an der Spitze von AMD nicht gelungen war, gegenüber Intel Boden gutzumachen. Die zwei US-Firmen sind die mit Abstand größten Hersteller von Prozessoren, den Gehirnen aller Computer. Allerdings sind die Gewichte extrem ungleich verteilt: Intel ist hochprofitabel und erreichte vergangenes Jahr etwa 40 Milliarden Dollar Umsatz. AMD hingegen kämpft seit Jahren mit roten Zahlen und ist mit Erlösen von rund sechs Milliarden deutlich kleiner.

Seit der Gründung vor mehr als 40 Jahren hinkt AMD dem großen Wettbewerber hinterher. An der misslichen Lage konnte auch Seifert bislang nichts ändern. Dabei besteht kein Zweifel, dass der groß gewachsene Mann, den so mancher Ex-Qimonda-Mitarbeiter als "harten Hund" in Erinnerung hat, die Branche exzellent kennt und viel Erfahrung besitzt.

Seine Karriere hat der Mann mit der ausgeprägten Glatze in der Halbleitersparte von Siemens begonnen, nach der Abspaltung Ende der 90er-Jahre gehörte er dem Top-Management von Infineon an. 2006 war er an vorderster Front, als Infineon seinen Speicherbereich unter dem Kunstnamen Qimonda an die Börse in New York brachte. Dass die Firma angesichts horrender Verluste keine drei Jahre später schon wieder aufgeben musste, hat AMD nicht davon abgehalten, den Deutschen als obersten Kassenwart anzuheuern.

Wie lange Seifert nun das Ruder bei AMD in der Hand behalten wird, ist offen. Die Suche nach einem neuen Boss läuft bereits. .

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