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07.12.2016

14:15 Uhr

Thorsten Dirks

„Mister O2“ steuert bald Eurowings

Unter Thorsten Dirks wurde Telefónica zum größten deutschen Mobilfunker. Kürzlich verkündete der Manager seinen Abschied. Jetzt ist klar, was seine nächste Aufgabe ist: die Lufthansa-Tochter Eurowings auf Kurs bringen.

Der Manager wechselt in den Vorstand der Lufthansa. Jödpa

Thorsten Dirks

Der Manager wechselt in den Vorstand der Lufthansa.

FrankfurtDie Lufthansa beruft den langjährigen Mobilfunk-Manager Thorsten Dirks zum Vorstand für die Billigfluglinie Eurowings. Der Chef der unter der Marke „O2“ bekannten Telefónica Deutschland werde den Vorstandsposten im Mai von Karl Ulrich Garnadt übernehmen, teilte die größte deutsche Fluglinie am Mittwoch mit. Garnadt, der seit Jahrzehnten für die Lufthansa arbeitet, tritt aus Altersgründen ab.

Der gebürtige Hamburger Dirks erhalte einen Vertrag über drei Jahre und solle neben Eurowings auch die digitalen Geschäfte der Lufthansa voranbringen. Zudem ist er für Töchter wie den Catering-Ableger LSG zuständig. Seinen Rückzug bei „O2“ kündigte der 53-jährige erst vor zwei Wochen an. Damals nannte er seinen nächsten Arbeitgeber noch nicht.

Die Berufung eines Branchenfremden in die Konzernspitze ist ungewöhnlich für die Lufthansa. Das deutsche Traditionsunternehmen rekrutiert Führungskräfte am liebsten direkt aus dem eigenen Haus. Der neue Finanzchef Ulrik Svensson ist da schon eine Ausnahme, da seine letzte Station in der Luftfahrt als Swiss-Finanzchef schon zehn Jahre zurückliegt.

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Der Lufthansa-Aufsichtsrat berät über den neuen Eurowings-Chef. Die Billigtochter entwickelt sich nicht so gut wie von Konzernchef Carsten Spohr angekündigt. Der Druck der Investoren auf die Fluggesellschaft wächst.

Und Dirks übernimmt mit der Verantwortung für das zentrale Zukunftsprojekt Eurowings einen der schwierigsten Jobs in der Frankfurter Zentrale. Für die Lufthansa hat der rasche Ausbau von Eurowings Priorität, um den Vormarsch von großen Low-Cost-Airlines wie Ryanair in Deutschland zu stoppen. Die Neugründung soll deshalb 40 Prozent günstiger fliegen als die Lufthansa selbst. Allerdings ist die Flotte wegen einer alten Vereinbarung mit den Piloten auf 23 Flugzeuge begrenzt. Die Lufthansa stationiert deshalb verstärkt Eurowings-Jets im Ausland, wo die Crews weniger verdienen.

Die Spartengewerkschaften von Piloten und Flugbegleitern treibt der Schritt auf die Barrikaden. Letztere bestreikten Eurowings bereits und der Konflikt ist immer noch ungelöst. Und die Airline ist einer der Gründe, warum sich der Ausstand der Flugzeugführer seit gut zweieinhalb Jahren hinzieht. Seine Fähigkeiten wird der Mobilfunkmanager nun benötigen. „Dirks hat bewiesen, dass er wirtschaftlichen Erfolg mit eiserner Kostendisziplin erreicht“, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr.

Der studierte Elektrotechniker Dirks hat die deutsche Mobilfunkbranche in den vergangenen zehn Jahren geprägte wie wenige. Zum Start des Handy-Booms Mitte der 90er-Jahre kam er zu E-Plus und nach vielen Stationen wurde er dort 2007 Chef. Er schaffte es, den Mobilfunkanbieter aus Düsseldorf trotz begrenzter finanzieller Mittel und löcherigem Netz zur Cash Cow für die Mutter KPN in den Niederlanden zu machen.

Der Umbau von Germanwings zu Eurowings

Germanwings

Germanwings war mit seiner Basis am Flughafen Köln/Bonn einst die drittgrößte Fluggesellschaft Deutschlands.

Quelle: dpa

Umbau

Auf Sicht wird die Marke allerdings in den kommenden Jahren von den Rollfeldern verschwinden, weil der Lufthansa-Konzern sein komplettes Billigflugangebot mittlerweile über die Plattform Eurowings organisiert.

Konkurrenzkampf

So will sich der Konzern im Kampf gegen Konkurrenten wie Easyjet und Ryanair behaupten.

Kein Markenauftritt

Die Marke Germanwings, die 2002 gegründet und 2013 neu gestaltet wurde, hat seinen eigenständigen Markenauftritt bereits ebenso verloren wie seine Präsenz im Internet und im Vertrieb.

Jets

Die Germanwings-Jets werden in den kommenden Jahren umgestaltet.

Germanwings-Absturz

Der Name Germanwings wird noch lange mit dem wohl vom Co-Piloten herbeigeführten Absturz des Flugs 4U9525 verbunden werden, bei dem im März 2015 alle 150 Menschen im Flugzeug ums Leben kamen.

Verzögerter Markenwechsel

Der Markenwechsel hin zu Eurowings war aus unternehmensstrategischen Gründen aber schon vor der Katastrophe beschlossene Sache - die Tragödie hat den Umbau eher verzögert als beschleunigt.

Mit zahlreichen Discount- und Spezialmarken wie etwa Ay Yildiz für Türken in Deutschland besetzte E-Plus viele Marktnischen, die Rivalen wie die Telekom ignorierten. Zudem ist er in der Branche bekannt für seine direkten Worte. So erzählte er auf einem Telekom-Kongress verblüfften Managern einst, dass sie sich auf ihr Kerngeschäft – Telefonieren und Datentarife zu günstigen Preisen – konzentrieren sollten, anstatt ständig neuen Ideen hinterherzurennen.

Im Herbst 2014 schluckte Rivale O2 aus München, eine Tochter des spanischen Mobilfunkriesen Telefónica, E-Plus für 8,5 Milliarden Euro. Damit rückte Dirks an die O2-Spitze und leitete die Fusion der Unternehmen. Zuletzt gab es aber großen Ärger, da die O2-Hotlines nicht erreichbar waren.

Von

rtr

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