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08.05.2014

13:10 Uhr

Tiefbau steht zum Verkauf

Roland Koch baut Bilfinger um

Ein reiner Baukonzern ist Bilfinger schon lange nicht mehr. Die Entwicklung hin zu Dienstleistungen geht weiter: Konzernchef Koch will den traditionellen Tiefbau größtenteils loswerden.

Solides erstes Quartal: Der Baukonzern Bilfinger liegt auf Kurs. Reuters

Solides erstes Quartal: Der Baukonzern Bilfinger liegt auf Kurs.

MannheimRoland Koch treibt den Umbau des einstigen Baukonzerns Bilfinger zum Dienstleistungsunternehmen weiter voran. Der Vorstandschef und ehemalige hessische Ministerpräsident stellt wesentliche Teile des Tiefbaugeschäfts zum Verkauf und will so die Profitabilität des MDax-Konzerns weiter erhöhen und das Wachstum beschleunigen. Bilfinger habe in diesem Geschäftsfeld immer wieder Rückschläge hinnehmen müssen, sagte Koch auf der Hauptversammlung am Donnerstag. Bilfinger hatte die Aktivitäten von 4,2 Milliarden Euro 2008 auf rund 1 Milliarde Euro 2013 zurückgefahren.

Die betroffenen Unternehmen sollen Koch zufolge „ausgewählten Interessenten“ zum Kauf angeboten werden. „Wir gehen davon aus, dass das in spätestens einem Jahr abgeschlossen ist.“ Es geht um Tiefbauaktivitäten mit einem Umsatz von rund 800 Millionen Euro. Dort arbeiten nach Unternehmensangaben rund 3000 Mitarbeiter, davon 1700 in Deutschland.

Das sind Europas größte Baukonzerne

Platz 9

NCC AB – 8,42 Milliarden Euro Umsatz

Das schwedische Unternehmen mit seinen knapp 18.000 Mitarbeitern wurde erst 1988 gegründet. Heute besteht es aus vier großen Geschäftsbereichen, unter anderem „NCC Housing“ und „NCC Roads“.

Platz 8

Ferrovial (Spanien) – 9,7 Milliarden Euro Umsatz

Das Unternehmen aus Madrid baut und betreibt auch Autobahnen und Flughäfen. Der Konzern errichtete unter anderem das Guggenheim-Museum in Bilbao.

Platz 7

Balfour Beatty (Großbritannien) - 11,63 Milliarden Euro Umsatz

Bereits seit 1909 sind die traditionsreichen Briten im Baugeschäft tätig und gehören zu den Platzhirschen in Europa. Die Londoner beschäftigen europaweit rund 30.000 Mitarbeiter.

Platz 6

Strabag (Österreich) – 13,12 Milliarden Euro Umsatz

Aus Wien in die Welt: Die Österreicher haben vor allem in Osteuropa expandiert. Seit 2014 konnte der Konzern den zuvor stark abgerutschten Umsatz stabilisieren und zuletzt wieder leicht steigern.

Platz 5

Eiffage (Frankreich) – 14,06 Milliarden Euro Umsatz

Neben einigen TGV-Trassen gehört auch die Erweiterung des EU-Parlaments zu den großen Projekten des Konzerns. In Deutschland sind rund 3.000 Eiffage-Mitarbeiter beschäftigt.

Platz 4

Skanska (Schweden) - 16,36 Milliarden Euro Umsatz

Kaum eine Straße, ein Kraftwerk oder Bürogebäude in Schweden ist ohne Beteiligung des skandinavischen Bauriesen entstanden. Auch international sind die Schweden aus Solna mittlerweile breit aufgestellt.

Platz 3

Bouygues (Frankreich) - 32,43 Milliarden Euro Umsatz

Neben Immobilien und dem Straßenbau ist der Pariser Konzern Großaktionär des französischen Fernsehsenders TF1. 2015 musste das Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr leichte Umsatzeinbußen hinnehmen.

Platz 2

ACS (Spanien) - 34,93 Milliarden Euro Umsatz

Die Spanier haben in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum hingelegt. Allein in den vergangenen drei Jahren stieg der Umsatz um rund zehn Milliarden Euro und ACS klettert das Treppchen weiter hoch. Zum Konzern gehört auch das deutsche Unternehmen Hochtief.

Platz 1

Vinci (Frankreich) – 38,52 Milliarden Euro Umsatz

Der größte Baukonzern Europas ist auch der größte Baukonzern der Welt und in der Kleinstadt Rueil-Malmaison nahe Paris beheimatet. Dem Konzern gehört unter anderem die Hälfte aller französischen Autobahnen. 2015 verzeichnete das Unternehmen ein Umsatzminus von knapp 0,5 Prozent.

Quelle: Deloitte

Am Hochbau mit einem Volumen von 700 Millionen Euro hält Koch aber fest. „Wir sind und bleiben eines der größten deutschen Hochbauunternehmen“, betonte er. Ausgenommen vom Verkauf sind auch Einheiten, die auf Offshore-Windkraftanlagen, den Bau von Überlandleitungen und Stahlbau spezialisiert sind. Strategischer Schwerpunkt von Bilfinger sind inzwischen Services rund um Immobilen, von der Planung und Finanzierung bis hin zu Betrieb und Reparatur oder Abwicklung.

Derzeit kappt Koch im Konzern die Kosten und strafft die Organisation. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen ging wegen Kosten für das Sparprogramm in den ersten drei Monaten 2014 um mehr als die Hälfte auf 22 Millionen Euro zurück. Unter dem Strich erwirtschaftete der Konzern einen Gewinn von 8 (Vorjahr: 21) Millionen Euro. Der milde Winter und Zukäufe sorgten für einen leichten Anstieg der Leistung um ein Prozent auf knapp 1,9 Milliarden Euro. 2013 betrug die Gesamtleistung des Unternehmens 8,5 Milliarden Euro.

Von

dpa

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