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05.01.2004

06:09 Uhr

Timur Gorjajew fing mit Pornoheften an

Weißer Riese aus Russland

VonMathias Brüggmann

Die Machtzentrale von Russlands Kosmetik- und Waschmittelriesen ist braun. Aus edlem Wurzelholz sind die Tische im obersten Stockwerk seines Arbeitszimmers im Kalina-Konzern in Jekaterinburg, der Hauptstadt des Ural.

JEKATERINBURG. Dunkelbraun und schwer sind die genoppten Ledersessel, dunkelbraun auch die holzgetäfelten Wände und sein Schreibtisch. Stolz platziert Timur Gorjajew den Besucher direkt gegenüber den Auszeichnungen für seinen Konzern, die wie goldene Schallplatten hinter seinem Schreibtisch hängen: Design- und Qualitätspreise. Und einmal durfte sich der nicht gerade groß gewachsene Mann im Nadelstreifenanzug bereits „Russlands Unternehmer des Jahres“ nennen – viel Ehre für einen erst 36-Jährigen.

Die Karriere des studierten Juristen begann mit dem Aufstieg eines Mannes aus seiner Heimatstadt: mit Boris Jelzin. Als dieser 1991 den KPdSU-Generalsekretär Michail Gorbatschow aus dem Sessel jagte und die kommunistische Kommandowirtschaft abschaffte, fing Gorjajew, der heute wie selbstverständlich eine teure Schweizer Uhr trägt, als Student ganz klein an. Er kopierte Pornohefte aus dem Baltikum und verkaufte sie im Ural.

„Ich war stolz, dass ich mit meinem Kopf mehr verdiente, als meine Kommilitonen mit schwerer körperlicher Arbeit beim gut bezahlten Laden von Eisenbahnwaggons“, erinnert sich der Kalina-Chef. Mit diesem Geld und weiteren von Freunden geliehenen 200 000 Dollar stieg er in den schwunghaften Handel mit Wodka ein, den er aus Israel importierte. Ein gewinnbringendes Geschäft bei seinem trinkfesten Volk.

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