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21.10.2014

15:30 Uhr

Tod von Total-Chef De Margerie

„Wir haben das Familienoberhaupt verloren“

VonThomas Hanke

Von seinen Mitarbeitern verehrt: Total-Chef Christophe de Margerie stirbt bei einem Flugzeugunglück. Den Mitarbeitern des Ölkonzerns stehen die Tränen in den Augen. „Das Quäntchen mehr an Seele und Emotion“ wird fehlen.

Der kürzlich verstorbene Total-Chef Christophe de Margerie: Sein Unfalltod überrascht das Unternehmen. AFP

Der kürzlich verstorbene Total-Chef Christophe de Margerie: Sein Unfalltod überrascht das Unternehmen.

ParisDer Unfalltod des Total-Chefs Christophe de Margerie trifft das französische Unternehmen hart. De Margerie war eine Ausnahmeerscheinung, in der Öffentlichkeit nicht immer beliebt, von seinen Mitarbeitern aber wegen seines Charismas verehrt. Wer einen Multi von der Größe des französischen Mineralölkonzerns führt, wird respektiert, geachtet und oft auch gefürchtet. De Margerie aber war für viele Total-Mitarbeiter nicht nur der mächtige Boss, sondern jemand, zu dem eine emotionale Bindung bestand. Einigen von ihnen standen die Tränen in den Augen, als sie am Dienstag über ihn sprachen. „Wir haben nicht nur den Chef verloren, sondern das Familienoberhaupt“, brachte einer von ihnen die außergewöhnliche Stellung des 62-jährigen und die Wirkung seines unerwarteten Todes auf den Begriff.

Vorübergehend wird wohl Thierry Desmaret, der frühere Vorstandschef, das Unternehmen führen. Operativ funktioniert das Unternehmen weiter, da dem engeren Vorstand neben De Margerie sechs weitere Mitglieder angehören, die für das Tagesgeschäft in allen seinen Sparten zuständig sind. Die Nachfolgeentscheidung obliegt dem Aufsichtsrat. Da ihm einige internationale Mitglieder angehören wie die Schweizerin Barbara Kux und der Schwede Gunnar Brock, dauert es einen Moment, bis er zusammentreten kann.

De Margerie hat sein ganzes Berufsleben bei Total absolviert. 1974 ist er in das Unternehmen eingetreten, für das er auf fast allen Kontinenten gearbeitet hat. Nachdem er Finanzchef war und die Explorationssparte führte wurde er 2007 zum Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzenden. In seiner Zeit wagte Total sich immer weiter in die aufwändige und teure Offshore-Förderung von Öl vor. De Margerie hielt auch als Vorsitzender engen Kontakt zu den Regierungen in den wichtigen Förderländern.

Für Total als französischen Konzern ist es nicht einfach, gegen die amerikanischen Majors und die aufstrebenden chinesischen Konzerne zu bestehen. De Margerie schaffte es aber, Totals Stellung zu bewahren, auch in zunehmend umworbenen Ländern wie in Westafrika.

De Margerie gehörte zu Frankreichs alter Wirtschaftselite: Seine Mutter stammte aus der Champagner-Dynastie Taittinger. Trotzdem hatte er ein feines Gespür für politische Zusammenhänge und verstand sich darauf, die Grenzen wirtschaftlicher Macht zu sehen. Ins Bockshorn jagen ließ er sich aber nicht: Im Irak etwa investierte er trotz massiver Drohungen der Regierung stark in den kurdischen Gebieten. Seit dem Ausbruch der Ukraine-Krise bemühte

De Margerie sich hinter den Kulissen darum, eine Konfrontation zwischen Russland und Europa zu vermeiden. Seine Kritiker führen das alleine auf die starken Investments von Total etwa im Erdgasfeld Yamal zurück. Doch ging es De Margerie wohl um mehr: Er wollte vermeiden, dass Europa und Russland sich in einem für beide Seiten gefährlichen und schädlichen Konflikt aufreiben.

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