Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.01.2007

14:44 Uhr

Tony Hayward

Aufstieg eines Kritikers

VonDirk Heilmann

Wer sich Hoffnung macht, seinen Chef zu beerben, muss vor allem einen Zeitpunkt genau treffen: den Zeitpunkt, an dem es richtig ist, öffentlich auf Distanz zu gehen. Das ist Tony Hayward, dem künftigen Chef von BP, perfekt gelungen. Jetzt soll der 49-Jährige das Unternehmen schnell aus der Krise führen.

LONDON. Jahrelang stand er wie der ganze BP-Vorstand im Schatten des übermächtigen John Browne. Selbst Hayward, der als Explorations- und Produktionschef für das Herz des Ölriesen verantwortlich war, saß auf Pressekonferenzen im Publikum und redete nur, wenn der Lord auf dem Podium ihn aufrief, eine Detailfrage näher zu erläutern.

Doch vor Weihnachten sah Hayward die Zeit gekommen, sich bemerkbar zu machen. Auf einer Betriebsversammlung in Houston sprach er offen über die Ursachen der folgenschweren Pannenserie in Nordamerika. „Wir haben wohl einen Führungsstil, der zu sehr auf Weisungen beruht und nicht genug auf Zuhören“, sagte er, nahe dem Schauplatz der Raffinerie-Explosion in Texas City mit 15 Todesopfern. „Die Mannschaften vor Ort haben zu lange von Quartal zu Quartal improvisiert, statt darüber nachzudenken, wie wir unsere Anlagen für die nächsten 30 oder 40 Jahre am Laufen halten“, fuhr er fort. Die nötigen Änderungen müssten „an der Spitze der Organisation beginnen“.

So bestätigte Hayward die Kritiker, welche die Katastrophe in Texas City nicht als Zufall sehen, sondern als Folge einer Sparsamkeit, die auf Kosten der Sicherheit geht. Zu einem ähnlichen Resultat dürfte der Untersuchungsbericht kommen, den Ex-US-Außenminister James Baker morgen Nachmittag in Houston vorstellen wird.

Haywards Worte fanden als Bericht eines konzerninternen Journalisten den Weg ins BP-Intranet – und von dort in die Presse. Obwohl Hayward sofort erklären ließ, es handele sich um Selbstkritik, ist doch nicht schwer zu erkennen, wer auch gemeint ist. Hat das Brownes Entscheidung beschleunigt, eineinhalb Jahre früher als geplant in den Ruhestand zu gehen? Zumindest hat es Haywards Aufstieg nicht geschadet.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×