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12.01.2007

16:16 Uhr

Top-Frauen der Finanzwelt

Nicht ohne den Vater

VonStefanie Müller

Als Tochter von Emilio Botín hat man es nicht leicht, in die beruflichen Fußstapfen des Vaters zu treten. Schließlich ist der 72-Jährige Spaniens berühmtester Banker. Ana Patricia Botín hat den Schritt trotzdem gewagt und führt seit 2002 die Bank Banesto

MADRID. Die Frau mit dem gebräunten Gesicht, den strahlenden blauen Augen und der klassisch dezenten Kleidung wirkt immer etwas unsicher, wenn sie vor der Presse steht. Auch in dieser Woche bei der Präsentation der Geschäftsergebnisse der Bank, die sie führt: der Banco Español de Credito (Banesto). Ana Patricia Botíns Stimme ist fest und dunkel, aber die Gesten sind weniger überzeugt, als man das von ihrem selbstbewussten Vater, Emilio Botín, gewohnt ist.

Und das, obwohl das Ergebnis ihrer Bank blendend ist: Banesto konnte im vergangenen Jahr den Gewinn um 154 Prozent auf 1,4 Mrd. Euro steigern. Der Vater, der die Geschicke der Muttergesellschaft Bank Santander Central Hispano (SCH) lenkt, dürfte stolz sein auf die Arbeit seiner Tochter. Trotzdem schaut Ana Botín besorgt. Ihre Stirn legt sich in Falten. Die dreifache Mutter würde wenigstens für diesen Tag am liebsten ihren allmächtigen Vater aus dem Leben verbannen, zumindest aus ihrem Berufsleben. Denn sie fürchtet, dass irgendein Journalist Fragen zur SCH und damit indirekt zu ihrem Vater stellen könnte.

Kein Wunder: Die Tochter gilt als seine Nachfolgerin an der Spitze der größten spanischen Bank. Ihre Familie hat SCH in den vergangenen 150 Jahren aufgebaut und hält mehr als ein Prozent daran. Böse Zungen behaupten, die international vielfach prämierte Unternehmerin Ana Bótin habe ihre Position allein den familiären Kontakten zu verdanken. „Ich musste mich jedoch bei all den Jobs immer beweisen wie jeder andere Angestellte der Bank, er hat mir nichts geschenkt“, verteidigt sie sich.

Luis Abril, der früher die Kommunikationsabteilung bei der SCH leitetete, kann das bestätigen: „Sie hat schon früh bewiesen, dass sie eigenständig ist und nicht im Schatten des 72-jährigen Vaters steht.“ Mit dem MBA von der renommierten US-Uni Harvard in der Tasche begann sie bei JP Morgan in New York. Während der sieben Jahre, die sie bei der US-Investmentbank verbrachte, lernte sie, mit Millionen zu jonglieren, ihr Englisch zu perfektionieren, über den eigenen Tellerrand zu schauen und dabei nicht das Leben zu vergessen. Trotz ihrer steilen Karriere heiratete sie früh und bekam Kinder. Von ihrer Mutter, der Pianistin Paloma O’Shea, hat sie den Sinn für Musik und Kultur geerbt. Von ihrem Vater den Ehrgeiz und die aufbrausende Art. „Sie kann ganz schön laut werden“, berichtet ein ehemaliger Mitarbeiter.

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