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04.01.2007

13:26 Uhr

Top-Frauen in der Finanzwelt

„Frauen haben mehr Stil“

VonGerd Höhler

Piraye Antika ist eine der wichtigsten Frauen in Istanbul: Die 46-Jährige ist Türkei-Chefin der Großbank HSBC mit knapp 5 000 Mitarbeitern. Antika stellt in ihrer Position allerdings keine Ausnahme dar, denn in der türkischen Finanz- und Wirtschaftsmetropole begegnet man allenthalben weiblichen Führungskräften.

ISTANBUL. Die türkische Hauptverwaltung der Großbank HSBC im Istanbuler Finanzviertel Maslak ist gesichert wie eine Festung. Bewaffnete Wachmänner patrouillieren vor dem Gebäude, in dem sich Besucher nur in Begleitung des Sicherheitspersonals bewegen dürfen. „Das muss leider sein“, sagt Piraye Antika, „wir haben uns längst daran gewöhnt.“ Schon seit 1993 ist Antika Chief Executive Officer (CEO) des Kreditinstituts. Schulterlanges dunkles Haar, dezentes Make-up, ein eleganter dunkelgrauer Hosenanzug, dessen Jackett aus der Herrenabteilung stammen könnte: Die Bankerin, deren braune Augen stets den Blickkontakt zu ihrem Gesprächspartner suchen, strahlt Selbstbewusstsein und Gelassenheit aus. „Ich mache seit 13 Jahren denselben Job“, sagt die 46-Jährige, fast als müsse sie sich dafür entschuldigen, „aber meine Arbeit ist immer noch so faszinierend wie am ersten Tag.“

Dabei wollte die Volkswirtin eigentlich eine akademische Karriere einschlagen. Doch bevor es dazu kam, wurde sie gleich nach dem Studium in den USA von Chase Manhattan angeworben, um eine Repräsentanz der Bank in Istanbul aufzubauen. Bereut hat Piraye Antika den Wechsel von der Uni in die Finanzwirtschaft „keinen Augenblick“, wie sie sagt. „Was mich reizt, ist der ständige, schnelle Wandel in unserer Branche, die Breite meines Aufgabenfeldes, vom Investment-Banking über das Privatkundengeschäft bis zur Kreditkartensparte, und der Kontakt mit so vielen, ganz unterschiedlichen Kunden.“

Dass auch Krisenmanagement zu ihrem Job gehört, erfuhr Piraye Antika am 20. November 2003, ein Datum, das sie wohl nie mehr vergessen wird. An jenem Tag detonierte um elf Uhr vor der Hauptverwaltung der HSBC ein mit Sprengstoff vollgepackter Lieferwagen. „Das Gebäude wankte in seinen Grundfesten, wir dachten, es sei ein Erdbeben, so stark war die Erschütterung“, erinnert sich Antika. Den Rettungsmannschaften, die wenige Minuten nach der Explosion eintreffen, bietet sich ein Bild völliger Verwüstung. Wie durch ein Wunder kamen von den fast 1 000 Menschen, die in dem Gebäude arbeiteten, nur drei ums Leben. Panik? Die hat Piraye Antika zumindest selbst nicht verspürt. „Dazu war gar keine Zeit, wir mussten agieren. Schon zwei Stunden nach der Explosion waren wir wieder im Interbank-Dealing“, berichtet die Bankerin, „und wir haben an jenem Tag trotz der Ausnahmesituation alle unsere Zahlungsverpflichtungen erfüllt.“ Der Anschlag war Teil einer von türkischen Al-Kaida-Sympathisanten verübten Attentatsserie, bei der im November 2003 in Istanbul über 60 Menschen ums Leben kamen und Hunderte verletzt wurden. Hat HSBC nach dem Attentat jemals daran gedacht, wegen der Terrorgefahr die Türkei zu verlassen? „Keine Sekunde lang“, sagt Antika. „Es mag zynisch klingen, aber in gewisser Weise hat uns der Anschlag sogar geholfen – er hat unser Team zusammengeschweißt und motiviert“, sagt sie.

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