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03.04.2013

15:37 Uhr

Top-Managerin

Deutsche Bank verliert Charlotte Jones

Charlotte Jones verlässt die Deutsche Bank. Die Vize-Finanzchefin und Top-Managerin verlasse das Institut noch diesen Monat, teilte die Deutsche Bank mit. Gründe dafür wurden nicht genannt.

Die Top-Managerin Charlotte Jones verlasse das Institut noch diesen Monat, teilte die Deutsche Bank am Mittwoch mit, ohne Gründe zu nennen. dpa

Die Top-Managerin Charlotte Jones verlasse das Institut noch diesen Monat, teilte die Deutsche Bank am Mittwoch mit, ohne Gründe zu nennen.

FrankfurtBei der Deutschen Bank nimmt Vize-Finanzchefin Charlotte Jones ihren Hut. Die Top-Managerin verlasse das Institut noch diesen Monat, teilte die Deutsche Bank am Mittwoch mit, ohne Gründe zu nennen. Jones, Stellvertreterin von Finanzvorstand Stefan Krause, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Über den Abgang der Managerin hatte zuvor auch die Wochenzeitung "Die Zeit" berichtet. Jones ist seit 2004 bei der Deutschen Bank, schaffte es allerdings nicht in den Vorstand oder den erweiterten Vorstand (GEC).

Die Kernpunkte der neuen Deutsche-Bank-Strategie

Einsparungen

Bis 2015 sollen die jährlichen Kosten um 4,5 Milliarden Euro sinken - das ist rund ein Sechstel der Kostenbasis für 2012 von gut 27 Milliarden Euro. Von den Einsparungen sollen 2,8 Milliarden aus dem operativen Geschäft kommen, 1,9 Milliarden allein aus der Investmentbank. Das heißt: 1500 gestrichene Investmentbanker-Stellen, drastisch sinkende Boni und eine noch unbekannte Zahl von Arbeitsplätzen, die in der Vermögensverwaltung wegfallen. 1,7 Milliarden Euro soll die "Infrastruktur" der Bank beisteuern. Zunächst wird das Sparprogramm allerdings erst einmal vier Milliarden Euro kosten.

„Bad Bank“

Der deutsche Branchenprimus will Risikopapiere im Wert von 135 Milliarden Euro und nicht zum Kerngeschäft zählende Anlagen in eine Art konzerninterne „Bad Bank“ schieben, wo sie möglichst ohne Verluste abgewickelt werden sollen. So soll die risikogewichtete Bilanzsumme (RWA) der Bank um mehr als ein Drittel schrumpfen, und die Eigenkapitalquote steigt auch ohne Kapitalerhöhung. 100 Milliarden Euro der Summe kommen allein aus der Investmentbank. 45 Milliarden - ein Drittel - sollen schon Ende März aus der Bilanz verschwunden sein, Ende 2013 schon 80 Milliarden Euro.

Renditeziele

Bis 2015 wird eine Eigenkapitalrendite nach Steuern von 12 Prozent angestrebt. Im ersten Halbjahr 2012 lag sie bei 7,4 Prozent. Unter Führung von Josef Ackermann hatte die Bank sich 25 Rendite vorgenommen - vor Steuern. Die Erwartungen des neuen Vorstands entsprechen einer Vorsteuerrendite von 17 bis 18 Prozent.

Vergütung

Die Boni für Führungskräfte sollen sinken - und sie werden später ausbezahlt. Anstatt sie über drei Jahre in Raten ausgeschüttet zu bekommen, müssen die Banker nun fünf Jahre warten. Und nur wenn sich der Erfolg, der mit den Boni belohnt wurde, dann als dauerhaft herausstellt, sollen die Bonus-Aktien fließen. Ein Gremium externer Experten soll regelmäßig das allgemeine Gehaltsniveau überprüfen.


Kapital

Die meisten Analysten halten die Kapitalausstattung der Bank für zu niedrig. Auf 7,2 Prozent kommt sie nur, wenn Anfang 2013 die schärferen Eigenkapitalvorschriften von Basel III in Kraft treten. Bis März 2013 sollen daraus acht Prozent werden, zwei Jahre später soll das Kapitalpolster in Form von Aktien und Gewinnrücklagen auf zehn Prozent wachsen. Das wäre mehr als die rund neun Prozent, die die Deutsche Bank langfristig nach dem Willen der Aufseher haben muss. Auf Kapitalerhöhungen will das Institut weiterhin verzichten.

Regionale Aufstellung

Wachsen will die Deutsche Bank künftig vor allem in Asien. Dort seien jährliche Zuwachsraten von mehr als 20 Prozent beim operativen Gewinn möglich, in Deutschland und Amerika immerhin noch 10 bis 20 Prozent. In Deutschland will die Bank bis 2015 zehn Milliarden Euro mehr Kredite vergeben. Dagegen rechnet die Deutsche Bank damit, dass ihr Ergebnis im Rest von Europa in den nächsten drei Jahren schrumpft.

Kulturwandel

Die Deutsche Bank will künftig nicht mehr alle Geschäfte machen, nur weil juristisch nichts dagegen einzuwenden ist. Sie war unter anderem wegen Spekulationen mit Nahrungsmittel-Rohstoffen und Rüstungsunternehmen in die Kritik geraten.

Geschäftsbereiche

Zwei Sparten sollen kräftig zulegen: Die Sparte Asset & Wealth Management (AWM) soll den Gewinn vor Steuern bis 2015 auf 1,7 Milliarden Euro mehr als verdoppeln. Ein Verkauf großer Teile der Sparte war gescheitert. Das Global Transaction Banking (GTB) soll bis 2015 einen Gewinn von 2,4 (2011: 1,0) Milliarden Euro vor Steuern abliefern. Die Privatkundensparte (PBC) hat für einen Gewinn vor Steuern von drei Milliarden Euro nun ebenfalls bis 2015 Zeit. Für die Investmentbank gilt nun das Ziel einer Eigenkapitalrendite von 15 Prozent nach Steuern - etwas mehr als im Konzern.

Jones betreute unter anderem die Einführung des internationalen Bilanzierungsstandards IFRS bei Deutschlands größtem Geldhaus.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Micha

03.04.2013, 16:31 Uhr

Jeder Mensch ist ersetzbar! Das gilt auch für Top-Manager!
Ist er "scheinbar" nicht ersetzbar, hat er nur einen "schlechten Job" gemacht, alles auf sich fixiert, nicht kommuniziert und nicht delegiert, also KEIN Top-Manager!

Account gelöscht!

03.04.2013, 18:46 Uhr

... und sind die jetzt traurig wegen der Frau oder wegen der Quote?

Account gelöscht!

03.04.2013, 18:48 Uhr

@Micha

Es ist doch immer wieder schön gruselig, so einen TEAM-Kuschler flöten zu hören.

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