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29.01.2010

12:11 Uhr

Top-Thema in Davos

Manager buhlen um Vertrauen

VonDieter Fockenbrock

Wie kann das in der Finanzkrise zerstörte Vertrauen wieder hergestellt werden? Diese Frage ist eine der wichtigsten, die in Davos diskutiert werden. Einige Manager sehen das Problem beim eigenen Berufsstand – andere weisen auf die Schuld des Konsumenten hin.

Metro-Chef Eckard Cordes: "Die Regierungen müssen verstehen, dass sie nicht die besseren Geschäftsleute sind." ap

Metro-Chef Eckard Cordes: "Die Regierungen müssen verstehen, dass sie nicht die besseren Geschäftsleute sind."

DAVOS. Wie kann das Vertrauen in die Unternehmensführungen, das im Zuge der Finanzkrise verloren ging, zurückgewonnen werden? Diese Frage zieht sich wie ein roter Faden durch das Wirtschaftsforum - doch niemand hat eine schlüssige Antwort. Statt dessen weisen sich Manager aus Industrie und Finanzwirtschaft, Gewerkschafter und Wissenschaftler gegenseitig den schwarzer Peter zu.

Nur in einem Punkt stimmen sie überein: Beim Stakeholder Value, bei der Abkehr von der reinen Shareholder-Philosophie in der Unternehmensführung. Ein Management, das sich "auf finanzielle Kennziffern konzentriert, ist nur von kurzer Lebensdauer", prophezeit Daniel Vasella, Chairman und bis vor wenigen Tagen CEO des Schweizer Konzerns Novartis.

Von Spaß an der falschen Stelle und Unverständnis beim Publikum

Manchmal kommen die richtigen Anregungen nicht von prominent besetzten Podien, sondern aus dem Publikum: "Weiß die Wirtschaft eigentlich, dass sie eine gesellschaftliche Lizenz zum Arbeiten braucht", fragt ein niederländischer Manager. John Monks, Chef der europäischen Gewerkschaftsunion, nickt. Er selbst belässt es aber dabei, auf Banker einzudreschen. Vor allem der Chef von Goldman Sachs, Lloyd Blankfein hat es ihm angetan: Blankfeins Vergleich seiner Arbeit mit "Gottes Werk" sei wohl lustig gemeint gewesen. Bei 40 Millionen Menschen, die weltweit ihren Job durch die Krise verloren hätten, komme der Spaß aber nicht gut an.

Immerhin gibt es einige Manager, die das Problem auch beim eigenen Berufsstand sehen. Metro-Chef Eckhard Cordes sagt, "der Mann auf der Straße hat nicht verstanden was da passiert ist". Möglicherweise könne er das wegen der Komplexität auch gar nicht. Umso wichtiger sei es, dass "wir unseren Mitarbeitern Ziele und Strategie richtig erklären". Allerdings fürchtet Cordes, dass die Politik ihre Führungsrolle überschätzt: "Die Regierungen müssen verstehen, dass sie nicht die besseren Geschäftsleute sind." Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski räumt ein, dass "diese Krise vor allem eine Führungskrise ist". Er wirbt für ein "europäisches Modell der Unternehmensführung" und stellte den eigenen Konzern als Vorbild dar.

Die Werte sind nach Ansicht von Thomas Glocer, CEO bei Thomson Reuters, jedoch auch "auf individueller Ebene durcheinander geraten. So machten Konsumenten heute Hersteller für Fehler verantwortlich, obwohl sie eine Folge des eigenen Fehlverhaltens seien. Studien zufolge sagen zwei Drittel der Arbeitnehmer, dass sie ihre privaten Werte nicht im Beruf anwenden.

Kommentare (1)

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Jedermann

29.01.2010, 15:44 Uhr

Ganz kurz und auf den Punkt gebracht: Der Fisch stinkt vom Kopf. Managergehälter und Gewinn steigern, gleichzeitig den Mitarbeitern immer mehr abverlangen und am besten noch die Löhne kürzen; dafür auch noch Verständnis beim Ausgebeuteten erwarten. Hallo!!! Habt ihr Manager den letzten Schuss nicht gehört? Den Konzern vor die Wand fahren, Abfindung kassieren, neuer Job im nächsten Konzern schon in der Tasche und die Arbeitnehmer in Harz 4. bravo. Tolle Leistung. Dafür auch noch Verständnis zu erwarten. ich bin fassungslos über soviel borniertheit.

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