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09.07.2013

07:20 Uhr

Tourismus

Auf nach Ägypten!

VonPatrick Schultz

Der arabische Frühling hatte Ägypten-Buchungen spürbar gedrückt. Die jüngsten Unruhen spüren Reiseunternehmer bislang nicht. Sie fliegen ihre Kunden weiter ans Rote Meer und hoffen auf Geschäfte wie vor der Revolution.

Ägypten-Urlauber: Unruhen können die Ferienstimmung drücken. dpa

Ägypten-Urlauber: Unruhen können die Ferienstimmung drücken.

DüsseldorfDas Auswärtige Amt warnt nach dem Staatsstreich und gewaltsamen Ausschreitungen von Reisen in einige Regionen Ägyptens „dringend ab“ – bei den großen deutschen deutschen Reiseveranstaltern TUI, DER-Touristik und Thomas Cook gibt man sich trotz der Verschärfung der Reisewarnung gelassen. Das Ägypten-Geschäft laufe im „normalen Rhythmus“, heißt es etwa beim größten Anbieter TUI. Ein gutes Geschäftsjahr 2013 sei immer noch möglich, trotz mehr als 50 Toten in Kairo.

Angesichts der jüngsten Entwicklung in Ägypten rät die Bundesregierung allen deutschen Touristen von Nil-Kreuzfahrten und den Besuch von Touristenzentren in Oberägypten wie Luxor und Assuan ausdrücklich ab. Offiziell gewarnt wird auch vor Reisen ins ägyptisch-israelische Grenzgebiet sowie in den Nordsinai. Als sicher gelten trotz der Unruhen weiterhin die Touristengebiete am Roten Meer.

Die Veranstalter haben nach der Warnung aus dem Außenministerium zwar alle Reisen in die Region Kairo für kommende Woche abgesagt. Das könne man aber verkraften, heißt es unisono: Dort fahre im Sommer ohnehin kaum jemand hin. Die Kairo-Touristen der vergangenen Woche könne man „an einer Hand abzählen“, heißt es bei TUI.

Die Rechte der Fluggäste

Betreuung bei Verspätung oder Annullierung

Bei Flügen bis zu 1500 Kilometern Entfernung haben Fluggäste ab zwei Stunden Verspätung Anspruch auf Betreuungsleistungen - also Telefonate, Getränke, Mahlzeiten und gegebenenfalls eine Übernachtung im Hotel. Bei einer Strecke von 1500 bis 3500 Kilometern gibt es Unterstützung nach drei Stunden, ab 3500 Kilometern Strecke nach vier Stunden. Ab einer Wartezeit von fünf Stunden können Passagiere eine Erstattung des Flugpreises verlangen.

Betreuung bei Verspätung oder Annullierung 2

Anspruch auf Betreuung haben Reisende aber auch, wenn Flüge wegen "außergewöhnlicher Umstände" wie der Luftraumsperrung nach einem Vulkanausbruch annulliert werden müssen. Die Airlines müssen dann etwa im Ausland gestrandeten Reisenden solange Hotel und Vollpension zahlen, bis sie abfliegen können. Die Betroffenen können in solchen Fällen aber nur eine "notwendige und angemessene" Betreuung verlangen, heißt es in einem neuen EuGH-Urteil.

Stornierung und Umbuchung bei Streiks

Einen wegen Streiks gestrichenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug. Das kann aber dauern, bis der Streik vorbei ist - und auch länger, da ein Rückstau entstehen kann.

Entschädigung

Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung ab drei Stunden haben Passagiere zwar laut EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro - aber nur, wenn kein "außergewöhnlicher" Umstand daran schuld ist. Die Fluggesellschaften werten Streiks ebenso wie miserables Wetter als außergewöhnlichen Umstand. Zu Recht, wie der Bundesgerichtshof (BGH) entschied: Streiks könnten als außergewöhnlicher Umstand von Airlines "nicht beherrscht" werden.

Informationen

Erster Ansprechpartner für Flugreisende ist immer die Fluggesellschaft, bei Pauschalreisen der Reiseveranstalter. Reisende sollten sich am Flughafen schriftlich die Verspätung oder Flugausfall bestätigen lassen. Hilfreich ist auch ein Beweisfoto der Anzeigetafel. Reisende sind allerdings verpflichtet, sich rechtzeitig über aktuelle Änderungen von Abflug- und Ankunftszeiten zu informieren. Bei Informationen aus dem Internet ist es sinnvoll, sich diese auszudrucken, um später einen Beleg zu haben.

Pünktlichkeit

Auch bei einer großen absehbaren Verspätung sollten Passagiere immer zur ursprünglichen Abflugzeit am Flughafen sein. Es besteht sonst die Gefahr, dass die Fluggesellschaft doch früher einen Ersatzflug anbieten kann - und der Reisende ihn dann verpasst.

Ihr Geschäft machen die Reiseveranstalter derzeit in den Badeorten am Roten Meer. Und die sind von der Reisewarnung ausdrücklich ausgenommen: Dort, teils mehrere hundert Kilometer von den Unruhen in Kairo entfernt, machten die Touristen unbesorgt weiter Urlaub, versichern die Touristik-Konzerne. Mehr Stornierungen als gewöhnlich gebe es nicht; auch bei den Neu-Buchungen deute nichts auf einen Einbruch hin.

Entscheidend sei ohnehin die Winter-Saison. Wie es bis dahin in Ägypten aussieht, könne niemand sagen; die DER-Touristik etwa hat derzeit 40 Prozent Buchungen mehr als im Vorjahr. Doch eine instabile politische Lage kann Touristen durchaus beeinflussen, wie Erfahrungen aus dem arabischen Frühling zeigen.

Kommentare (14)

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09.07.2013, 08:27 Uhr

Ein Land in dem das Militär den demokratisch gewählten Präsidenten wegputscht und friedliche Demonstranten beim Morgengebet zu Dutzenden massakriert sollte von allen Reisenden boykottiert werden!

MenschDerInFriedenLebenWill

09.07.2013, 08:35 Uhr

Ein Land sich gegen den schlimmsten Faschismus aller Zeiten wehrt und ihn in seine Schranken weist bevor dieser seine Mordlust und seine Menschenverachtung ausleben kann, sollte von allen Reisenden unterstüzt werden!

Account gelöscht!

09.07.2013, 09:01 Uhr

Mal ehrlich: Wenn man in den kälteren Jahreszeiten für bezahlbares Geld zum Baden will - was bleiben für Ziele, wo die Menschen nicht gehörig einen an der Waffel haben? Das ist da überall so, das macht halt die Sonne...
Und kommt mir nicht mit Israel - das ist der einzige Staat, den ich tatsächlich aus politischen Gründen boykottiere

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