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03.03.2014

17:30 Uhr

Tourismus-Konzern

Hotel-Milliardär will sich bei FTI einkaufen

FTI holt sich Verstärkung aus Ägypten: Der Reiseveranstalter will mit dem Hotel-Milliardär Samih Sawiris Dienstleistungen von der Buchung bis zur Gästebetreuung anbieten. Die Zustimmung der Kartellwächter steht noch aus.

Der ägyptische Immobilienunternehmer Samih Sawiris will Anteile an FTI kaufen. Reuters, Sascha Rheker

Der ägyptische Immobilienunternehmer Samih Sawiris will Anteile an FTI kaufen.

MünchenDer ägyptische Hotel-Milliardär Samih Sawiris steigt im großen Stil bei Deutschlands viertgrößtem Reiseanbieter FTI ein. Sawiris werde eine Beteiligung zwischen 25 und 35 Prozent an der FTI-Gruppe übernehmen, teilte das Münchner Unternehmen am Montag mit. Zudem will er 74,9 Prozent am Reisebürobetreiber RT/Raiffeisen Touristik Group übernehmen. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden. Die kartellrechtliche Genehmigung des Geschäfts steht noch aus.

Das Sagen behalte weiter FTI-Gründer und Chef Dietmar Gunz, er kontrolliere weiterhin die Mehrheit der Aktien. Der TUI-Rivale erzielte im vergangenen Geschäftsjahr mit 3.500 Mitarbeitern einen Umsatz von 2,1 Milliarden Euro. Die Transaktion muss noch von den Kartellbehörden genehmigt werden.

Sawiris ist in Europa kein Unbekannter. In der Schweiz baut er das Alpendorf Andermatt mit seinem Konzern Orascom Development Holding (ODH) derzeit zu einem riesigen Luxus-Resort aus. Erster Schritt war die Eröffnung des Fünf-Sterne-Hotels Chedi in diesem Winter. Insgesamt betreibt die ODH 35 Hotels mit über 8.000 Zimmern, vorwiegend am Roten Meer, in der Golfregion und im Oman.

Welche Nation ist Reiseweltmeister?

Platz 10

Italien: Die Italiener, selbst mit einem wunderschönen Land gesegnet, gaben im Jahr 2012 über 20 Milliarden US-Dollar für Reisen ins Ausland aus.

(Quelle: UNWTO, Commerzbank Research)

Platz 9

Australien: Die Australier sind reisesüchtig. Man trifft sie an allen touristischen Hotspots der Welt. Entsprechend hoch sind ihre Ausgaben für Reisen ins Ausland - 2012 betrugen diese über 25 Milliarden US-Dollar.

Platz 8

Japan: Die Bewohner des Inselstaates gaben im vergangenen Jahr knapp unter 30 Milliarden US-Dollar bei Auslandsreisen aus. Sie bevorzugen Ziele in China, Südkorea oder den USA.

Platz 7

Kanada: Auch die Kanadier sind reisefreudig. Sie gaben im Jahr 2012 geschätzte 33 Milliarden US-Dollar dafür aus. Sie mögen besonders gerne europäische Städte: Paris und London zum Beispiel.

Platz 6

Russland: Die Russen gaben im vergangenen Jahr knapp 40 Milliarden US-Dollar bei ihren Reisen ins Ausland aus. Ein besonders beliebtes Reiseziel für betuchte Gäste aus Sankt Petersburg und Moskau: Die Mittelmeerinsel Zypern.

Platz 5

Die Franzosen gaben im Jahr 2012 knapp 40 Milliarden US-Dollar für Reisen aus.

Platz 4

England: Die Touristen aus den britischen Inseln reisen gerne nach Südeuropa - dahin, wo die Sonne den ganzen Tag scheint und das Essen schmeckt. Für ihre Reiseaufenthalte gaben die Briten im Jahr 2012 über 50 Milliarden US-Dollar aus.

Platz 3

BRD: Deutschland, lange Jahre der Reiseweltmeister, rutscht vom Thron auf Platz drei ab. Die Ausgaben betrugen das Jahr 2012 geschätzt 82 Milliarden US-Dollar.

Platz 2

Amerika: Die US-Amerikaner bleiben freudige Fernreisende. Egal, ob in der Welt oder im eigenen Land, wo sie auf faszinierende Ziele wie den Grand Canyon treffen. Ihre Ausgaben für Tourismus & Co lagen im Jahr 2012 bei über 85 Milliarden US-Dollar.

Platz 1

China: Die Touristen aus dem Reich der Mitte haben nicht nur die Deutschen vom Thron der Vielreisenden geschubst, sondern sie geben auch das meiste Geld bei ihren Reisen aus. Schätzungen zufolge betrugen die Urlaubsausgaben der Chinesen im Jahr 2012 über 90 Milliarden US-Dollar. Die Ausgaben nahmen im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent zu. Die Chinesen sind damit Reiseweltmeister.

Die Unternehmen, die unmittelbar mit chinesischen Touristen zu tun haben, stellen sich auf den Ansturm aus Asien ein. Zum Beispiel am Frankfurter Flughafen: Dort sprechen einzelne Mitarbeiter in Duty-Free-Shops mittlerweile Mandarin.

„Wir streben eine langfristig ausgerichtete Zusammenarbeit an“, sagte Sawiris am Montag in München. Ziel sei die Abdeckung des gesamten Leistungsspektrums einer Reise – von der Buchung über die Unterbringung bis zur Gästebetreuung, ergänzte FTI-Chef Dietmar Gunz.

Vor einigen Monaten hatte es Gerüchte über angebliche finanzielle Probleme von FTI gegeben, die Gunz am Montag nicht kommentieren wollte. Sawiris machte zugleich deutlich, dass sein Engagement nicht aus der Not geboren sei: Er würde niemals bei einem Unternehmen einsteigen, wenn er wüsste, „dass der Verkäufer unter Druck steht“, sagte der Ägypter, der fließend deutsch spricht.

Bei den Plänen haben die Partner auch Branchengrößen wie TUI oder Thomas Cook im Blick, auch wenn der Abstand zu ihnen groß ist. FTI kam zuletzt auf einen Jahresumsatz von 2,1 Milliarden Euro, bei TUI etwa waren es 18,5 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2012/13. Ergebniszahlen veröffentlicht FTI nicht, doch schreibt das Unternehmen nach Angaben einer Sprecherin schwarze Zahlen.

Die Sawiris sind nach Berechnung des US-Wirtschaftsmagazins „Forbes“ die reichste Familie Ägyptens. Über ihre Holding Orascom betreiben sie zahlreiche Konzerne, vom Bauunternehmen bis zum Mobilfunknetzbetreiber. Allein in ihrem Heimatland beschäftigt die Familie mehr als 100.000 Menschen und ist damit einer der größten privaten Arbeitgeber.

Probleme im Tourismus-Markt Ägypten, der zuletzt durch einen Terroranschlag auf einen Touristenbus in Taba auf der Sinai-Halbinsel erschüttert wurde, sieht Sawiris nicht. Die Hotels dort seien sehr günstig zu betreiben und die Ziele verkauften sich „zwölf Monate im Jahr“, sagte der Unternehmer.

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