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26.10.2014

14:25 Uhr

Trauer in Unternehmen

Wenn der Kollege plötzlich stirbt

Wenn ein Mitarbeiter unerwartet aus dem Leben scheidet, erschüttert dies auch seine Kollegen. Doch der Umgang mit Trauerfällen fällt vielen schwer. Wie Unternehmen ihren Beschäftigten beim Trauern helfen können.

Auch für die Kollegen ist es nicht leicht, wenn ein Mitarbeiter plötzlich stirbt. dpa

Auch für die Kollegen ist es nicht leicht, wenn ein Mitarbeiter plötzlich stirbt.

MünchenWenn ein Mensch stirbt, ist das nicht nur für Familie und Freunde ein Schock. Auch am Arbeitsplatz erschüttert keine Nachricht die Mitarbeiter so sehr wie die vom Tod eines Kollegen. Viele Chefs reagieren hilflos. „Meist wird in Unternehmen über Tod nicht gesprochen. Denn eigentlich rechnet niemand so recht damit, dass in einem Betrieb jemand stirbt“, sagt Mechthild Herberhold, die Unternehmen im Umgang mit Trauerfällen berät.

Aber nach Zahlen des Statistischen Bundesamts starben 2012 mehr als 140 000 Menschen in Deutschland im Alter zwischen 25 und 65 Jahren durch Krankheiten, Unfälle oder Suizide - und damit im Alter der Berufstätigkeit.

„Der Tod sollte auch im beruflichen Umfeld kein Tabuthema sein“, rät der Theologe und Trauerbegleiter Norbert Mucksch. Vielen hilft es, über den Verstorbenen zu sprechen, sich zusammen mit Kollegen an ihn zu erinnern: Auch an seine Macken, an seine Sprüche in Konferenzen oder Vorlieben in der Kantine wie vier Löffel Zucker im Kaffee.

Was in Firmen alles schief läuft

Warten auf die IT-Jungs

„Der Arbeitsplatz einer Kollegin war für ihre neue Aufgabe ungeeignet: Sie musste abwechselnd auf den Tisch und dann 45° nach oben schauen. Dort war ihr Monitor im Regal untergebracht. Also standen alle ratlos ums Regal herum und beklagten sich, dass die IT-Jungs, die für solche Umbauten eigentlich zuständig sind, nicht endlich kommen, um den Monitor umzubauen. Während alle anderen rumstanden und klagten, haben ein Kollege und ich einfach den Monitor aus dem Regal genommen und auf den Tisch gestellt. War deutlich besser als auf die IT-Jungs zu warten. Seltsam, dass sonst keiner auf die Idee kam …“

(Quelle: Klaus Schuster, „Wenn Manager Mist bauen“ )

Mach einfach!

„Das Blöde an ›Mach einfach!‹ ist: Seit alle wissen, dass unsere Abteilung´ einfach mal macht, lösen wir auch die Probleme aller anderen Abteilungen, die gerne jede Verantwortung von sich schieben und sich nur noch Routineaufträge zutrauen.“

Entscheidungen treffen

„Leider trauen sich nur sehr wenige Manager, Entscheidungen zu treffen. Entscheidungen haben den kleinen Haken, dass sie eventuell falsch sein könnten, weshalb viele leider die falsche Entscheidung treffen – nämlich keine.“

Reportings ohne Ende

„Ich kenne Vertriebsorganisationen, bei denen die Account Manager vier Tage die Woche Reports verfassen und folgerichtig nur einen Tag die Woche beim Kunden sind. Desaströs.“

Die geliebte Routine

„Es besteht ein Hang dazu, sich in Routine zu vergraben, um keine unangenehmen Entscheidungen fällen zu müssen.“

Verhalt dich mal ruhig!

„Ich glaube, dass Action Management bei uns nur so lange funktioniert, wie das Unternehmen in Notlage ist. Der Satz ›Verhalt dich mal ruhig!‹ fällt bereits, sobald wir irgendwie eine schwarze Null schreiben.“

Erfolge machen einsam

„Action Management funktioniert bei uns nicht, weil Action Manager Erfolg haben und jeder Erfolg bei uns die Neider auf den Plan ruft. Sie fürchten, dass jeder merkt, dass sie keine solchen Erfolge vorweisen können. Erfolge machen einsam.“

Bloß keine Action

„Action Manager sind oft erfolgreich, aber meist nicht beliebt, weil die anderen sich dann auch schneller bewegen müssen. Schwache Chefs finden den Action Manager auch eher unbequem …“

Weniger Anerkennung

„Action Manager ernten bei uns meist weniger Anerkennung als diejenigen, die sich mehr aufs Schwafeln konzentrieren.“

Sie haben auch ein Beispiel?

Dann schreiben Sie mir: c.groh@vhb.de

Das gemeinsame Gestalten einer Todesanzeige kann helfen, aus der Sprachlosigkeit herauszufinden. „Es geht darum, die Schockstarre zu überwinden und selbst zu agieren“, sagt Mucksch. Manchmal entstehen dabei kleine Kunstwerke, wie der Buch-Autor Christian Sprang weiß. Er sammelt seit Jahren ungewöhnliche Todesanzeigen und hat zusammen mit Matthias Nöllke drei Bücher dazu herausgegeben. „Todesanzeigen sind Romane in Kurzform“, sagt er über seine ungewöhnliche Sammlung.

In seinem dritten Buch „Ich mach mich vom Acker“ hat er ein Kapitel den Todesanzeigen mit Berufsbezug gewidmet. Unter der Überschrift „Sein Leben galt der Kartoffel“ liefern die Texte reichlich Beweise dafür, dass auch Todesanzeigen für Kollegen oder Chefs eine echte Herzensangelegenheit sein können.

„Dein Großer Wagen“, schrieben Mitarbeiter eines Mercedes-Autohauses zum Beispiel in der Todesanzeige an ihren verstorbenen Kollegen. „Wenn jetzt da oben im Sternenhimmel die Sterne des „Großen Wagen“ besonders hell leuchten, wissen wir hier unten, dass Du Dich darum gekümmert hast. Mit großen Wagen kennst Du Dich ja aus.“ Der Inhaber eines Zoo-Markts erhielt posthum das höchste Lob von seinen Mitarbeitern: „Er war Chef und Mensch zugleich.“

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