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30.01.2013

06:29 Uhr

Trendwende beim Treibstoff

Gas läuft Öl als Energieträger den Rang ab

Neue Fördermethoden verhelfen Erdgas zu einem steilen Aufstieg. Der Rohstoff befreit sich sogar im Automobil-Markt aus seiner Nische. Damit drängt Erdgas die Bedeutung von Öl als Energieträger immer weiter zurück.

Gaspipeline: Der Rohstoff gewinnt an Bedeutung. dpa

Gaspipeline: Der Rohstoff gewinnt an Bedeutung.

LondonBislang gilt Erdöl als Schmierstoff der Weltwirtschaft. Es treibt nicht nur Autos, Flugzeuge und Schiffe an, sondern wird auch zur Stromerzeugung verfeuert. Das billigere Erdgas drängt Öl aber als Energieträger immer weiter zurück. Selbst auf dem Automobil-Markt wird sich Flüssiggas Experten zufolge aus seinem Nischen-Dasein befreien und zumindest in Nutzfahrzeugen zum dominanten Treibstoff aufsteigen.

Die Trendwende am Energiemarkt werde schneller kommen als erwartet, prognostiziert Ian Taylor, Chef des Öl-Händlers Vitol. "Der Zeitpunkt ist dann gekommen, wenn die Chinesen und Amerikaner einen Weg finden, Erdgas in ihre Nutzfahrzeuge zu füllen und zum Transport nur noch Gas zu benutzen."

Christophe de Margerie, Chef des französischen Öl-Multis Total, rechnete auf einer Präsentation im vergangenen Jahr vor, dass - bezogen auf den Brennwert - US-Erdgas derzeit nur ein Sechstel so viel koste wie Rohöl. Damit könne sich die Umstellung eines Lkw auf Gas-Antrieb innerhalb weniger Monate amortisieren.

Analysten können die Umrüstungsquote in den USA nur schwer beziffern. Sie verweisen aber darauf, dass der Diesel-Verbrauch trotz des Wirtschaftswachstums der vergangenen Jahre seit 2009 unterhalb der Marke von vier Millionen Barrel (159 Liter) pro Tagfesthängt. Die USA verfügen über hohe Erdgas-Reserven, die seit Jahren regelmäßig immer neue Rekordmarken erreichen. Gleichzeitig liegt der Preis derzeit etwa 75 Prozent unter dem Niveau kurz vor der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008.

Die Staaten mit dem größten Öldurst

Rang 10

Taiwan

Der Inselstaat importiert rund 1,0 Millionen Fass Öl am Tag. Ein Fass (Barrel) Öl entspricht rund 159 Litern. Taiwan rangiert auf dem zehnten Platz der Ölverbraucher.

Quelle: Internationale Energieagentur (EIA), Stand: August 2012

Rang 9

Italien

Die Bewohner des Stiefelstaats importieren rund 1,3 Millionen Fass Öl am Tag.

Rang 8

Spanien

Die gleiche Menge Rohöl führt Spanien ein. Dort sind es 1,3 Millionen Barrel am Tag.

Rang 7

Frankreich

Etwas mehr importieren die Nachbarn nördlich der Pyrenäen: Dort sind es 1,7 Millionen Fass Öl täglich.

Rang 6

Südkorea

Noch etwas mehr Öl schnappt sich Südkorea. Das Land importiert 2,3 Millionen Fass Öl.

Rang 5

Deutschland

Der Öldurst Deutschlands ist ähnlich groß wie von Südkorea: 2,3 Millionen Fass Öl importieren die Deutschen täglich.

Rang 4

Indien

Die gleiche Menge des Energieträgers wie Deutschland führt Indien ein. Das aufstrebende Land kommt auf 2,3 Millionen Fass Öl.

Rang 3

Japan

Deutlich mehr Volumen des Energieträgers führen die Japaner ein. Dort sind es 4,3 Millionen Fass täglich. Der Inselstaat ist damit der drittgrößte Ölimporteur der Welt.

Rang 2

China

Noch mehr des Rohstoffs holt die Volksrepublik ins Land. 5,5 Millionen Fass importieren die Chinesen täglich.

Rang 1

USA

Mit Abstand das meiste Erdöl importieren die USA: Mit 8,7 Millionen Fass täglich liegen die Amerikaner an der Spitze.

China will Flüssiggas als Automobil-Treibstoff fördern, um damit die enorme Luftverschmutzung in den Städten in den Griff zu bekommen. Bis zum Ende des Jahrzehnts sollen zehn Prozent des Energiebedarfs durch Erdgas gedeckt werden. Hierfür hat China bereits fünf Flüssiggas-Verladehäfen gebaut, ein Dutzend weitere sind in Planung.

Dem britischen Ölkonzern BP zufolge wird die Öl-Nachfrage bis 2030 um gerade einmal 0,8 Prozent jährlich wachsen. Der weltweite Energiebedarf wachse im gleichen Zeitraum doppelt so stark. Vom zunehmenden Pkw-Verkehr könne Öl kaum profitieren, fügen die BP-Experten hinzu.

Kommentare (1)

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vandale

30.01.2013, 08:26 Uhr

Die Substituierung von Erdöl durch Kohle und Erdgas ist seit der Jahrtausendwende im Gange.

Es wird immer mühseliger Erdöl zu finden und zu gewinnen. Erdgas und Kohle sind wesentlich preiswerter. Heutzutage wird kein Schweroelkraftwerk mehr gebaut. Industriebetriebe steigen um und die Beheizung von Wohnungen erfolgt zunehmend mit Erdgas.

Im Gegensatz zum Autor bin ich der Ansicht, dass die extrem günstgen Erdgaspreise in den USA vorrübergehend sind und mit zunehmenden Verbrauch steigen werden. Die Erdaspreise liegen in den USA unter den Vollkosten einschliesslich der Erschliessung neuer Vorkommen.

Deshalb bin ich der Ansicht, dass die Kohle ein grössere Rolle bei der Substituierung von Edöl einnehmen wird.

Abseits Kohle und Erdgasreicher Regionen hat die Kernenergie in Staaten wie Südkorea und Indien ein erhebliches Potential. In Westeuropa wird diese, wenn man diese nicht aus ökoreligiösen Gründen gänzlich ausschliesst kaputt reguliert. Das trifft jedoc nicht für die obigen Staaten zu.

Vandale

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