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16.01.2007

15:11 Uhr

Treuebruch und Veruntreuung

Anklage verlangt sechs Jahre Haft für Hyundai-Chef

Die südkoreanische Staatsanwaltschaft hat sechs Jahre Haft für den in eine Schmiergeldaffäre verwickelten Chef des Autobauers Hyundai Motor, Chung Mong Koo, gefordert. In diesem Fall stünde das Unternehmen vor einem Personalproblem.

HB SEOUL. Der im April festgenommene Chung Mong Koo werden Treuebruch und Veruntreuung von Firmengeldern in Höhe von umgerechnet rund 85 Mill. Euro vorgeworfen. "Hyundai spielt eine große Rolle in der Wirtschaft Südkoreas und sein Umgang mit Transparenz ist äußerst wichtig", sagte Staatsanwalt Lee Dong Yoel am Dienstag im Gerichtssaal. "Angesichts des angerichteten Schadens für die Wirtschaft des Landes müssen wir hier die Rechtsgrundlagen anwenden." Das Urteil soll am 5. Februar verkündet werden.

Der 68-jährige Angeklagte entschuldigte sich im Gericht für sein Fehlverhalten, plädierte aber für eine Aussetzung des Urteils. "Das Unternehmen ist in einer sehr schwierigen Lage", sagte Chung. "Sollte ich die Chance bekommen, werde ich Hyundai und Kia zum fünftgrößten Autoproduzenten der Welt vergrößern." Bisher liegen die zusammengeschlossen Firmen auf Platz sechs.

Auch Analysten befürchteten negative Auswirkungen für den Konzern, sollte Chung wieder ins Gefängnis müssen. Dem Konzern drohe ein Management-Vakuum, da Chung keinen designierten Nachfolger hat. "Die ganze Gruppe ist stark von dem Chairman abhängig", sagte Stephen Ahn, Auto-Analyst bei Woori Investment and Securities. "Sollte Chung wieder in Haft kommen, werden wichtige Entscheidungen verschoben und die Organisation sieht weiteren und stärkeren Unruhen entgegen."

Am Montag waren gewerkschaftlich organisierte Arbeiter Hyundais in einen Teilstreik getreten und setzten diesen auch über eine am Dienstag ausgelaufene Frist hinweg fort. Die Regierung nannte das Vorgehen eindeutig illegal und kündigte ein hartes Durchgreifen an. Trotzdem wollen die Gewerkschaften die Arbeitsniederlegungen auch am Mittwoch fortsetzen. Die Arbeiter fordern einen jährlichen Bonus von eineinhalb Monatsgehältern, nachdem sie im Dezember die Forderung nach zusätzlicher Arbeitsleistung zurückwiesen.

Angesichts dieser Entwicklungen dürfte es für Hyundai schwieriger werden, 2007 die geplante Verdopplung seines Umsatzzuwachses zu erreichen. Durch den Streik und die Verweigerung von zusätzlicher Arbeitsstunden wurden den Angaben zufolge seit Dezember rund 19 000 Fahrzeuge weniger gebaut.

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