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06.07.2012

14:19 Uhr

Trittleiter für den Aufstieg

Die Wahrheit über die Karrierelegende Golf

VonJessica Schwarzer

Wer sich auf den Golfplätzen der Republik tummelt, trifft auf die Wirtschaftsbosse der Deutschland AG. Doch dient der Rasen als Sprungbrett für den Aufstieg? Was am „Karrierefaktor Golf“ wirklich dran ist.

Gespräch auf dem Golfplatz: Selten geht es ums Geschäft.

Gespräch auf dem Golfplatz: Selten geht es ums Geschäft.

DüsseldorfErfolgreiche Menschen spielen Golf. Wer es beruflich zu etwas bringen will, sollte also auch an seinem Handicap arbeiten. Schließlich werden auf dem Golfplatz die großen Deals abgeschlossen. Klischees wie diese gibt es viele. Aufstrebende Jung-Manager investieren Tausende in ihre Golfkarriere, nur um beruflich voranzukommen. Doch was ist dran am Karrierefaktor Golf?

Martin Kohlhausen findet deutliche Worte: "Wer in den Golfclub eintritt, um seine Karriere voranzutreiben, der wird auf dem Platz nicht viel Freude haben", sagt der ehemalige Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzende der Commerzbank. "Golf ist für mich eine wundervolle Freizeitbeschäftigung, bei der man viele interessante Leute trifft, mehr aber auch nicht."

Das zerschmettert die Überzeugung, dieses Hobby gehöre in einen guten Lebenslauf. Langjährige Golfer rücken das Klischee zurecht. Thomas Lange, Vorstandsvorsitzender der National-Bank Essen, stellt klar: "Den Karrierefaktor Golf gibt es nicht, allerdings gewinnt Golf zunehmend gesellschaftliche Bedeutung."

Eine Investition in diese Sportart, ausschließlich um im Job vorwärts zu kommen, lohnt sich also offenbar nicht. Doch auch wenn die Beförderung nicht programmiert ist, bietet Golf immerhin eine ideale Gelegenheit, um Kontakte zu knüpfen. Denn auf dem Golfplatz lernt man unweigerlich neue Menschen kennen.

Golf ist zwar längst nicht mehr so elitär und teuer wie noch vor einigen Jahren. Was den Sport mit Blick auf die Karriere aber interessant macht, ist wohl das Klientel, das sich auf den Rasen der Republik tummelt.

"Natürlich begegnen mir auf dem Golfplatz tendenziell besser verdienende Menschen in guten Positionen", sagt ein Investmentbanker. Die Chance, einen Firmeneigentümer, Vorstand oder Aufsichtsrat als Spielpartner zu haben, ist je nach Golfclub gar nicht so gering. Schließlich werden bei Turnieren die Flights – also die Dreier- oder Vierergruppen, die zusammenspielen – wild zusammengewürfelt.

Golf in Deutschland

Die Plätze

716 Golfanlangen gibt es mittlerweile im Bundesgebiet, noch vor zehn Jahren waren es erst 633. Mit mehr als 700 Golfplätzen gibt es in Deutschland damit längst mehr Plätze als in Schottland, dem Mutterland des Golfsports.

Die Golfer

Golf wird immer beliebter. Nach den aktuellsten Zahlen des DGV griffen im vergangenen Jahr 624.569 registrierte Golfspieler zum Schläger, das sind 14.465 mehr als im Vorjahr.

Die Besten

Deutschlands Topgolfer ist derzeit Martin Kaymer (Mettmann), der Rang 14 der Weltrangliste belegt. Der 26-Jährige war im vergangenen Jahr sogar kurzzeitig die Nummer eins der Welt. Die deutsche Nummer zwei ist weiterhin Marcel Siem (Ratingen), der allerdings nur auf Platz 120 steht. (Stand: 2. Juli 2012)

Golf dient als Kontaktbörse, hilft aber nicht bei der Jobsuche. Das bestätigt der Investmentbanker, der namentlich nicht genannt werden möchte. Er ist ein begnadeter Golfer mit einem Handicap von 0,6. Damit ist er ein gern gesehener Turnierpartner. Als der 38-Jährige vor einigen Jahren einen neuen Job suchte, hat ihm sein Golfnetzwerk kaum helfen können. Obwohl er auf dem Platz schon viele Menschen in hohen Positionen kennengelernt hat, hat das die Jobsuche kaum vereinfacht.

"Die Hürden sind natürlich geringer, Bewerbungen werden gelesen, man wird eingeladen, wenn man jemanden kennt", erzählt er. "Das heißt aber noch lange nicht, dass man den Job auch bekommt." Ab einer bestimmten Karrierestufe müsse eben alles passen: Lebenslauf, Erfahrung, Qualifikationen, Leistungsfähigkeit.

Kommentare (17)

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Karriereexperte

06.07.2012, 15:06 Uhr

Ich hab es auch mit Taschen-Billard weit gebracht.

Account gelöscht!

06.07.2012, 15:11 Uhr

...und dabei braucht's keinen smalltalk.

Europafreund

06.07.2012, 15:12 Uhr

Naja...Golf spielt man doch schon jetzt in der Grundschule.
Man sieht immer mehr Pack auf den Plätzen. Vor kurzem begenete mir sogar ein Raiffeisenvorstand...aua. Er dachte wohl; "Wenn man mich hier sieht, gehöre ich dazu" tsss !?!
Wer sich wirklich absetzen will, zur Elite dazu gehören will, der spielt Polo. Aber bitte nur mit zwei Pferden, bersser noch drei!

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