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12.11.2013

15:07 Uhr

Trotz Geschäftsbelebung

Bilfinger hinkt beim Ergebnis hinterher

Der Baukonzern Bilfinger erreicht im dritten Quartal nicht das Vorjahresergebnis, kann aber im Vergleich zum ersten Halbjahr an Schwung gewinnen. Der Konzern von Roland Koch hatte sich ehrgeizigere Ziele gesetzt.

Noch fristet Bilfinger sein Dasein als graue Maus – aber das soll sich bald ändern. Reuters

Noch fristet Bilfinger sein Dasein als graue Maus – aber das soll sich bald ändern.

StuttgartDer Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger traut sich trotz des bisher enttäuschend verlaufenen Geschäfts weiterhin eine Gewinnsteigerung in diesem Jahr zu. Notwendig sei nun eine Aufholjagd, die bis zum letzten Tag des Jahres anstrengend bleiben werde, sagte Vorstandschef Roland Koch am Dienstag. Leistung und Gewinn im dritten Quartal blieben hinter den Marktprognosen zurück. Belastet hat das Ergebnis vor allem das traditionelle Baugeschäft, aus dem sich Bilfinger noch weiter zurückziehen will. So stößt der MDax -Konzern das defizitäre deutsche Straßenbaugeschäft ab.

Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebita) war im dritten Quartal mit 95 Millionen Euro neun Prozent niedriger als vor Jahresfrist, wie der Konzern mitteilte. Bereinigt um Einmaleffekte wie den Gewinn aus dem Verkauf des Nigeria-Geschäfts im Vergleichsjahr 2012 stieg das Ebita um drei Prozent. Da das vierte Quartal traditionell bei Bilfinger das stärkste ist, stellte Koch einen Anstieg des bereinigten Ebita um knapp sechs Prozent auf 400 Millionen Euro für 2013 in Aussicht - nach neun Monaten hat Bilfinger 253 Millionen Euro in der Kasse. Die Leistung werde wie im Vorjahr bei knapp 8,6 Milliarden Euro liegen - bisher hatte der Vorstand 8,7 Milliarden Euro angestrebt. Per Ende September stagnierte die bei den Kunden abgerechnete Leistung bei 6,24 Milliarden Euro.

Anlass zu vorsichtigem Optimismus gebe die Erholung in Deutschland und der Euro-Zone, erklärte Koch. Die DZ Bank lobte, dass Bilfinger für das Gesamtjahr eine bereinigte Rendite von 4,7 Prozent erreichen wolle. "Wir erwarten eine beschleunigte Konjunkturerholung in Europa 2014 - das sollte die Marge weiter verbessern", schrieb DZ-Analyst Jasko Terzic. Die Aktie gehörte zu Handelsbeginn mit einem Minus von 3,4 Prozent zu den größten Verlierern im Dax, pendelte sich dann aber wieder auf dem Vortagesstand von rund 81 Euro ein.

In seiner größten Sparte, mit Planung, Bau und Wartung von Industrieanlagen, verdient Bilfinger derzeit vor allem an Investitionen der Öl- und Gasindustrie in den USA im Zusammenhang mit der Schiefergasförderung. In den USA hält der Konzern weiter nach einem Übernahmeziel Ausschau. Doch müsse das nicht unnötig beschleunigt werden, sagte Koch.

Das sind Europas größte Baukonzerne

Platz 9

NCC AB – 8,42 Milliarden Euro Umsatz

Das schwedische Unternehmen mit seinen knapp 18.000 Mitarbeitern wurde erst 1988 gegründet. Heute besteht es aus vier großen Geschäftsbereichen, unter anderem „NCC Housing“ und „NCC Roads“.

Platz 8

Ferrovial (Spanien) – 9,7 Milliarden Euro Umsatz

Das Unternehmen aus Madrid baut und betreibt auch Autobahnen und Flughäfen. Der Konzern errichtete unter anderem das Guggenheim-Museum in Bilbao.

Platz 7

Balfour Beatty (Großbritannien) - 11,63 Milliarden Euro Umsatz

Bereits seit 1909 sind die traditionsreichen Briten im Baugeschäft tätig und gehören zu den Platzhirschen in Europa. Die Londoner beschäftigen europaweit rund 30.000 Mitarbeiter.

Platz 6

Strabag (Österreich) – 13,12 Milliarden Euro Umsatz

Aus Wien in die Welt: Die Österreicher haben vor allem in Osteuropa expandiert. Seit 2014 konnte der Konzern den zuvor stark abgerutschten Umsatz stabilisieren und zuletzt wieder leicht steigern.

Platz 5

Eiffage (Frankreich) – 14,06 Milliarden Euro Umsatz

Neben einigen TGV-Trassen gehört auch die Erweiterung des EU-Parlaments zu den großen Projekten des Konzerns. In Deutschland sind rund 3.000 Eiffage-Mitarbeiter beschäftigt.

Platz 4

Skanska (Schweden) - 16,36 Milliarden Euro Umsatz

Kaum eine Straße, ein Kraftwerk oder Bürogebäude in Schweden ist ohne Beteiligung des skandinavischen Bauriesen entstanden. Auch international sind die Schweden aus Solna mittlerweile breit aufgestellt.

Platz 3

Bouygues (Frankreich) - 32,43 Milliarden Euro Umsatz

Neben Immobilien und dem Straßenbau ist der Pariser Konzern Großaktionär des französischen Fernsehsenders TF1. 2015 musste das Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr leichte Umsatzeinbußen hinnehmen.

Platz 2

ACS (Spanien) - 34,93 Milliarden Euro Umsatz

Die Spanier haben in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum hingelegt. Allein in den vergangenen drei Jahren stieg der Umsatz um rund zehn Milliarden Euro und ACS klettert das Treppchen weiter hoch. Zum Konzern gehört auch das deutsche Unternehmen Hochtief.

Platz 1

Vinci (Frankreich) – 38,52 Milliarden Euro Umsatz

Der größte Baukonzern Europas ist auch der größte Baukonzern der Welt und in der Kleinstadt Rueil-Malmaison nahe Paris beheimatet. Dem Konzern gehört unter anderem die Hälfte aller französischen Autobahnen. 2015 verzeichnete das Unternehmen ein Umsatzminus von knapp 0,5 Prozent.

Quelle: Deloitte

In der Sparte Kraftwerksbau bremse die anhaltende Unsicherheit über die Energiewende in den Deutschland Investitionen. Die neue Bundesregierung müsse für Sicherheit bei den Energiepreisen sorgen, sonst könnten Unternehmen Produktion verlagern, warnte Koch mit Blick auf die Chemieindustrie, für die Bilfinger Anlagen baut.

Seinen Umbau vom Bauunternehmen zum technischen Dienstleister treibt der Konzern weiter voran. Das Straßenbaugeschäft in Deutschland, das per Ende September 15 Millionen Euro Verlust machte, wird verkauft. Der Finanzinvestor Betam GmbH übernehme die Bilfinger-Gesellschaft mit ihren 240 Beschäftigten. Insgesamt beschäftigt der Konzern fast 72.000 Mitarbeiter.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Rolando

13.11.2013, 08:45 Uhr

haha, Koch kennt die Käufer seiner Strassenbaufirma nicht. an welche dubiosen Gestalten überweist er wohl den negativen Kaufpreis?
das klingt doch sehr nach Bestattungsinstitut und würde auch gut zur Vorgehensweise beim Ausstieg aus den anderen Bauaktivitäten passen.
stellt sich nur die Frage, was da zukünftig zu erwarten ist? allgemeine Rat- und Erfolgslosigkeit bei den seit Jahrzehnten betriebenen Stammgeschäften, von denen man augenscheinlich nichts versteht, soll dadurch kompensiert werden, dass man mit dem Spielgeld der Aktionäre in neue Geschäftsfelder einsteigt, von denen man noch weniger versteht.
interessant interessant

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