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15.06.2012

17:01 Uhr

Trotz mieser Bilanz

Blackberry-Chefs bekamen Millionen zum Abschied

Viele sagen, sie seien schuld an der Krise von Blackberry: Trotzdem sollen die langjährigen RIM-Chefs Jim Balsillie und Mike Lazaridis großzügige Abschiedszahlungen erhalten haben, wie jetzt bekannt wird.

Die beiden RIM-Chefs hier in der Mitte: Mike Lazaridis und Jim Balsillie. dapd

Die beiden RIM-Chefs hier in der Mitte: Mike Lazaridis und Jim Balsillie.

New YorkDer Blackberry-Anbieter RIM kämpft mit massiven Problemen, doch für den ehemaligen Co-Chef Jim Balsillie gab es zum Abschied noch eine Millionen-Zahlung. Der langjährige Top-Manager bekam zusätzlich zum Grundgehalt von gut einer Million Dollar und einem Aktien-Bonus noch 4,8 Millionen Dollar bei seinem Abgang von der Firmenspitze im Januar, wie aus RIM-Unterlagen für die Aktionärsversammlung hervorgeht.

Insgesamt bezifferte das Unternehmen die Einkünfte von Balsillie in dem Ende Februar abgeschlossenen Geschäftsjahr auf knapp acht Millionen Dollar. Hinzu kamen bei seinem Ausscheiden aus dem Verwaltungsrat im März noch vorzeitig in Aktien umgewandelte Optionen, deren Wert zum damaligen Kurs auf 3,1 Millionen Dollar beziffert wurde.

Für Balsillies zeitgleich als Co-Chef zurückgetretenen Kollegen Mike Lazaridis gab es zum Abschied von der Firmenspitze eine zusätzliche Zahlung von gut 862 000 Dollar. Lazaridis blieb aber im Gegensatz zu Balsillie noch Mitglied im Verwaltungsrat. Seine Gesamteinkünfte für das Jahr bezifferte RIM auf rund vier Millionen Dollar. Zudem wird auch bei ihm ein 3,1 Millionen Dollar schweres Optionspaket in Aktien umgewandelt, sobald er den Verwaltungsrat verlässt.

Android, Apple und die anderen

Android

Das Google-Betriebssystem ist in wenigen Jahren zur meistgenutzten Plattform im Smartphone-Markt aufgestiegen. 2013 lief nach Zahlen der Marktforscher von Gartner auf 78,4 Prozent aller Computer-Telefone Android. Das Erfolgsgeheimnis: Google bietet Android den Geräte-Herstellern kostenlos an und lässt sie die Software auch anpassen. Samsung, HTC, LG, Sony – die meisten Handy-Produzenten setzen auf die Google-Plattform. Der Internet-Konzern will dabei an Werbeeinnahmen verdienen. Allerdings steht Android auch im Visier besonders vieler Patentklagen. Zudem nutzen viele chinesische Hersteller das System, ohne die Google-Dienste einzubinden.

Apple iOS

Smartphones gab es auch schon bevor 2007 das iPhone vorgestellt wurde – doch erst mit dem Apple-Telefon mit seinem großen Bildschirm begann der wirkliche Siegeszug der Computertelefone. Apple hielt mit seiner iOS-Plattform zuletzt laut Gartner 15,6 Prozent am Smartphone-Markt, heimst jedoch einen beträchtlichen Teil der Gewinne ein, da die gesamte Kette von Geräteentwicklung bis hin zum App Store für passende Programme in der Hand des Konzerns liegt. Allerdings hat Samsung mit seiner breiten Produktpalette den Konzern aus Kalifornien inzwischen abgehängt.

Windows Phone

Microsoft würde sein mobiles Betriebssystem Windows Phone gern als dritte starke Kraft im Smartphone-Geschäft etablierten, doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. Das Bündnis mit dem einstigen Handy-Weltmarktführer Nokia soll es richten, die Finnen installieren die Software auf ihren Smartphones und wollen die Gerätesparte ganz an Microsoft verkaufen. 2013 stieg der Marktanteil von 2,5 auf 3,2 Prozent – damit ist zumindest Blackberry abgehängt.

Blackberry

Lange Zeit war Blackberry Managers Liebling – doch diese Zeiten sind vorbei. Die Verkaufszahlen sind 2013 abgestürzt, der Marktanteil ist auf 1,9 Prozent gefallen. Tendenz: weiter schrumpfend.

Sonstige Betriebssysteme

Für den Rest bleibt nicht viel übrig: Betriebssysteme wie das von Samsung entwickelte Tizen oder Firefox OS kamen 2013 zusammen auf nur 0,9 Prozent.

Die beiden Manager hätten die weltweite Mobilfunk-Industrie revolutioniert und den Umsatz bei RIM von 294 Millionen auf knapp 20 Milliarden Dollar steigen lassen, begründete das Unternehmen die Sonderzahlungen. Den beiden langjährigen Konzernlenkern wird oft die Verantwortung für die desolate Lage von RIM (Research In Motion) angelastet. Sie hatten lange die Bedrohung durch Apples iPhone und Telefone mit dem Google-Betriebssystem Android heruntergespielt und auf klassische Blackberry-Modelle mit Tastatur gesetzt.

Ihr Nachfolger, der deutsche Manager Thorsten Heins, will die Wende mit dem nächsten Betriebssystem Blackberry 10 schaffen. Es soll aber nach mehrfacher Verzögerung erst zum Ende des Jahres auf den Markt kommen. RIM steht also noch eine monatelange Durststrecke bevor.

Heins bekam mit der Berufung zum Konzernchef ein Aktienpaket im Wert von 9,5 Millionen Dollar, das sein bisheriges Grundgehalt von 670 000 Dollar spürbar aufbesserte.

Von

dpa

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