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22.04.2013

12:11 Uhr

Trotz Scheitern der Frauenquote

Dax-Unternehmen bauen Frauenanteil aus

Die Frauenquote ist im Bundestag vorerst gescheitert. Immerhin: Die Dax-Unternehmen bauen laut einem aktuellen Report den Frauenanteil in Führungspositionen aus. Die Quote liegt aber immer noch unter einem Drittel.

Die Daten der Dax-Unternehmen dürften Ursula von der Leyen, Verfechterin der Frauenquote, wohl freuen. Reuters

Die Daten der Dax-Unternehmen dürften Ursula von der Leyen, Verfechterin der Frauenquote, wohl freuen.

DüsseldorfDie Dax-Unternehmen haben nach eigenen Angaben den Anteil von Frauen in Führungspositionen insgesamt weiter ausgebaut. Besonders hoch liegt der Anteil weltweit demnach unter anderem bei Konzernen wie Fresenius Medical Care mit 30,9 Prozent, Henkel mit 30,5 Prozent und dem Allianz-Konzern mit 29,2 Prozent, wie aus dem am Montag veröffentlichten Statusbericht 2012 „Frauen in Führungspositionen” hervorgeht.

Hinten liegen Unternehmen wie Continental mit acht Prozent und der Baustoffkonzern HeidelbergCement mit neun Prozent. Der Stahlkonzern ThyssenKrupp gibt keinen weltweiten Wert an, kommt in Deutschland aber gerade mal auf 8,1 Prozent. In der Schwerindustrie sind insgesamt weniger Frauen beschäftigt.

Pro Frauenquote

Zu wenige Frauen

In den Führungspositionen der großen Unternehmen in Deutschland sind Frauen immer noch eine kleine Minderheit. In Aufsichtsräten sind sie durchschnittlich etwa zu zwölf Prozent und in Vorständen nicht einmal zu 5 Prozent vertreten.

Freiwillig funktioniert nicht

Die Quoten-Befürworterinnen argumentieren, dass alle Freiwilligkeit und Selbstverpflichtung der von Männer dominierten Chefetagen den Frauenanteil in den Spitzengremien nicht wesentlich erhöht hat. Sie verlangen, dass Frauen auch dort die im Grundgesetz geschützte gleiche Teilhabe ermöglicht wird.

40 Prozent bis 2020

Ohne eine vom Gesetzgeber vorgeschriebene Quote sehen die Befürworter keine Chance für Gleichberechtigung. Die EU-Kommission strebt bis 2020 europaweit für alle Aufsichtsräte großer Unternehmen eine Frauenquote von 40 Prozent an.

Zu einer einheitlichen Quote haben sich die Unternehmen nicht verpflichtet. Im März 2011 hatten die Konzerne zugesagt, „Maßnahmen zur Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen zu intensivieren”. „Die 30 Dax-Unternehmen setzen auf eine freiwillige Selbstverpflichtung als den zielführenden und nachhaltigen Weg, der eine gesetzliche Regelung entbehrlich macht”, heißt es in der Präambel.

Einige Unternehmen haben gegenüber dem Stand von 2010 die weltweite Quote auch nicht ausgebaut. So liegt der Frauenanteil in den Führungspositionen von Fresenius nun bei 27,3 Prozent gegenüber zuletzt 27,7 Prozent. In Deutschland steigerte der Gesundheitskonzern den Anteil allerdings auf 22,2 Prozent von 19,1.

Contra Frauenquote

Leistung statt Gesetz

Viele Top-Frauen in der deutschen Wirtschaft lehnen eine Quote ab, weil Frauen wegen ihrer Leistung bis an die Spitze der Unternehmen befördert werden wollen - aber nicht, um damit gesetzliche Vorgaben zu erfüllen.

Angst vor Kuchen

Öffentlich äußern sich dazu Managerinnen oder Aufsichtsrätinnen allerdings selten, weil sie Anfeindungen fürchten - besonders von Frauen. „Es bringt nichts - außer, dass Sie drei Kuchen ins Gesicht bekommen“, sagt eine DAX-Aufsichtsrätin, die namentlich nicht genannt werden möchte.

Förderung durch Vorbilder

Wichtiger als eine vorgeschriebene Frauenquote für Frauen an der Spitze ist aus Sicht der Aufsichtsrätin eine gezielte Frauenförderung auf allen Ebenen des Unternehmens. „Junge Frauen wollen Vorbilder“, sagt sie.

Nach einer Abstimmung im Bundestag in der vergangenen Woche wird es hierzulande auch weiterhin keine gesetzliche Frauenquote in den Führungsetagen von Unternehmen geben. Ein vom rot-grün dominierten Bundesrat vorgelegter Gesetzentwurf für eine gesetzliche Vorgabe von 20 Prozent ab dem Jahr 2018 war im Bundestag am Widerstand der schwarz-gelben Koalition gescheitert. Auf Druck von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte die Unionsführung allerdings den potenziellen Abweichlerinnen in den eigenen Reihen zugesagt, dass im Wahlprogramm eine feste Frauenquote für Aufsichtsräte von Dax-Unternehmen ab dem Jahr 2020 aufgenommen wird.

Von

rtr

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