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22.01.2009

16:02 Uhr

Tüv Rheinland

Bruno Braun sucht seinen Nachfolger

VonAxel Granzow

Ein großer, deutscher Prüfkonzern, der den Anforderungen der Globalisierung gerecht wird, das ist die Vision von Bruno Braun. Der Tüv-Rheinland-Chef wollte mit dem Tüv Süd fusionieren. Doch jetzt wechselt es erstmal in den Aufsichtsrat seines Unternehmens. Sein Ziel behält er trotzdem stets Blick.

Bruno Bauer, Chef des Tüv Rheinland, hat große Pläne. Foto: dpa Pressebild

Bruno Bauer, Chef des Tüv Rheinland, hat große Pläne. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Bruno O. Braun muss nachsitzen. Eigentlich wollte der 66-jährige Chef des Tüv Rheinland einen Mega-Prüfkonzern mit dem Tüv Süd schmieden. Er selbst hätte Anfang 2009 den Chefposten übernommen und wäre Ende dieses Jahres in den Aufsichtsrat des neuen Konzerns gewechselt. Und Axel Stepken (50), Chef des Münchener Tüv, hätte den Vorstandsvorsitz übernommen. Eigentlich.

Doch es kommt alles ganz anders. Die Fusion ist am Veto des Kartellamts gescheitert, und Braun muss noch länger an der Spitze des Tüv Rheinland ausharren. Sein Vertrag läuft bis Ende 2010. Außerdem muss er einen neuen Vorstandschef suchen, damit er selbst in den Aufsichtsrat wechseln kann. Vor Journalisten ließ Braun durchblicken, dass er früher abtritt, sollte sich "intern oder extern" schnell ein Nachfolger finden.

Aber auch als künftiger Aufsichtsrat verfolgt der Maschinenbauingenieur mit dem markanten Schnauzbart sein Lebensziel weiter: die "Tüv Deutschland AG", ein großer deutscher Prüfkonzern, der den Anforderungen der globalisierten Welt gerecht wird und vor allem der internationalen Konkurrenz gewachsen ist. In drei bis vier Jahren sehe der Markt womöglich völlig anders aus, meint Braun. Das Kartellamt könnte dann doch noch einer Fusion der Tüvs zustimmen, glaubt er.

Bis dahin will er den Tüv "absichern" und vor "unfreundlichen Übernahmen" schützen. Eine Stiftung, ausgegründet aus dem Trägerverein, soll künftig einen Anteil von 25,1 Prozent und damit die Sperrminorität halten. Die Gremien des Tüv müssen noch zustimmen. Dies gilt aber als Formsache. Denn eine solche Zustimmung lag für die abgeblasene Fusion bereits vor.

Langwierig dürfte dagegen die Suche nach einem Nachfolger werden. Mit Stephan Baus, 44, ist gerade ein möglicher interner Kandidat aus dem Tüv-Vorstand ausgestiegen. Er galt als Ziehsohn Brauns und hatte sich Hoffnung auf einen Vorstandssitz im neuen Mega-Tüv gemacht. Ein Nachfolger dürfte daher von außen kommen. Das dauert.

Braun indessen will den Tüv noch durch die Finanzkrise führen, die auch die Wachstumsaussichten der gesamten Prüfbranche verschlechtert. So peilt der Tüv Rheinland nach einem Umsatzplus von elf Prozent auf 1,1 Milliarden Euro im vergangenen Jahr jetzt nur noch ein Plus von sieben bis acht Prozent an. Das Ergebnis vor Steuern legte 2008 um 17 Prozent auf 70 Millionen Euro zu. Diese Renditen locken zunehmend Fonds und ausländische Konkurrenten auf den seit 2008 völlig liberalisierten deutschen Prüfmarkt. Die Konkurrenz für den Tüv Rheinland wächst.

Trotzdem plant Bruno Braun in diesem Jahr 750 neue Arbeitsplätze. Alleine in Deutschland sind 150 offene Stellen zu besetzen. Der Tüv Rheinland beschäftigt 13 300 Mitarbeiter (plus 850), davon 6 500 in Deutschland.

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