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01.02.2011

20:56 Uhr

Tui-Chef Michael Frenzel

Macht der ewige Chef noch einmal weiter?

VonEberhard Krummheuer

Er hat das Unternehmen durch den Umbau gesteuert, seinen Posten gegen Widerstände verteidigt. Nun steht Tui-Chef Michael Frenzel vor dem Ende seiner Amtzeit – und bringt den Konzern noch einmal auf Vordermann. Das gibt Spekulationen Nahrung, dass Frenzel weitermachen könnte, zumal einige große Aufgaben noch vor ihm liegen.

Michael Frenzel: Verlängert er seinen Vertrag noch einmal? DAPD

Michael Frenzel: Verlängert er seinen Vertrag noch einmal?

DÜSSELDORF. Der Weg vom Montankonzern Preussag zum Reisedienstleister Tui war lang und von vielen Auf und Ab geprägt: Einer blieb aber die ganze Zeit als Konstante an Bord, angefeindet, angefochten zwar, doch stets unerschütterlich: Vorstandschef Michael Frenzel.

Nun, wo sich seine Amtszeit zu Ende neigt, mehren sich Ereignisse, die nur einen Schluss zulassen: Es gelingt ihm, sein Haus zur Hauptversammlung am 9. Februar in Hannover zu bestellen.

Jüngstes Beispiel: Der russische Oligarch Alexej Mordaschow stockt seinen Anteil an den Tui-Aktien auf über 20 Prozent auf und wird damit größter Anteilseigner vor dem streitbaren norwegischen Reeder John Fredriksen. Der Russe spielt in den Kalkülen Frenzels, der in den nächsten Tagen 64 Jahre alt wird, seit längerem eine Rolle. Denn Europas Reiseriese Nummer eins sieht Wachstumspotenziale in Russland.

Das Haus bestellt Frenzel aber auch an anderen Stellen. So schloss Tui jüngst über die Besetzungsliste des ab nächste Woche amtierenden neuen Aufsichtsrats auch Frieden mit Fredriksen. Der hatte noch auf der Aktionärsversammlung 2010 versucht, Frenzel und seine Kontrolleure aus dem Amt zu jagen. Doch zu einer Mehrheit reichte es nicht. Nun erzielte der Tui-Vorstand Einigkeit mit dem Norweger, der Streit sei endgültig vom Tisch, verlautet aus Konzernkreisen.

Die größte Aufgabe, die noch vor Frenzel liegt, ist die Trennung von der Containerschiffsreederei Hapag-Lloyd. Vor zwei Jahren war die Sparte an das Konsortium Albert Ballin verkauft worden. Als die Reederei im Sog der Krise in Insolvenznöte geriet, steuerte Frenzel gegen und pumpte Milliarden in die 50-Prozent-Tochter. Kritiker sahen bereits Tui in Nöte geraten, doch die Entwicklung bestätigte: Frenzels Kurs war richtig, Hapag-Lloyd wurde gerettet.

Und ganz gleich, ob die Reederei nun an die Börse geht oder ein Investor das Tui-Paket übernimmt: Noch einmal bekommt der Konzernchef viel Geld in die Hand, um in das verbliebene Kerngeschäft Touristik zu investieren. Denkbar ist auch der Rückkauf der börsennotierten Reisetochter Tui Travel.

Damit verbindet sich eine Spekulation – die um Frenzels Zukunft. Sein Vertrag läuft mit dem 65. Lebensjahr, also mit der Hauptversammlung 2012 aus. In der Branche und im Konzern mehren sich Stimmen, die sich eine Vertragsverlängerung vorstellen können: Er sei der richtige Mann, um die Baustellen im Konzern effektiv abzubauen. Kaum zu glauben, dass der noch gar nicht wie ein Rentner wirkende Manager mit dem gepflegten Banker-Habitus da Nein sagen könnte.

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