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08.06.2016

20:31 Uhr

Uber-Chef Kalanick trifft auf Dieter Zetsche

Daimler tanzt mit Start-up Uber

VonLukas Bay

In Berlin trafen Daimler-Boss Dieter Zetsche und Uber-Chef Travis Kalanick aufeinander. Doch das Duell zwischen neuer und alter Autowelt entwickelte sich zu einem Flirt – Zetsche deutet sogar einen Antrag an.

Daimler-Boss Dieter Zetsche (links) kam auf der Noah-Konferenz Uber-Chef Travis Kalanick sehr nah. dpa

Komplimente statt Angriffe

Daimler-Boss Dieter Zetsche (links) kam auf der Noah-Konferenz Uber-Chef Travis Kalanick sehr nah.

BerlinDie Inszenierung im Tempodrom gleicht einem Boxkampf. „Eye of the Tiger“ schallt aus den Boxen der Veranstaltungshalle im Zentrum von Berlin, der Rocky-Soundtrack. Auf der Noah-Konferenz treffen zwei Schwergewichte der Autoindustrie aufeinander. Das ist zumindest die Ankündigung. Die Duellanten kommen im gelben Trabbi. Ein Cabrio.

Daimler-Chef Dieter Zetsche gegen Uber-Chef Travis Kalanick – vor wenigen Jahren wäre es noch ein ungleiches Duell gewesen. Doch mittlerweile begegnen sich die Diskutanten auf Augenhöhe. Nach dem jüngsten Investment des saudi-arabischen Staatsfonds ist das kalifornische Mobilitäts-Start-up mit 70 Milliarden Dollar sogar etwas wertvoller als die Weltmarke mit dem Stern – zumindest auf dem Papier.

Kalanick ist derzeit einer gefragtesten Gesprächspartner der Branche. Denn mit seiner Mobilitätsplattform setzt er die klassischen Autokonzerne unter Druck. Zetsche lässt dem jungen Herausforderer auf der Bühne den Vortritt.

Der Uber-Gründer beginnt den Abend mit einem Foto von der Geburtsstunde seine Plattform. Einem Abend in Paris, an dem Kalanick vergeblich versuchte, ein Taxi zu ordern. Sieben Jahre später vermittelt Uber weltweit eine Milliarde Autos. Doch Kalanick ist nicht gekommen, um Werbung für das Auto zu machen. „Autos sind heute“, sagt Kalanick – und deutet damit einen anstehenden Wechsel bei der Fortbewegung an. Die hohe Zahl der Privatfahrzeuge führe zu öffentlichen Kosten. Vier der zehn verkehrsreichsten Städte in Europa seien in Deutschland, warnt Kalanick. Der starke Verkehr koste Europa rund ein Prozent der Wirtschaftsleistung. Darüber hinaus seien Autos verantwortlich für 12 Prozent der CO2-Emmissionen.

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Uber-Chef Travis Kalanick gilt als Rüpel. Doch der Gründer der größten Mobilitätsplattform der Welt wirkt erstaunlich zurückhaltend, fast schüchtern. Nun ist mehr als zwei Tage in Berlin unterwegs, um für Uber zu werben.

Bislang habe man zwar die Option, den öffentlichen Nahverkehr zu benutzen. „Doch das löst nicht das ganze Problem“, sagt Kalanick. Busse und U-Bahnen könnten nicht bis vor die Haustür fahren. 37 Prozent aller Menschen, die täglich nach Berlin kommen, nehmen immer noch das eigene Auto.

Kalanick wirft ein Bild des Verkehrsnetzes in London an die Wand. Uber werde vor allem in der Peripherie genutzt, erklärt der Uber-Chef. Seine Plattform sei ein Zulieferer für das öffentliche Netz, ein komplementäres Angebot.

Vor allem könne aber die Zahl der Fahrzeuge in den Städten reduziert werden. Kalanick wirbt für sein Angebot UberPool, das es möglich mache, Fahrten zu teilen. Schon heute würden 40 Prozent aller Fahrten in San Francisco mit UberPool durchgeführt. Weltweit seien es 20 Prozent. „Am Ende werden damit mehr Menschen mit weniger Autos transportiert“, sagt Kalanick. Mittlerweile sei das Angebot in 18 Städten verfügbar, 13 davon in China. Allein in Fernost vermittle sein Unternehmen damit 30 Millionen Fahrten im Monat. Sein Appell an das Publikum in Berlin: „Wir haben heute die Möglichkeit es viel effizienter zu organisieren und vor allem Anreize zu schaffen, Autos gemeinsam zu nutzen.“

Beliebteste Autoklassen bei Privatkäufern

Kompaktklasse nur noch knapp vor SUV

Wer sein Auto selbst zahlt, kauft besonders gern ein SUV. Rund jeder vierte auf eine Privatperson zugelassene Neuwagen war 2015 einer der modischen Crossover. Der Kompaktklasse – seit Jahrzehnten Spitzenreiter in der Beliebtheit – droht Rang zwei. Eine Übersicht der beliebtesten Pkw-Segmente bei privaten Neuwagenkäufern ....

Rang 6

Die Mittelklasse – im Gesamtmarkt immerhin auf Rang vier der beliebtesten Klasse – kommt bei den Privatkunden erst auf Platz sechs. Gerade mal 18,9 Prozent der Halter im Segment von VW Passat und Co. sind natürliche Personen aus Fleisch und Blut. Geringer ist die Quote nur in der oberen Mittelklasse (17,3 Prozent) und in der Oberklasse (13,8 Prozent).

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr rund 1,1 Millionen Neuwagen auf Privatpersonen zugelassen. Das entspricht einem Anteil von 34,2 Prozent am Gesamtmarkt von 3,2 Millionen Pkw.

Rang 5

Vans fand 2015 genau 84.631 Privatkunden: Bei den prototypischen Familienautos hätte man vielleicht einen höheren Privatkundenanteil als mäßige 32 Prozent erwarten können. Aber für junge Familien sind die praktischen Pampers-Bomber als Neuwagen häufig zu teuer, sind die Kinder größer und die Festgeldkonten voller, fährt man häufig lieber Limousine oder SUV als einen klobigen Van.

Ein einziges Modell fällt aus dem Rahmen: der sehr günstige Dacia Lodgy (ab 9.990 Euro) mit fast 80 Prozent Privatkunden – was die oben aufgeführte These letztlich stützt.

Rang 4

Kleinstwagen mit 89.317 Privatkunden: Lediglich jeder dritte Kleinstwagenkäufer bestellt das Fahrzeug auf eigene Rechnung. Größer ist der Anteil bei den besonders preisgünstigen Modellen.

So lassen beispielsweise rund 70 Prozent der Käufer eines Suzuki Celerio (zurzeit ab 9.690 Euro, 2015 zwischenzeitlich aber auch mal unter 7.000 Euro) das Fahrzeug privat zu.

Bei teureren Lifestyle-Modellen wie dem Fiat 500 oder dem Opel Adam ist das Verhältnis umgedreht.

Rang 3

Kleinwagen, 208.053 Privatkunden: Die Kleinwagen-Klasse ist ein typisches Privatkundensegment. Als Dienstwagen-Bonbon für das mittlere Management tendenziell zu klein, als Arbeitsgerät für Pizza-Kuriere tendenziell zu groß. Resultat ist ein weit überdurchschnittlicher Privatkundenanteil von 44 Prozent.

Rang 2

SUV, mit 253.186 Privatkunden in 2015: Während die SUV im Gesamtmarkt noch knapp eine Viertelmillion Neuzulassungen hinter der Kompaktklasse liegen, haben die Crossover auf dem privaten Markt schon ziemlich aufgeholt.

Der Privatkäuferanteil von 42 Prozent ist in der Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) der höchste hinter Wohnmobilen (64 Prozent) und Kleinwagen (44 Prozent).

Rang 1

Kompaktklasse (292.597 Privatkunden): Immer noch das populärste Fahrzeugsegment der Deutschen, auf dem Privatkundenmarkt aber zunehmend unter Druck (siehe Rang zwei). Rund 65 Prozent der 2015 neu zugelassenen Fahrzeuge sind auf eine Firma angemeldet.

Vor allem die deutschen Hersteller engagieren sich stark im Flottenmarkt, beim VW Golf geht nicht einmal jedes dritte Auto an eine Privatperson.

Eine Idee, die auch das Geschäftsmodell von Daimler in Frage stellt. Zetsche, der bislang noch stumm in der ersten Reihe sitzt, tritt an. Doch er ist nicht gekommen, um sich zu duellieren. Er will dem jungen Publikum beweisen, dass sein Konzern die neue Zeit verstanden hat. Zetsche zeigt das auch äußerlich. Er trägt braune Turnschuhe mit weißer Sohle, Jeans, blaues Sakko. „Früher war das Instrument der Revolutionäre die Guillotine, heute ist es das Internet“, sagt er.

Er beginnt seine Replik humorvoll. Scherzt über die Frisur von Moderator Kai Diekmann und seine eigene. Dann erklärt er, warum Daimler sich nicht vor Uber verstecken muss. „Bereits vor 30 Jahren haben wie die ersten autonomen Autos entwickelt“, sagt Zetsche. Die neue E-Klasse könne heute schon teilautonom fahren und mehr als gesetzlich erlaubt.

Deutschland müsse mehr Mut haben, sich auf die neue Zeit einzulassen. Er zeigt Fotos der ersten Motorenwagen, die nur Schrittgeschwindigkeiten fahren durften. Man müsse jetzt zeigen, zu was die Technologie fähig sei und so Vertrauen aufbauen.

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