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26.11.2013

10:38 Uhr

Über Grenzen gehen

Hilfe, wir wachsen!

VonCarina Kontio

Eine Expansion in ausländische Märkte ist für viele Start-ups verlockend. Doch auf dem Weg zum globalen Erfolg läuft nicht immer alles glatt. Was Jungunternehmen beachten müssen und welche Fallstricke im Ausland lauern.

Internetunternehmer Max Wittrock in seinem Müsli-Laden in Passau: Das bayerische Start-up wagt gerade mit drei Läden in Passau, Regensburg und München den Schritt in die reale Welt. dpa

Internetunternehmer Max Wittrock in seinem Müsli-Laden in Passau: Das bayerische Start-up wagt gerade mit drei Läden in Passau, Regensburg und München den Schritt in die reale Welt.

Düsseldorf„Dein individuelles Mäuschen. Wir liefern es Dir direkt nach Hause“. Heute kann Mymuesli-Gründer Max Wittrock über diesen kleinen Fauxpas lachen, der ihm 2008 bei der Expansion in die Schweiz passierte. Der Teufel steckt im Detail. „Dort muss unser Müsli unbedingt Muesli heißen, denn im Schweizerdeutschen verstehen die Eidgenossen bei der deutschen Schreibweise kleine und niedliche Mäuschen“, erklärt der Jungunternehmer.

Etwas, das sich selbst mit Schokostreuseln und Apfelstücken gemixt wohl nur schwer hätte verkaufen lassen. Schließlich verdient Mymuesli Geld damit, dass sich Kunden aus insgesamt 75 Bio-Zutaten ihre individuelle Frühstücks-Mischung zusammenstellen können. Von der Haferflocke über Bananenchips bis zur tibetischen Goji-Beere, rein rechnerisch ergeben sich 566 Billiarden Kombinationsmöglichkeiten.

Auf ins Ausland: Fakten zur Expansion

800.000

800.000 von 3,55 Millionen Mittelständlern sind auf internationalen Märkten aktiv. Unter Unternehmen mit weniger als fünf Beschäftigten exportieren 21 Prozent ihre Waren ins Ausland. Bei größeren Betrieben liegt die Quote mit 23 Prozent nicht nennenswert höher.

(Quelle: ZEW, KfW Bankengruppe)

85 Prozent

85 Prozent aller Auslandsinvestitionen von kleinen Unternehmen werden aus Eigenmitteln bestritten – nur 14 Prozent erhalten dafür einen Bankkredit. Insgesamt hat jedes dritte Unternehmen Geldprobleme, wenn es seine internationalen Aktivitäten ausweiten will.

70 Prozent

70 Prozent aller Auslandsinvestitionen haben das Ziel, neue Kunden zu gewinnen. Hinter 16 Prozent der Expansionsvorhaben steht indes die Absicht, auswärts billigere Arbeitskräfte zu finden.

231.000

231.000 Euro Umsatz erzielen deutsche High-Tech-Unternehmen, die auf Auslands märkten aktiv sind, durchschnittlich im ersten Geschäftsjahr – fast doppelt so viel wie Unternehmen, die nur den Heimatmarkt bedienen. Wer international erfolgreich ist, wächst außerdem schneller.

Die Schweizer haben dem deutschen Start-up die Nummer mit den Mäuschen nicht verübelt – und Mymuesli wirtschaftet in der Alpenregion inzwischen profitabel. Sogar eine eigene Produktionsstätte samt Geschäftsführerin haben die Müslimacher in Basel. „Die Schweiz ist das Ursprungsland des Müslis, da muss man einfach vor Ort produzieren“, erzählt Wittrock.

Doch der Sprung über die Grenze katapultierte die Gründer auch in einen bürokratischen Dschungel. „Dass wir dort mit einer eigenen Produktion hin mussten, ist ja schon ein Indiz dafür, dass das nicht so einfach war“, erinnert sich Wittrock. „Internationalisierung klingt immer total leicht. Aber in Wirklichkeit ist es doch deutlich komplexer.“

Anders als in England, wo die Gründer nur eine Webseite aufbauen mussten, ging es diesmal um mehr als den reibungslosen Ablauf der Online-Bestellungen und den Transport der Müslidosen: Ohne die Fabrik in Tägerwilen würde es nicht funktionieren. Denn da die Schweiz nicht zur EU gehört, zöge das eine Menge Schwierigkeiten bei der Einfuhr von Produkten nach sich. Wittrock: „Wer Lebensmittel importieren will, die - wie Hafer - auch im Land wachsen, muss hohe Zollaufschläge bezahlen.“ Beachtet werden muss auch das Verbraucherschutzrecht. Denn während Kunden in Deutschland ihre Online-Einkäufe zwei Wochen lang wiederrufen können, gibt es für User aus anderen EU-Ländern ganz unterschiedliche Fristen.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

26.11.2013, 12:03 Uhr

Hochinteressanter Artikel (sagt man immer, wenn Inhalte die eigenen Ansichten reflektieren)! Kurios ist aber, dass man es, wenn man genau diese Art der Beratung für internationale Expansionen anbietet, kaum auf offene Ohren bei den Unternehmern trifft. Dabei ist eine angemessene Beratung wohl in den meisten Fällen deutlich günstiger, als ein Fehlversuch. Trotzdem: Danke für ein paar gute Fallbeispiele für meine Akquisition ;)

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