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13.02.2014

17:24 Uhr

Überforderte Generation

Kind, Karriere und kein Krankenschein

Wer zwischen 25 bis 40 Jahre alt ist, steht privat und beruflich häufig unter hohem Druck. Doch krank ist diese Generation anscheinend selten. Das kann sich in späteren Jahren rächen. Es droht die Rente mit 49.

Eine Familie, die Kinder und Karriere unter einen Hut bringt: Die beiden Eltern, Nicole und Sören Munk leiten jeweils eine Firma. Familie und Beruf zu kombinieren, ist für sie eine Frage der Organisation. dpa

Eine Familie, die Kinder und Karriere unter einen Hut bringt: Die beiden Eltern, Nicole und Sören Munk leiten jeweils eine Firma. Familie und Beruf zu kombinieren, ist für sie eine Frage der Organisation.

BerlinJunge Eltern, Mütter wie Väter, können Stress gut aushalten. Sie sind auch selten krank, jedenfalls offiziell. Dennoch sind sie gegenüber Kinderlosen im Nachteil. Sie treiben weniger Sport und haben weniger Zeit, sich zu erholen und zu schlafen. Und genau das könnte über die Jahre zum Problem werden.

Zu diesem Ergebnis kommt die Krankenkasse DAK-Gesundheit  in einem Report über Personen in der sogenannten „Rushhour des Lebens“. Gemeint ist damit ein Zeitraum von 15 Jahren, in dem Männer und Frauen zwischen 25 und 40 Jahren versuchen, viele Ziele gleichzeitig in Einklang zu bringen: Die Karriere steht im Vordergrund, doch auch Kinder wünschen sich viele.

Die Krankenkasse hat in der Studie den Krankenstand ihrer Mitglieder analysiert und über 3000 Männer und Frauen im Alter von 25 bis 40 Jahren repräsentativ befragt. Sie empfinden die Rushhour des Lebens als einen persönlichen und beruflichen „Entscheidungsmarathon“, der sich aber in dieser Phase anscheinend noch nicht negativ auf ihre Gesundheit auswirkt.

So unterschiedlich reagieren wir auf Stress

Gene

Stressforscher schätzen, dass Stressanfälligkeit zu 30 Prozent genetisch bedingt ist.

(Quelle: Lothar Seiwert, Zeit ist Leben, Leben ist Zeit)

Mutter

Frauen, die während der Schwangerschaft hohe Cortisolwerte aufweisen, bekommen stressanfälligere Babys.

Kindliche Erfahrungen

Traumatische Erlebnisse in den ersten sieben Lebensjahren, der Zeit der Entwicklung der Identität, können lebenslänglich stressanfälliger machen.

Persönlichkeit

Erfolgsorientierte, ehrgeizige, sehr engagierte, ungeduldige und unruhige Menschen sind besonders stressanfällig.

Charakter

Feindseligkeit, Zynismus, Wut, Reizbarkeit und Misstrauen erhöhen das Infarktrisiko um 250 Prozent. Humor hingegen zieht dem Stress den Stachel. Eine Studie an 300 Harvard-Absolventen zeigte: Menschen mit ausgeprägtem Sinn für Humor bewältigen Stress besser.

Selbstbestimmung

Der wichtigste Faktor, der über Stressanfälligkeit bestimmt, ist die Kontrolle über das eigene Tun. Je mehr man den Entscheidungen anderer ausgeliefert ist, desto höher das Infarktrisiko.

Wertschätzung

Wer für seine Arbeit Anerkennung in Form von Lob oder einem angemessenen Gehalt bekommt, verfügt über eine bessere Stressresistenz.

Status

Wer eine gute Stellung in der Gesellschaft hat, verfügt auch über einen Panzer gegen Stress. Das ist auch bei Pavianen zu beobachten: Gerät das Leittier durch einen Konkurrenten in eine Stresssituation, schnellt der Cortisolspiegel hoch, normalisiert sich aber rasch wieder. Bei den Rangniedrigeren ist der Cortisolspiegel ständig erhöht.

Glaube

Einer der stärksten Stresskiller ist das Gebet. Studien belegen: Der Glaube an eine höhere Macht, die das Schicksal zum Guten wenden wird, beugt vielen Krankheiten vor.

„Der niedrige Krankenstand darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich in diesem Alter erste Ansätze für chronische Krankheiten bilden“, urteilt Herbert Rebscher, Vorstandschef der DAK-Gesundheit. So seien während dieser Zeit bereits vier von zehn Beschäftigten mit Rückenproblemen in Behandlung.

Unter den 20 häufigsten Einzeldiagnosen bei Männern gebe es neben den akuten Beschwerden auch bereits langfristige Beeinträchtigungen, stellt die DAK-Gesundheit fest. Sieben Prozent der Männer seien schon in Behandlung wegen Bluthochdruck, der häufig in Verbindung mit Stress und Bewegungsmangel stehe.

Etwa jeder fünfte Mann und sogar jede dritte Frau müsse wegen eines psychischen Leidens zum Arzt. Diese Krankheitsbilder hält die Krankenkasse in dieser Altersgruppe für sehr beachtenswert. Denn sie kehrten häufig wieder und könnten auf diese Weise den Gesundheitszustand langfristig erheblich beeinträchtigen.

 

Kommentare (9)

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ausmunchen

13.02.2014, 17:45 Uhr

Mein Gott haben wir Probleme. Weltweit sterben mehr als 8,8 Millionen Kinder weltweit jedes Jahr insbesondere in Afrika und Asien an Hunger oder Krankheit. In Afrika sind in enzelnen Ländern bis 44% der Bevölkerung mit AIDS infiziert. Ich könnte hier die mir verbleibenden 1.700 Zeichen sicher ohne Bedenken füllen ...

Account gelöscht!

13.02.2014, 18:28 Uhr

"Mein Gott".... - lassen Sie doch bitte Gott aus dem "Spiel"
Wer ist denn Ihr Gott, wenn Sie schon von "mein Gott" schreiben?

Account gelöscht!

13.02.2014, 19:09 Uhr

Es zeigt sich immer deutlicher, dass Arbeit nicht nur körperlich, sondern auch psychisch belasten kann“, urteilt Jens Baas, Vorsitzender des Vorstands der TK.

wow - für die diese Erkenntnis muss man schon Vorstand sein! Ich lache mich tot

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