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14.04.2011

06:41 Uhr

Umdenken bei Dax-Konzernen

Aufsichtsräte wechseln zu Festgehalt

VonDieter Fockenbrock

Gute Zahlen, guter Lohn, schlechte Zahlen, schlechter Lohn. Lange war das für Aufsichtsräte Standard. In vielen Dax-Konzernen soll sich das nun ändern. Der neue Trend geht zum erfolgsunabhängigen Festgehalt.

Zwei Hände stecken Euro-Geldscheine in eine Lohntüte. Quelle: dpa

Zwei Hände stecken Euro-Geldscheine in eine Lohntüte.

Düsseldorf Feste Vergütung für Aufsichtsräte kommt wieder in Mode. Sechs der 30 Dax-Konzerne sind schon umgestiegen. Die Konzerne bringen damit die Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex in Bedrängnis. Denn der Kodex verlangt neben fixer Vergütung auch erfolgsabhängige Bezahlung

Treiber sind Allianz-Chefaufseher Henning Schulte-Noelle, der scheidende Eon-Aufsichtsrat Ulrich Hartmann und Gerhard Cromme, der bei Siemens und Thyssen-Krupp an der Spitze des Kontrollgremiums steht. Begründung für den Umstieg auf Festgeld: Aufseher sollen unabhängig - auch von der Bezahlung - agieren und nicht ausgerechnet in schlechten aber arbeitsreichen Zeiten schlecht bezahlt werden

Mit dieser Argumentation drehen sich die Räte um 180 Grad. Keine zehn Jahre ist es her, dass die erfolgsbasierte Vergütung für Aufsichtsräte als zukunftsweisend eingeführt wurde. Begründung damals: Auch Konzernaufseher müssen Anreize für eine gewinnorientierte Unternehmensführung haben. Ausgerechnet Cromme hatte als Leiter der Kodex-Kommission diese Regelung durchgesetzt. Jetzt schafft er sie wieder ab. Auch bei Thyssen-Krupp. Denn nach Informationen des Handelsblatts aus Unternehmenskreisen will auch der Aufsichtsrat des Stahlherstellers künftig nur noch pauschal bezahlt werden

Der Wechsel von erfolgsabhängig zu Festvergütung kommt ausgerechnet zu einer Zeit, in der die Konzerne Rekordergebnisse einfahren - und die Bezüge der Aufseher wegen der Boni besonders hoch sind. Insgesamt kassierten die 25 Aufsichtsratsvorsitzenden im Dax 8,4 Millionen Euro im Jahr 2010, davon aber nur 4,8 Millionen Euro als Festbezüge. Ganz extrem ist die Diskrepanz bei VW-Chefaufseher Ferdinand Piech. Der erhält bescheidene 39 500 Euro fix, aber mehr als eine halbe Million Euro kurzfristig Variable

Die Entwicklung wird kritisch gesehen. „Damit wird Besitzstand auf dem Höhepunkt festgeschrieben“, sagt der Topvergütungsberater Heinz Evers. Und Governance-Experte Manuel Rene Theisen, Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München, fragt sich „woher jetzt die tiefe Erkenntnis stammt, wieder zur festen Aufsichtsratsvergütung zurückzukehren?“ Die Anforderungen an die Kontrolleure hätten sich über die Jahre im Prinzip nicht verändert

Top-Verdiener unter den Aufsichtsräten im Dax ist wieder Manfred Schneider, der mit seinen drei Chefmandaten bei Bayer, Linde und RWE sowie seinem Mandat bei Daimler 1,14 Millionen Euro für 2010 einstreicht. Gerhard Cromme (Chefaufseher Siemens und Thyssen-Krupp) folgt auf Platz zwei mit 978.000 Euro. Rang drei belegt Ferdinand Piech (VW und MAN) mit 837.000 Euro. Clemens Börsig kommt mit seinen vier Mandaten bei der Deutschen Bank (Vorsitzender), Daimler, Linde und Bayer auf 687.000 Euro

Den bestbezahlten Posten unter den Dax-Aufsehern hat Piech bei Volkswagen (592.000 Euro), dicht gefolgt von Simone Bagel-Trah (579.000 Euro), der Gesellschafterin und Chefkontrolleurin des Konsumgüterkonzerns Henkel.

 

 

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