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04.07.2013

16:06 Uhr

Umfrage

Deutsche Manager sind diszipliniert, aber unzufrieden

ExklusivWie leben deutsche Manager? Eine exklusive Umfrage zeigt: Die Führungskräfte erlauben sich nur wenig Freizeit, lange Feiern und Zigaretten sind Tabu. Einzig zu einem Suchtmittel greifen die meisten von ihnen.

Mit der Balance zwischen Beruf und Privatleben ist jeder zweite deutsche Manager unzufrieden. dpa-tmn

Mit der Balance zwischen Beruf und Privatleben ist jeder zweite deutsche Manager unzufrieden.

DüsseldorfUm fit für den Job zu sein, lebt die Mehrheit der Manager in Deutschland äußerst diszipliniert. Mit der Balance zwischen Beruf und Privatleben ist dennoch jeder zweite alles andere als zufrieden. Das ist Ergebnis einer Umfrage von Handelsblatt und der Personalberatung Heidrick & Struggles, an der sich mehr als 1200 Manager und Managerinnen beteiligten.

Neun von zehn Führungskräften treiben Sport. Für so manchen ist Bewegung mehr als bloßer Ausgleich. Jede siebte Sportsmann in Spitzenposition nimmt an Wettkämpfen teil. „Ehrgeiz und Disziplin im Beruf übertragen viele Führungskräfte auch auf den Sport“, beobachtet Christine Stimpel, Deutschlandchefin von Heidrick & Struggles.  „Fitness ist das neue Statussymbol der Manager.“

Auf lange Feiern mit Kunden oder Kollegen verzichtet das Gros der Manager, ebenso wie auf Zigaretten. Nur jeder zehnte raucht regelmäßig. Stattdessen steht bei der Mehrheit gesunde Ernährung auf dem Plan. Denn Manager wollen und müssen fit sein für ihren anstrengenden Berufsalltag: Die Hälfte der Befragten arbeitet zwischen 51 und 60 Stunden in der Woche. Jeder fünfte rackert 61 bis 70 Stunden. Zu den absoluten Workaholics mit über 70 Arbeitsstunden in der Woche zählen sich immerhin fünf Prozent der Befragten.

So unterschiedlich reagieren wir auf Stress

Gene

Stressforscher schätzen, dass Stressanfälligkeit zu 30 Prozent genetisch bedingt ist.

(Quelle: Lothar Seiwert, Zeit ist Leben, Leben ist Zeit)

Mutter

Frauen, die während der Schwangerschaft hohe Cortisolwerte aufweisen, bekommen stressanfälligere Babys.

Kindliche Erfahrungen

Traumatische Erlebnisse in den ersten sieben Lebensjahren, der Zeit der Entwicklung der Identität, können lebenslänglich stressanfälliger machen.

Persönlichkeit

Erfolgsorientierte, ehrgeizige, sehr engagierte, ungeduldige und unruhige Menschen sind besonders stressanfällig.

Charakter

Feindseligkeit, Zynismus, Wut, Reizbarkeit und Misstrauen erhöhen das Infarktrisiko um 250 Prozent. Humor hingegen zieht dem Stress den Stachel. Eine Studie an 300 Harvard-Absolventen zeigte: Menschen mit ausgeprägtem Sinn für Humor bewältigen Stress besser.

Selbstbestimmung

Der wichtigste Faktor, der über Stressanfälligkeit bestimmt, ist die Kontrolle über das eigene Tun. Je mehr man den Entscheidungen anderer ausgeliefert ist, desto höher das Infarktrisiko.

Wertschätzung

Wer für seine Arbeit Anerkennung in Form von Lob oder einem angemessenen Gehalt bekommt, verfügt über eine bessere Stressresistenz.

Status

Wer eine gute Stellung in der Gesellschaft hat, verfügt auch über einen Panzer gegen Stress. Das ist auch bei Pavianen zu beobachten: Gerät das Leittier durch einen Konkurrenten in eine Stresssituation, schnellt der Cortisolspiegel hoch, normalisiert sich aber rasch wieder. Bei den Rangniedrigeren ist der Cortisolspiegel ständig erhöht.

Glaube

Einer der stärksten Stresskiller ist das Gebet. Studien belegen: Der Glaube an eine höhere Macht, die das Schicksal zum Guten wenden wird, beugt vielen Krankheiten vor.

Viele Manager sind chronisch übermüdet. 42 Prozent kommen jede Nacht gerade mal auf fünf bis sechs Stunden Schlaf. Frühes Aufstehen ist an der Tagesordnung, zumal die meisten viel reisen. Jeder Vierte ist sogar drei bis vier Tage in der Woche für den Job unterwegs.

Die hohe Arbeitsbelastung und Selbstdisziplin suchen sich ein Ventil: 60 Prozent der befragten Manager trinken unter der Woche Alkohol.  „Wer Alkohol braucht, um entspannen zu können und Ärger herunter zu spülen, ist bereits auf dem Weg zur Abhängigkeit“, warnt Peter Michael Roth, Chefarzt der Oberbergklinik Berlin-Brandenburg.

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