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20.06.2014

09:35 Uhr

Umfrage unter Entscheidern

Steigender Druck raubt Managern den Schlaf

ExklusivFührungskräfte haben es schwer: Vier von fünf Chefs schlafen schlecht - vor allem Frauen. Das belegt eine Umfrage unter Betroffenen. Ärzte schlagen Alarm und geben klare Empfehlungen.

Entspannt schlummern in der Business-Class: In Wahrheit schlafen Top-Manager oft schlecht. ap

Entspannt schlummern in der Business-Class: In Wahrheit schlafen Top-Manager oft schlecht.

DüsseldorfIn schwierigen beruflichen Situationen leiden 81 Prozent der deutschen Führungskräfte unter Schlafstörungen. „Gerade unter älteren und weiblichen Führungskräften sind Schlafstörungen weit verbreitet“, sagt Thorsten Kienast, Ärztlicher Direktor der Max-Grundig-Klinik im Schwarzwald, die sich auf die Gesundheit von Managern spezialisiert hat. Im Auftrag der Klinik wurden 1000 Entscheider in Unternehmen befragt, wie sie mit Druck umgehen. Über die Studie berichtet das Handelsblatt in seiner Freitagsausgabe.

Viele Manager fühlen sich unter Druck. „Hohe vorgegebene Leistungsziele nicht erreicht“ – dies nennen die Befragten an erster Stelle der quälenden Situationen im Job. Jede zehnte Führungskraft hat schwierige berufliche Zeiten nur durch einen persönlichen Rückzug und Ausstieg ertragen. Für den Psychologen Kienast ein Alarmzeichen: „Immer mehr Führungskräfte leben in Grenzzonen, in denen sie beruflichen Stress phasenweise nicht mehr aushalten.“

Was bei der Arbeit stresst

Verantwortung

Was sorgt im Büro für Stress? Der Personaldienstleister Robert Half hat im höheren Management nach den wichtigsten Gründen gefragt. Dabei gaben 18 Prozent der Befragten zu viel Verantwortung oder ständiges an die-Arbeit-denken auch in der Freizeit als Grund für Stress bei der Arbeit an. Nur in Tschechien können die Beschäftigten außerhalb des Arbeitsplatzes schwerer abschalten - dort gaben 28 Prozent an, dauernd an die Arbeit denken zu müssen. Auf der anderen Seite der Skala ist Luxemburg: nur fünf Prozent haben dort dieses Problem.

Stressfrei

Keinen Stress haben dagegen nur sieben Prozent der deutschen Befragten. Genauso niedrig ist der Anteil derer, die ihren aktuellen Job nicht mögen.

Druck von oben

Unangemessener Druck vom Chef nannten 27 Prozent der Befragten hierzulande als Stressgrund. In Brasilien sind es dagegen 44 Prozent.

Chefqualitäten

Wenn der Chef sich eher um sein Handicap kümmert, statt ordentlich zu führen: 28 Prozent der Befragten sind mit der Managementfähigkeit des Chefs unglücklich. Das Unvermögen des führenden Managers, das zu Stress führt, scheint in Luxemburg relativ unbekannt zu sein - nur 11 Prozent der Befragten sind dort mit den Befragten unglücklich, in Dubai sind es gar neun Prozent.

Büroklatsch

Dass unangenehme Kollegen oder fieser Büroklatsch zu Stress führen kann, ist allgemein bekannt. Dementsprechend führen auch 31 Prozent der Befragten das als Stressgrund an - der Anteil derer, die das ähnlich sehen, liegen in allen anderen Ländern fast gleich hoch - außer in Brasilien: 60 Prozent der Befragten geben unangenehme Kollegen und fiesen Büroklatsch als Stressgrund an.

Unterbesetzung

Ein weitere Stressgrund: personelle Unterbesetzung. 41 Prozent der Befragten sehen das als wichtigen Grund für Stress bei der Arbeit an - ein Wert, der fast in allen Ländern ähnlich ist.

Arbeitsbelastung

Doch am problematischsten, laut der Studie: die hohe Arbeitsbelastung. 51 Prozent der Befragten gaben dies als Stressgrund an. Deutschland liegt damit im Schnitt, auch in den anderen elf Ländern ist ein ähnlich hoher Anteil der gleichen Meinung.

Weil sie ihr eigenes Leben zu stark dem Beruf unterordnen, stellen sich schnell Frustration und Angst bis zu Depressionen ein, wenn es einmal im Beruf nicht gut läuft, so die Beobachtung des Psychologen. Denn etliche Führungskräfte opfern Familie, Freunde und Hobbys auf dem Karrierealtar. Noch nicht einmal jeder zweite befragte Manager (46 Prozent) sagt, für die Familie genug Zeit aufbringen zu können. Noch schlechter sieht es mit Hobbys (37 Prozent) und der Pflege von Freundschaften (29 Prozent) aus.

Wenn von den vier Säulen der persönlichen Stabilität (Beruf, Familie, Freunde, Hobbys) drei Säulen angeknackst sind, wird das Leben fragil, warnt Managerarzt Kienast. Dann wachse die Wahrscheinlichkeit für eine Krise bis hin zu Selbstmordgedanken. Sieben Prozent der befragten Führungskräfte konsumieren Alkohol bzw. Medikamente zur Leistungssteigerung und Beruhigung.

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Von

kte

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

20.06.2014, 10:58 Uhr

Wenn ich immer kurzfristig meine Aktionäre befriedigen müßte, unnütze Produkte entwickeln und vermarkten müßte, von Zeit zu Zeit viele meiner treuen Angestellten feuern müßte, dann würde ich auch schlecht schlafen.

Account gelöscht!

20.06.2014, 11:57 Uhr

Vier von fünf "Chefs" taugen nichts, das ist die Antwort.

Account gelöscht!

20.06.2014, 12:26 Uhr

Schlechter Schlaf? Dann sind diese sogenannten Manager offensichtlich überfordert u. gehören ausgetauscht.

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