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18.10.2016

08:26 Uhr

Unfähige Vorgesetzte

Hilfe, mein Chef ist eine Niete!

VonLisa Oenning

Der Erfolg eines Unternehmens steht und fällt mit dem Chef. Wenn der eine Niete ist, kann das zu erheblichen Verlusten führen. Woran Sie einen schlechten Chef erkennen und wie Sie auf die Unfähigkeit reagieren können.

Wenn Angestellte einen schwachen Vorgesetzten haben, fallen sie laut Management-Coach oftmals in eine Ohnmacht. Getty Images

Verzweifelter Mitarbeiter

Wenn Angestellte einen schwachen Vorgesetzten haben, fallen sie laut Management-Coach oftmals in eine Ohnmacht.

DüsseldorfDas Büro ist seine Festung. Dort kann sich der Chef hinter einem Stapel von Akten vor seinen Mitarbeitern verstecken. Und wenn der mal abgearbeitet ist, gibt es ja noch das Telefon, mit dem er wichtige Gespräche vortäuschen kann. Selbst wenn außerhalb seiner Schutzzone die Hölle los ist. Wenn die Angestellten es doch mal wagen, in den Elfenbeinturm des Chefs vorzudringen und um Rat zu fragen, beantwortet der die Fragen seiner Mitarbeiter allenfalls abstrakt und schwammig. Nach dem Motto: bloß nicht angreifbar machen.

Dieses Verhalten ist eine beliebte Strategie vieler Vorgesetzter, ihre Unfähigkeit als Führungsperson zu verbergen, wissen die Management-Coaches Johannes Schmeer und Albrecht Müllerschön. „Schwache Chefs setzen oftmals keine Richtlinien und drücken sich unklar aus, um sich im Zweifelsfall ein Hintertürchen offen zu halten“, sagt Schmeer, der seit mehr als 20 Jahren Führungskräfte coacht. Denn: Je deutlicher ein Chef sich ausdrückt, umso verbindlicher sind seine Aussagen – und können damit negativ auf ihn zurückfallen. „Diese Personen haben in den meisten Fällen kein Führungsinteresse. Sie erhoffen sich von ihrer Position Ansehen oder ein höheres Gehalt“, sagt Müllerschön.

Ein guter Chef ...

... ist ...

... fair und empathisch.

... entscheidet ...

... auf Grundlage guter Argumente.

... geht ...

... mit gutem Beispiel voran.

... ist ...

... ideenreich und scheut sich nicht vorm Querdenken, hinterfragt und fördert Innovationen.

... bietet ...

... ein respektvolles wie angstfreies Umfeld.

... löst ...

... Konflikte ruhig und souverän.

... ist ...

... kommunikativ und transparent dabei.

... gibt ...

... Fehler zu.

... ist ...

... motiviert und konstruktiv.

Mit dem gegensätzlichen Verhalten kann sich der Chef als Führungskraft genauso disqualifizieren. Zum Beispiel, indem er Mikromanagement im großen Stil betreibt. „Es gibt auch Chefs, die sich überall einmischen, ihren Mitarbeitern nichts zutrauen und ihnen deshalb keinen Freiraum lassen. Sie erledigen am liebsten alle Aufgaben selbst“, sagt Müllerschön. Doch wenn der Chef eine Niete ist, kann die Unfähigkeit ein kostspieliges Unterfangen für das Unternehmen werden.

„Von der Führungskraft hängt zu 50 Prozent die Performance der Mitarbeiter ab“, sagt Müllerschön. Und wenn die wegen des schlechten Chefs nicht die Leistung erbringen, die sie eigentlich abliefern könnten, macht sich das auf Dauer auch direkt beim Kunden bemerkbar – der dann beispielsweise Aufträge zurückzieht. „So sind auch bei Mittelständlern schnell fünf- bis sechsstellige Beträge verbrannt“, sagt Schmeer.

Ein weiteres Problem aus Unternehmenssicht, wenn der Chef nichts drauf hat: die hohe Fluktuationsrate. Gute Mitarbeiter sind nicht auf die Stelle angewiesen. Sobald sie merken, dass der Vorgesetzte unfähig ist, wechseln sie zu einem anderen Unternehmen. Das verursacht weitere Kosten.

Trotz riesiger Verluste führen diese Chefs das Unternehmen oftmals noch Jahre weiter, weiß Schmeer. „Ob ein schwacher Chef auf einer mittleren oder unteren Führungsebene den Betrieb verlassen muss, hängt stark davon ab, wie gut es dem Unternehmen finanziell geht.“ Wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmen leisten sich oft über viele Jahre hinweg den Luxus einer Führungskraft, die ihren Job entweder gar nicht oder nur schlecht betreibt. „Wenn das Unternehmen sich allerdings in einer Schieflage befindet, sind diese Chefs hingegen oftmals die erste Person, die ihren Schreibtisch räumen müssen, weil gerade dann gute Führung überlebensnotwendig ist“, sagt Schmeer.

Kommentare (1)

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Herr Tom Schmidt

18.10.2016, 10:19 Uhr

Also wenn der Satz stimmt: "Der Erfolg eines Unternehmens steht und fällt mit dem Chef.", dann erübrigt sich der Rest des Artikel, weil man eben nicht sinnvoll darauf reagieren kann. Hm, real gesehen gibt es eben nicht nur schwache Chefs, sondern auch schwache Mitarbeiter, and last but not least: schwache Berater! :-)

Ok, unterm Strich sind meist alle mittelmässig! die Frage ist dann doch: wie macht man aus den ganzen Mittelmaß trotzdem eine starke Truppe....

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