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28.05.2014

11:49 Uhr

Ungenutzte Fachkräfte

Die Space Cowboys der Industrie

VonLisa Hegemann

Daimler setzt auf Rentner, SAP auf Autisten, AfB auf Behinderte: Immer mehr Unternehmen beschäftigen Mitarbeiter abseits der Bewerbernormen. In der Praxis zeigt sich, dass an vielen Vorurteilen nichts dran ist.

Clint Eastwood in dem Film „Space Cowboys“: Der Film beweist, dass viele Rentner doch noch nicht zum alten Eisen zählen. Auch die deutsche Wirtschaft entdeckt Menschen über 65 Jahren für sich – und nicht nur sie. dpa/picture-alliance

Clint Eastwood in dem Film „Space Cowboys“: Der Film beweist, dass viele Rentner doch noch nicht zum alten Eisen zählen. Auch die deutsche Wirtschaft entdeckt Menschen über 65 Jahren für sich – und nicht nur sie.

DüsseldorfMit Clint Eastwood haben die Rentner von Daimler etwas gemeinsam. In dem Film „Space Cowboys“ spielt der Hollywoodstar einen längst in den Ruhestand gegangenen Piloten. Für eine letzte Reparatur darf er ins All fliegen. Ähnlich ist es auch bei dem deutschen Autobauer. Zwar machen sich die ehemaligen Mitarbeiter des Konzerns nicht auf den Weg in den Weltraum, doch auch ihr Wissen wird noch gebraucht – genau wie das von Eastwood im Film.

Seit einem Jahr holt Daimler seine „Space Cowboys“, wie sie intern heißen, zurück in das Unternehmen. In beratender Funktion helfen sie dann jüngeren Mitarbeitern mit älteren Systemen oder bei der Einführung eines neuen Produkts. So soll das Wissen der „Space Cowboys“ im Unternehmen bleiben, aber auch den jüngeren den Einstieg erleichtern.

Es ist eine ungewöhnliche Idee für eine Industrie, die Rentner lange nicht beachtet hat. Und Daimler ist mit seinem Projekt nicht alleine. Langsam entdeckt die Industrie Potenziale, die sie bislang nicht im Blickfeld hatte. Denn nicht nur Rentner können und wollen (mehr) arbeiten. Dasselbe gilt auch für Mütter, Menschen mit Behinderung oder Autisten – auch wenn die Qualifikationen und Bedürfnisse dieser Gruppen sehr unterschiedlich sind. Genau wie die Vorurteile, gegen die sie kämpfen müssen.

Erfolgreiches Kommunizieren für Intros

Orientieren Sie Vorgesetzte – und vor allem sich selbst!

Schreiben Sie alles auf, was Sie als Ihre Leistung ansehen: Verkaufserfolge, abgeschlossene Projekte, gelöste Probleme, erfolgreiche Kommunikation mit (schwierigen) Kollegen und Kunden. Was Sie nicht aufschreiben, geht auch Ihnen leicht verloren. Noch wichtiger: Die Liste Ihrer Erfolge hilft Ihnen, wenn Sie mit sich selbst oft sehr kritisch umgehen. Denken Sie daran: Wenn nicht Sie von Ihren Leistungen überzeugt sind – wie sollen es dann andere sein? Beugen Sie zu herber Selbstkritik und zu großem Perfektionismus vor, indem Sie Ihre Leistungen sachlich auflisten. Sie lernen gleichzeitig, sie auch zur Kenntnis zu nehmen …

Sehen Sie die Liste alle sechs Monate an und fassen Sie auf einer DIN-A4-Seite zusammen, was Sie in diesem Halbjahr Besonderes erreicht haben. Wenn Sie angestellt sind und nach Zielvereinbarungen mit Vorgesetzten arbeiten, sind das ausgezeichnete Unterlagen – und Argumente für Gehaltserhöhungen! Womöglich noch wichtiger ist die Tatsache, dass Sie jederzeit einen Überblick über »Ihr« Portfolio an Erfolgen haben. Dies lenkt Ihren eigenen Blick auf das Erreichte, was sonst allzu leicht untergeht. Sie erkennen außerdem deutlicher, was Ihnen leichtfällt und was Sie interessiert. Der Effekt: eine Stärkung Ihres Selbstvertrauens!

Wissen, was für Ihr Umfeld zählt

Am erfolgreichsten sind Sie in der Umsetzung dieses Prinzips, wenn Sie wissen, was für Ihr berufliches Umfeld zählt:

– Was gilt als Erfolg?
– Was wird als besonders wichtig angesehen?
– Welche Kompetenzen werden besonders benötigt?

Achten Sie darauf, dass die Erfolge, die Sie kommunizieren, zu den Antworten auf diese Fragen passen. Das Prinzip funktioniert übrigens auch ausgezeichnet bei Vorgesetzten, die zum Mikro-Managen neigen: Schicken Sie regelmäßig (z. B. am Ende jeder Woche oder alle zwei Wochen) einen kurzen Sachstand über laufende Projekte auf maximal einer Seite und ruhig nach einem bestimmten Muster aufgeteilt. Bewährte Rubriken sind: Titel, Sachstand in Spiegelstrichen, anstehende Aufgaben, zu klärende Fragen. Wer freitags auf diese Weise informiert wird, kann sich entspannen …

Bauen Sie Kontakte zu Kollegen und Vorgesetzten auf

Leistungen zeigen Sie zum einen bei typischen professionellen Anlässen wie Mitarbeitergesprächen, Meetings und Vorträgen. Diese »offizielle« Kommunikation bietet aber nur eine Plattform für Ihre Sichtbarkeit. Bauen Sie daneben unbedingt Ihr eigenes professionelles Netzwerk innerhalb und außerhalb Ihres Arbeitsbereichs auf. Gehen Sie mit bestimmten Kollegen mittags essen. Gehen Sie zu informellen Anlässen wie Geburtstagsfeiern. Bauen Sie vertrauensvolle Beziehungen auf.

Signalisieren Sie, was Sie interessiert

Was Ihnen leicht von der Hand geht und Sie besonders interessiert, wissen Sie, wenn Sie Prinzip 1 (Orientieren Sie Vorgesetzte - und vor allem sich selbst!) regelmäßig befolgen. Daraus können Sie mögliche Karriereschritte ableiten: Am besten orientieren Sie sich dorthin, wo Sie gern und gut arbeiten!

Die Menschen um Sie herum sind aber keine Hellseher. Wenn Sie also ein bestimmtes Projekt oder ein bestimmter Arbeitsbereich interessiert, sollten Sie das den richtigen Personen gegenüber (beiläufig) erwähnen. Das wiederum fällt Ihnen leichter, wenn Sie Prinzip 2 befolgen …

Übernehmen Sie Verantwortung

Es gibt viele Aufgaben, die nicht unbedingt »Ihr Job« sind, die aber das, was Sie können, sichtbar machen. Entscheiden Sie sich bewusst, eine Aufgabe zu übernehmen und für sie geradezustehen. Das kann bedeuten, mit einem schwierigen Kunden zu verhandeln, vor dem andere in Deckung gehen. Es kann ebenso bedeuten, vor einem Leitungsgremium zu sprechen. Treten Sie in Meetings mit eigenen Punkten auf – lassen Sie sich auf die Tagesordnung setzen und haben Sie den Mut, Sachstände oder einen Projektbericht auch vor Höherrangigen zu präsentieren.

Verantwortung zu übernehmen – das bedeutet Sichtbarkeit: Andere nehmen wahr, wofür Sie stehen und was Sie tun. Verantwortung bedeutet außerdem Risiko: Sie können an der Aufgabe scheitern, und auch dies ist dann sichtbar. Aber wenn es so leicht wäre mit der Karriere, dann könnte es ja jeder schaffen!

Delegieren Sie Verantwortung

Nein, dies ist kein Widerspruch zum vorangehenden Prinzip. Sie können nur dann Verantwortung übernehmen, wenn Sie Bereiche abgeben, in denen andere aktiv werden können und Sie nicht mehr wirklich gefordert sind. Auch wenn es Ihnen schwerfällt: Trauen Sie Ihren Mitarbeitern ruhig etwas zu – geben Sie Verantwortung ab, wenn Sie glauben, dass die jeweilige Person die Aufgabe bewältigen kann. Die Konsequenz: Die Guten motiviert es, wenn sie gefordert (und sichtbar!) werden. Sie werden also leichter gute Leute in Ihr Team bekommen. Für Sie persönlich ist die Strategie wertvoll, weil Sie mehr Raum für Ihre eigenen Verantwortungsbereiche haben, die Sie nach Prinzip 4 als wichtig definiert haben.

Aber Achtung: Auch die Delegation von Verantwortung hat einen Preis. Es kann sein, dass Sie Frau Meier erst anleiten müssen, bevor sie die Veranstaltung organisieren kann. Das kostet Zeit. Es kann auch sein, dass Herr Schulz die Präsentation nicht bewältigen kann. Dann stehen Sie als Vorgesetzte(r) dafür mit gerade. Wie bei Prinzip 4 gilt: Verantwortung ist auch ein Risiko. Auf der möglichen Gewinnseite steht die Entlastung, wenn Frau Meier erst einmal im Bilde ist und erste Erfahrungen mit der Koordination gemacht hat. Und wenn Herr Schulz die Präsentation meistert, stehen Sie auch mit auf der Gewinnerseite.

(Quelle: Silvia Löhken: "Leise Menschen - starke Wirkung - Wie Sie Präsenz zeigen und Gehör finden"; Gabal Verlag).

In Zeiten des demografischen Wandels muss auch die Wirtschaft reagieren. Der drohende Fachkräftemangel zeigt sich nicht nur an den Ausbildungszahlen:  Seit 2007 sinkt die Zahl der Lehrlinge kontinuierlich, wie das Statistische Bundesamt im Mai mitteilte. Auch 2013 waren es wieder weniger als im Vorjahr. Besserung ist nicht in Sicht.

Lösung liegt nicht im Ausland, sondern vor der Haustür

Eine Problembranche: der IT-Sektor. Das Fachgebiet wächst durch die Digitalisierung exponentiell. Aber Fachkräfte sind nur schwer zu finden. Die EU-Kommission schätzt in einer Studie, dass allein bis 2015 900.000 Stellen in der digitalen Wirtschaft in Europa unbesetzt bleiben.

Für viele Unternehmen liegt die Lösung im Ausland. Sie fordern von der Regierung leichtere Arbeitsbedingungen für Zuwanderer. Doch die Antwort auf den Wunsch nach mehr Fachkräften liegt nicht nur im Ausland, sondern vor der Haustür. Hunderttausende Fachkräfte sind in Deutschland arbeitslos – sie passen nur nicht in das Bewerbungsmuster der Unternehmen.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

28.05.2014, 13:39 Uhr

Rentner in beratende Positionen zu holen ist ja nun nicht allzu neu. In Japan kann man sich aus- und als Berater wieder einstellen lassen. Das hat schon seit einigen Jahren Tradition. In Deutschland, wo die Uhren immer etwas langsamer gehen, hat man wohl gemerkt, dass der 25-Järige mit 20 Jahren Berufserfahrung wohl doch nur ein Produkt der Phantasie nach einigen Bieren ist.

Account gelöscht!

04.06.2014, 11:28 Uhr

"...dass der 25-Järige mit 20 Jahren Berufserfahrung wohl doch nur ein Produkt der Phantasie nach einigen Bieren ist."
Stimmt, am Ende wird er aber doch oft genomment, weil er billiger und williger ist und vieles akzeptiert, nur um nicht in die Generation "Praktikum" hineinzurutschen, um aus dieser dann nie mehr herauszukommen.

Account gelöscht!

04.06.2014, 11:28 Uhr

"...dass der 25-Järige mit 20 Jahren Berufserfahrung wohl doch nur ein Produkt der Phantasie nach einigen Bieren ist."
Stimmt, am Ende wird er aber doch oft genomment, weil er billiger und williger ist und vieles akzeptiert, nur um nicht in die Generation "Praktikum" hineinzurutschen, um aus dieser dann nie mehr herauszukommen.

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