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05.09.2016

15:09 Uhr

Unister

Datenschützer prüft möglichen Adressen-Missbrauch

Die Unister-Gesellschaften dürfen keine Newsletter mehr versenden. Das hat der vorläufige Insolvenzverwalter Lucas Flöther veranlasst. Der Grund: Ein Verdacht auf Daten-Missbrauch.

Datenschützer prüfen einen möglichen Adressen-Missbrauch bei Unister. dpa

Unister

Datenschützer prüfen einen möglichen Adressen-Missbrauch bei Unister.

Leipzig/DresdenDer sächsische Datenschutzbeauftragte verlangt von Unister Auskunft über einen möglichen Missbrauch von E-Mail-Adressen. Die „Bild am Sonntag“ hatte berichtet, dass Unister Millionen E-Mail-Adressen unerlaubt für den Versand von Werbung benutzt haben könnte. Ein Datenschutzbeauftragter des Unternehmens habe schon 2015 auf das Problem aufmerksam gemacht und eine Löschung der Adressen verlangt. Ein Sprecher des vorläufigen Unister-Insolventverwalters Lucas Flöther sagte am Montag, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass bei Unister 13,2 Millionen E-Mail-Adressen unberechtigt verwendet wurden oder werden. Deshalb habe Flöther den Versand von Newslettern durch Unister-Gesellschaften einstellen lassen.

Der sächsische Datenschutzbeauftragte Andreas Schurig habe sich an Unister und den vorläufigen Insolvenzverwalter gewandt, sagte ein Sprecher des Datenschutzbeauftragten am Montag. „Wir hoffen, das Gutachten des betrieblichen Datenschutzbeauftragen zu erhalten.“ Dieses müsse dann geprüft werden. Ein Anfangsverdacht auf den massenhaften Missbrauch von Daten scheine gegeben zu sein.

Unister in Turbulenzen

Ein Flugzeugabsturz, mehrere Insolvenzen und viele Fragen

Der Tod des deutschen Internet-Millionärs Thomas Wagner hat dessen Unternehmen Unister in schwere Turbulenzen gestürzt. Die Unister Holding, zu der Reiseportale wie fluege.de und ab-in-den-Urlaub.de gehören, musste ebenso wie mehrere Töchter Insolvenz anmelden. Zu Wagners Aktivitäten unmittelbar vor seinem tödlichen Flugzeugabsturz gibt es seltsame Details, selbst der Insolvenzverwalter spricht von einem „Krimi“. Viele Unister-Kunden sind verunsichert.

Wie ist die Lage bei Unister?

Am Montag meldete die Unister Holding GmbH Insolvenz an. Das Unternehmen begründete dies damit, dass die Firma nach dem Tod des alleinigen Geschäftsführers Wagner „ohne Geschäftsführung und dadurch in ihrer Handlungsfähigkeit stark eingeschränkt“ war. In der Folge meldeten auch mehrere zur Unister-Gruppe gehörende Gesellschaften Insolvenz an: die Urlaubstours GmbH, die Unister Travel Betriebsgesellschaft mbH, unter deren Dach Vermittlungsportale für Pauschalreisen und Flüge organisiert sind, die Unister GmbH mit Portalen wie auto.de und partnersuche.de und die U-Deals GmbH.

Was bedeutet die Insolvenz für die Kunden?

Laut Insolvenzverwalter Lucas Flöther ergibt sich „in den allermeisten Fällen“ für die Kunden keine Veränderung. Über die Unister-Portale wurden in der Regel Reisen nur vermittelt - Zahlungen gingen damit direkt an die jeweiligen Reiseveranstalter. In solchen Fällen sehen auch Verbraucherschützer kein Problem. Wurde eine Pauschalreise bei der Tochter Urlaubstours gebucht, ist sie über eine Versicherung gewährleistet und findet laut Flöther auch statt.

Anders sieht es für Kunden aus, die auf Portalen wie ab-in-den-Urlaub-deals.de Reisegutscheine erworben haben. Die Gutscheine werden möglicherweise von den Vertragspartnern am Reiseort nicht anerkannt, räumte Insolvenzverwalter Flöther ein. Betroffen seien bis zu 14.000 Kunden. Es gebe bereits Fälle, in denen Hotels die Anreise von Kunden ablehnten oder eine erneute Bezahlung forderten. Flöther erklärte, er bemühe sich um „kulante Lösungen“. Für Buchungen ab dem 20. Juli seien die Auszahlungen der Gutscheine aber gewährleistet.

Was sollten verunsicherte Kunden jetzt tun?

Haben Kunden Angst, dass ihre über ein Unister-Portal gebuchte Reise ausfallen könnte, sollten sie sich laut Stiftung Warentest beim jeweils ausführenden Unternehmen – etwa der Fluggesellschaft oder dem Hotel – rückversichern.

Wer lediglich einen Gutschein erworben hat, der nun nicht mehr eingelöst werden kann, für den sieht es schlecht aus. Solchen Kunden bleibt laut Verbraucherzentrale Sachsen lediglich die Möglichkeit, das gezahlte Geld als Forderung beim Insolvenzverwalter einzureichen. Die sollte möglichst in nachweisbarer Form, also per Einschreiben, geschehen. So wird der Kunde als Gläubiger geführt und bekommt möglicherweise irgendwann einen Teil des Geldes zurück. Mit Fragen zum Unister-Komplex können sich Kunden an die Verbraucherzentralen wenden.

Wie geht es mit Unister weiter?

Das ist schwer zu sagen. Flöther strebt möglichst einen Komplettverkauf des Konzerns an. Denkbar ist aber auch eine Zerschlagung.

Viele offene Fragen ranken sich zudem noch um Wagners Reise mit letztlich tödlichem Ausgang. Neben Wagner waren Mitgründer Oliver Schilling, der Pilot und ein angeblicher Finanzvermittler im Flugzeug. Alle vier starben. Der Flieger war auf dem Weg von Venedig nach Leipzig, wo Unister seinen Hauptsitz hat. Vor dem Unglück hatte der Pilot Vereisungsprobleme gemeldet.

Wagner soll in Venedig auf ein windiges Finanzgeschäft hereingefallen sein. An der Absturzstelle wurde laut Medienberichten Bargeld gefunden. Insolvenzverwalter Flöther sagte der „Wirtschaftswoche“, für ihn klinge das ganze „eher nach einem Krimi als nach einem klassischen Insolvenzfall“.

Quelle: AFP

Für Werbemails dürfen die Adressen nur verwendet werden, wenn die Kunden zugestimmt haben. Ob das bei den fraglichen Adressen der Fall war, und ob an diese tatsächlich Newsletter versandt wurden, sei nicht dokumentiert. Deswegen werde das jetzt überprüft, sagte der Sprecher von Flöther.

Der vorläufige Insolvenzverwalter habe zudem den betrieblichen Datenschutzbeauftragen von Unister beauftragt, mit dem sächsischen Datenschutzbeauftragten zusammenzuarbeiten. Zudem sei bei Unister eine Task Force gegründet worden, um die möglichen Datenschutzprobleme aufzuklären.

Von

dpa

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