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01.09.2016

18:14 Uhr

Unister in der Insolvenz

Sechs Kaufangebote für Reiseportale

Nach der Insolvenz von Unister haben sich sechs Kaufinteressenten für die Reiseportale des Internet-Konzerns gemeldet. Um den Verkauf zu erleichtern, haben ab-in-den-urlaub.de und kurz-mal-weg.de nun Insolvenz angemeldet.

Neben Konkurrenten interessieren sich auch Finanzinvestoren für die Reiseportale von Unister. dpa

Unister-Insolvenzverwalter drückt bei Verkauf aufs Tempo

Neben Konkurrenten interessieren sich auch Finanzinvestoren für die Reiseportale von Unister.

Leipzig, FrankfurtSechs Bieter sind in der engeren Wahl für die Übernahme der Reiseportale des insolventen Internet-Konzerns Unister. Darunter seien überwiegend Konkurrenten aus der Branche, aber auch einige Finanzinvestoren, sagte ein Sprecher von Insolvenzverwalter Lucas Flöther am Donnerstag in Leipzig. Die Kaufangebote bezögen sich nur auf die Reisesparte um die Portale ab-in-den-urlaub.de und fluege.de. Flöther wertete die Zahl der Offerten als „gutes Zwischenergebnis“. Nun werde mit den Bietern einzeln verhandelt. Namen nannte er nicht. Unter anderem hatte der Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 Interesse an teilen von Unister angemeldet. Das letzte Wort beim Verkauf haben die Gläubiger.

Der Zeitdruck, um einen neuen Eigentümer für Unister Travel zu finden, sei geringer geworden. „Die Ertragslage ist stabil“, erklärte Flöther. Damit reiche das Geld, um die Reiseportale notfalls auch über Ende September hinaus unter seiner Ägide weiterzubetreiben. Bis zum Monatsende zahlt die Bundesagentur für Arbeit die Gehälter der Mitarbeiter für die Unister-Teile, die im Juli als erste Insolvenz angemeldet hatten. Dann sollen die Insolvenzverfahren offiziell eröffnet werden. Eigentlich will Flöther bis dahin einen Käufer gefunden haben.

Um den Verkauf zu erleichtern, haben auch die operativen Gesellschaften von ab-in-den-urlaub.de und kurz-mal-weg.de nun Insolvenz angemeldet. Flöther will nur das operative Geschäft ohne Altlasten und Schulden verkaufen. Mit dem Erlös werden die bisherigen Gesellschaften abgewickelt.

Das Interesse an den übrigen Teilen von Unister hält sich offenbar in engen Grenzen. Es gebe „weitere Angebot für kleinere Konzern-Einheiten“, teilte Flöther mit.

Unister in Turbulenzen

Ein Flugzeugabsturz, mehrere Insolvenzen und viele Fragen

Der Tod des deutschen Internet-Millionärs Thomas Wagner hat dessen Unternehmen Unister in schwere Turbulenzen gestürzt. Die Unister Holding, zu der Reiseportale wie fluege.de und ab-in-den-Urlaub.de gehören, musste ebenso wie mehrere Töchter Insolvenz anmelden. Zu Wagners Aktivitäten unmittelbar vor seinem tödlichen Flugzeugabsturz gibt es seltsame Details, selbst der Insolvenzverwalter spricht von einem „Krimi“. Viele Unister-Kunden sind verunsichert.

Wie ist die Lage bei Unister?

Am Montag meldete die Unister Holding GmbH Insolvenz an. Das Unternehmen begründete dies damit, dass die Firma nach dem Tod des alleinigen Geschäftsführers Wagner „ohne Geschäftsführung und dadurch in ihrer Handlungsfähigkeit stark eingeschränkt“ war. In der Folge meldeten auch mehrere zur Unister-Gruppe gehörende Gesellschaften Insolvenz an: die Urlaubstours GmbH, die Unister Travel Betriebsgesellschaft mbH, unter deren Dach Vermittlungsportale für Pauschalreisen und Flüge organisiert sind, die Unister GmbH mit Portalen wie auto.de und partnersuche.de und die U-Deals GmbH.

Was bedeutet die Insolvenz für die Kunden?

Laut Insolvenzverwalter Lucas Flöther ergibt sich „in den allermeisten Fällen“ für die Kunden keine Veränderung. Über die Unister-Portale wurden in der Regel Reisen nur vermittelt - Zahlungen gingen damit direkt an die jeweiligen Reiseveranstalter. In solchen Fällen sehen auch Verbraucherschützer kein Problem. Wurde eine Pauschalreise bei der Tochter Urlaubstours gebucht, ist sie über eine Versicherung gewährleistet und findet laut Flöther auch statt.

Anders sieht es für Kunden aus, die auf Portalen wie ab-in-den-Urlaub-deals.de Reisegutscheine erworben haben. Die Gutscheine werden möglicherweise von den Vertragspartnern am Reiseort nicht anerkannt, räumte Insolvenzverwalter Flöther ein. Betroffen seien bis zu 14.000 Kunden. Es gebe bereits Fälle, in denen Hotels die Anreise von Kunden ablehnten oder eine erneute Bezahlung forderten. Flöther erklärte, er bemühe sich um „kulante Lösungen“. Für Buchungen ab dem 20. Juli seien die Auszahlungen der Gutscheine aber gewährleistet.

Was sollten verunsicherte Kunden jetzt tun?

Haben Kunden Angst, dass ihre über ein Unister-Portal gebuchte Reise ausfallen könnte, sollten sie sich laut Stiftung Warentest beim jeweils ausführenden Unternehmen – etwa der Fluggesellschaft oder dem Hotel – rückversichern.

Wer lediglich einen Gutschein erworben hat, der nun nicht mehr eingelöst werden kann, für den sieht es schlecht aus. Solchen Kunden bleibt laut Verbraucherzentrale Sachsen lediglich die Möglichkeit, das gezahlte Geld als Forderung beim Insolvenzverwalter einzureichen. Die sollte möglichst in nachweisbarer Form, also per Einschreiben, geschehen. So wird der Kunde als Gläubiger geführt und bekommt möglicherweise irgendwann einen Teil des Geldes zurück. Mit Fragen zum Unister-Komplex können sich Kunden an die Verbraucherzentralen wenden.

Wie geht es mit Unister weiter?

Das ist schwer zu sagen. Flöther strebt möglichst einen Komplettverkauf des Konzerns an. Denkbar ist aber auch eine Zerschlagung.

Viele offene Fragen ranken sich zudem noch um Wagners Reise mit letztlich tödlichem Ausgang. Neben Wagner waren Mitgründer Oliver Schilling, der Pilot und ein angeblicher Finanzvermittler im Flugzeug. Alle vier starben. Der Flieger war auf dem Weg von Venedig nach Leipzig, wo Unister seinen Hauptsitz hat. Vor dem Unglück hatte der Pilot Vereisungsprobleme gemeldet.

Wagner soll in Venedig auf ein windiges Finanzgeschäft hereingefallen sein. An der Absturzstelle wurde laut Medienberichten Bargeld gefunden. Insolvenzverwalter Flöther sagte der „Wirtschaftswoche“, für ihn klinge das ganze „eher nach einem Krimi als nach einem klassischen Insolvenzfall“.

Quelle: AFP

Inzwischen haben drei weitere Unister-Tochterunternehmen Insolvenzantrag gestellt. Unter ihnen ist auch ab-in-den-urlaub.de mit 178 Mitarbeitern, wie Insolvenzverwalter Lucas Flöther am Donnerstag mitteilte. Kunden des Portals hätten keinen Nachteil, versicherte der Anwalt. Vor der Insolvenz gebuchte Leistungen würden weiter voll erbracht. Buchungen seien weiterhin in vollem Umfang möglich und sicher.

Neben ab-in-den-urlaub.de stellten auch die Kurz Mal Weg GmbH mit 14 Mitarbeitern und Billigfluege.de GmbH, die keine eigenen Mitarbeiter hat, Insolvenzantrag, wie Flöther mitteilte. Alle diese Gesellschaften seien ausschließlich als Vermittler von Leistungen tätig. Zahlungen von Kunden flössen „in den meisten Fällen“ direkt an den Leistungserbringer, also das Hotel oder die Fluggesellschaft.

Unister hatte Mitte Juli Insolvenz angemeldet, nachdem Gründer und Gesellschafter Thomas Wagner tödlich mit dem Flugzeug verunglückt war.

Unister war nach dem tödlichen Flugzeugsabsturz von Firmengründer Thomas Wagner in die Pleite gerutscht. Er war auf der Suche nach Investoren in Venedig offenbar Betrügern aufgesessen und auf dem Rückflug in Slowenien abgestürzt.

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