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17.01.2010

10:00 Uhr

Unterforderung

Computer spielen aus Verzweiflung

VonGünther Vedder, Margit Vedder

Stress am Arbeitsplatz ist durchaus sozial erwünscht, die berufliche Unterforderung aber ist eines der letzten Tabus moderner Beschäftigungsverhältnisse. Dabei kann Unterforderung zur echten Belastung werden. Wie Unternehmen das "Boreout" verhindern können.

Die klassische Beschäftigung für unterforderte Büroarbeiter: Computer spielen. Eines der ersten weit verbreiteten Spiele war die "Moorhuhnjagd". ap

Die klassische Beschäftigung für unterforderte Büroarbeiter: Computer spielen. Eines der ersten weit verbreiteten Spiele war die "Moorhuhnjagd".

DÜSSELDORF. In einer Online-Umfrage des Karriereportals Monster zur Work-Life- Balance stimmten im Jahr 2008 über 30 Prozent der Antwortenden (1 600 Personen) folgender Aussage zu: "Ich möchte größere Aufgaben übernehmen und fühle mich unterfordert."

Das amerikanische Unternehmen Salary.com ermittelte 2007 in seinem Wasting Time Survey, dass der durchschnittliche Arbeitnehmer pro Arbeitstag etwa 1,7 Stunden seiner Arbeitszeit außerhalb der regulären Pausen für private Aktivitäten nutzt (Internet-Recherchen, Erledigungen, Kontaktpflege). Dort gaben 17,7 Prozent der 2 000 Befragten an, nicht genug zu tun zu haben, und 11,1 Prozent nannten als Grund für die persönlichen Nebentätigkeiten "a lack of challenging work".

In einer Online- Befragung von über 5 000 deutschen Fach- und Führungskräften durch das Unternehmen Stepstone (Juni 2009) beantworteten 39 Prozent die Frage "Fühlen Sie sich auf ihrer Arbeit manchmal unterbeschäftigt?" mit "Ja, sehr."

Systematische Unterforderung kann zur Belastung werden

Wie kann das sein in Zeiten von Burnout, Erschöpfung und Überforderung? Es gibt offensichtlich in der Arbeitswelt auch das genaue Gegenteil: die qualitative oder quantitative Unterforderung am Arbeitsplatz. Sie ist auf den ersten Blick attraktiv, denn das anfängliche Nichtstun kann Spaß machen und für alternative Ideen genutzt werden. Mittelfristig entstehen jedoch häufig Demotivation, Müdigkeit und berufliches Desinteresse, weil jede Selbstbestätigung am Arbeitsplatz ausbleibt.

Aus der Stressforschung ist schon lange bekannt, dass auch die systematische Unterforderung zu einer echten Belastung werden und zu hohen Ausfallzeiten führen kann. Human oder gesundheitsförderlich wäre eine Arbeit, die den Beschäftigten ausfüllt und Anforderungen stellt, welche fordernd aber bewältigbar sind und die man nicht bis ins letzte Detail vorgeschrieben bekommt.

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