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21.11.2013

19:24 Uhr

Unternehmen zum Mindestlohn-Beschluss

„8,50 Euro sind bei weitem nicht zu hoch“

Deutsche Unternehmen reagieren unterschiedlich auf die Mindestlohn-Pläne. VW-Betriebsratschef Osterloh hält den Mindestlohn für wichtig, Aldi und Lidl sind gelassen. Landwirte und Taxifahrer fordern eine Übergangszeit.

Mindestlohn-Aktion der Gewerkschaften vor dem Bundeskanzleramt: „Werde Sachen zustimmen müssen, die ich von Haus aus nicht für richtig gehalten habe“. dpa

Mindestlohn-Aktion der Gewerkschaften vor dem Bundeskanzleramt: „Werde Sachen zustimmen müssen, die ich von Haus aus nicht für richtig gehalten habe“.

BerlinDer Riss trennt große Konzerne und kleine Betriebe, Ballungsräume und ländliche Regionen, West und Ost. Während die einen dem geplanten gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro gelassen entgegensehen und ihn als nicht zu hoch beschreiben, fürchten die anderen um ihre Existenz. Wenn die Lohnuntergrenze schon kommt, dann doch bitte erst in einigen Jahren – so etwa die Hoffnung von Landwirten oder Taxiunternehmen. Union und SPD hatten sich zu Wochenbeginn auf einen gesetzlichen Mindestlohn verständigt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bekräftigte den Kompromiss am Donnerstag: „Auch ich werde Sachen zustimmen müssen, die ich von Haus aus nicht für richtig gehalten habe“, sagte sie bei einem Führungskräftetreffen der „Süddeutschen Zeitung“ in Berlin. Noch offen sind Höhe und Starttermin des verbindlichen unteren Stundenentgelts.

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh forderte Kritiker der Pläne zu einem realistischen Blick auf die heutigen Lebenshaltungskosten auf. „Ich finde es vermessen zu sagen, dass wir mit einem Mindestlohn von 8,50 Euro die Stunde Arbeitsplätze verlieren“, sagte er. Denn selbst 8,50 Euro „wären im Monat rund 1500 Euro brutto - schon damit ist es doch schwer, eine Familie zu ernähren und eine Wohnung samt Nebenkosten zu bezahlen. Mindestlohn ist also wichtig, und 8,50 Euro sind bei weitem nicht zu hoch.“

Von den Berliner Plänen sieht sich der Discount-Marktführer Aldi nicht betroffen. Aldi Süd zahle selbst geringfügig Beschäftigten einen internen Mindestlohn von elf Euro pro Stunde. Aldi Nord verwies darauf, dass eine Verkäuferin im ersten Berufsjahr am Tarifbeispiel Nordrhein-Westfalen 11,08 Euro pro Stunde erhalte.

Der Aldi-Konkurrent Lidl erklärte, ein gesetzlicher Mindestlohn zwinge diejenigen Unternehmen auf den Prüfstand, die ihr Geschäftsmodell auf Lohndumping aufbauen. Die Einzelhandelskette habe bereits im März 2010 einen betrieblichen Mindestlohn für alle Mitarbeiter in den Filialen und in den Lagerbetrieben auf zehn Euro festgeschrieben. Stufenweise sei das Entgelt bis August dieses Jahres dann auf elf Euro erhöht worden.

Die Metro Group verwies darauf, dass es im Großhandel mit Sachsen und Sachsen-Anhalt nur noch zwei Tarifgebiete gebe, in denen der unterste tarifliche Lohn derzeit nicht über 8,50 Euro liege.

Die Bäckerei-Kette Kamps gab an, sie halte sich an den Tarifvertrag für Bäckereien. Dessen unterste Stufe sehe einen Lohn von 8,50 Euro vor. Dies gelte jedoch nur für die 440 Mitarbeiter am Hauptsitz in Schwalmtal bei Mönchengladbach. Den als Franchise-Unternehmen geführten Bäckereien sei zwar ein Stundenlohn von 8,50 Euro vorgegeben, allerdings müssten sich die Partner nicht daran halten.

Kommentare (9)

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Clooney

21.11.2013, 19:38 Uhr

Es ist wirklich traurig, dass es Menschen gibt, die für einen einstelligen Betrag arbeiten müssen. Noch trauriger ist, dass der Mindestlohn der gefordert wird, weit unter den Lebenshaltungskosten eines Normalbürgers liegt.

FerdiC

21.11.2013, 20:30 Uhr

Sehe ich genauso wie Clooney...
Noch schlimmer finde ich allerdings diejenigen, die immer argumentieren, dass ein Mindestlohn zig tausend oder Millionen von Arbeitsplätzen kosten würde.
Aber ganz im Ernst:
Wenn ein Arbeitsplatz, der nur mit 5,-€ die Stunde vergütet wird wegfällt, ist das auch nicht tragisch. Diejenigen, die einen solchen Lohn erhalten, würden mit Sozialleistungen meist ohnehin mehr Geld erhalten, als sie es durch die Arbeitstätigkeit verdienen...
Das Geschäftsmodell einiger Unternehmen und Branchen kann nicht sein, möglichst geringe Löhne zu zahlen!

Account gelöscht!

21.11.2013, 20:31 Uhr

Einstellig ist gut, manche nicht mal für nen "Heiermann".
Und noch schlimmer, das ich das auch noch mit meinen Steuern mit bezahle, das stinkt mir am meisten.
Für einen sozialen Ausgleich, Bildung und Straßen gerne, aber doch nicht für Firmen die kein Geschäftsmodell haben was sich mit einem normalen Lohn nicht rechnet.
Warum das Geld dann nicht gleich in ordentliche gesellschaftlich-soziale Projekte? Statt einen neuen Beruf zu schaffen, ist das schon anerkannt? Arbeitskrafthändler, die neuen Makler des 21. Jahrhunderts?

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