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27.12.2013

19:27 Uhr

Unternehmensberater im Interview

„Wir fliegen niemals erster Klasse“

VonSebastian Ertinger

Kunden von Unternehmensberatern sind kritischer und sparsamer. Die Konkurrenz in der Branche wächst. Daher braucht es einen neuen Berater-Typ, meint Christian Gorny von BDO. Ein Wettlauf um kompetente Kandidaten beginnt.

Christian Gorny sitzt im Vorstand der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungskanzlei BDO Deutschland und ist für den Bereich der Unternehmens- und Finanzierungsberatung zuständig. PR

Christian Gorny sitzt im Vorstand der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungskanzlei BDO Deutschland und ist für den Bereich der Unternehmens- und Finanzierungsberatung zuständig.

Handelsblatt: Herr Gorny, kennen Sie folgendes Klischee über Unternehmensberater: „Die tauchen immer in Scharen in einem Unternehmen auf, stellen ein paar Wochen lang alles auf den Kopf und benennen am Ende Probleme, die ohnehin schon alle im Betrieb kennen“?

Christian Gorny: Das funktioniert heute nicht mehr. Eine Unternehmensberatung, die so agiert, wird am Markt nicht erfolgreich sein. Bei vielen großen Konzernen sind ehemalige Berater in führenden Positionen tätig. Die wissen genau, wie das Geschäft läuft und wie sie so einem Verhalten den Riegel vorschieben müssen. Der Ansatz, in großen Gruppen mit überwiegend unerfahrenen Beratern anzurücken, kann heute nicht mehr erfolgreich sein.

Wenn immer mehr ehemalige Berater bei den Konzernen arbeiten, werden dann externe Unternehmensberatungen überflüssig?

Nein, das werden sie nicht. Es gibt immer wieder Gründe für Unternehmen, das Know-how und die Ressourcen von Beratern einzuholen. Aber sicherlich steht die Branche vor erheblichen Herausforderungen.  Viele Universitätsabsolventen sehen die Beratung als ersten Karriereschritt nach dem Studium. Später suchen sie dann den Wechsel in die Industrie oder in andere Bereiche. Damit wandert viel Know-how, was früher die Unternehmensberatung ausmachte, zu unseren Kunden.

Welche weiteren Herausforderungen gibt es?

Die vergangenen zwölf Monate haben gezeigt, dass breit aufgestellte, aber in der Summe zu kleine Beratungseinheiten vom Markt verschwinden. Die Internationalisierung der Kunden verlangt zudem, dass auch die Unternehmensberatungen global präsent sind. Der Konsolidierungsdruck in der Branche ist hoch.

Wie reagieren Sie darauf?

Der Trend geht zu einer stärkeren Spezialisierung. Die großen Unternehmensberatungen wie wir stellen sich breiter auf, gehen aber auch in die Tiefe. So bieten wir thematisch wie auch räumlich gesehen eine flächendeckende Beratung. Kleinere Anbieter wiederum begrenzen sich auf enge Nischen und bieten hier ausgewiesene Expertise an. Die Mandanten fragen immer häufiger nach Unterstützung in Spezialbereichen.

Die größten Beratungsunternehmen in Deutschland

Berater in Deutschland

Unternehmensberatungen sind gefragt wie nie. In Deutschland hat sich der Branchenumsatz seit 2010 jährlich um zwei Milliarden Euro auf zuletzt 22,3 Milliarden Euro erhöht. Der Wunsch der Kunden lautet häufig Betriebsoptimierung, manchmal aber auch Schadensbegrenzung. Die Liste zeigt die acht größten in Deutschland aktiven Beraterfirmen.

Quelle: Bundesverband Deutscher Unternehmensberater

Platz 8

Deloitte mit hiesigem Sitz in Düsseldorf setzte 2012 in Deutschland 275 Millionen Euro um. Die Mitarbeiterzahl beläuft sich auf 1405.

Platz 7

Die US-amerikanische Strategieberatung Oliver Wyman füllte die eigenen Kassen 2012 mit einem Umsatz von 280 Millionen Euro. In Deutschland beschäftigt das Unternehmen 730 Mitarbeiter. Die Kunden der Firma kommen aus den verschiedensten Branchen etwa Verkehr, Energie und Industrie. Insgesamt lassen sich in Deutschland am meisten Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes von Beratern unter die Arme greifen. Finanzdienstleister und Firmen, die aus öffentlicher Hand finanziert werden, sind ebenfalls häufig Kunden.

Platz 6

Die irische Beratungsfirma Accenture setzte im vergangenen Jahr 296 Millionen Euro um (825 Beschäftigte). Generell ist die Umsatzentwicklung innerhalb der Branche bis auf eine minimale Ausnahme in 2009 stetig gestiegen. Erwirtschafteten Managementberater 2003 noch 12,2 Milliarden Euro, stieg der Umsatz im vergangenen Jahr in Deutschland um zehn Milliarden auf 22,3 Milliarden Euro.

Platz 5

Der US-Riese Price-Waterhouse-Coopers erwirtschaftete 2012 in Deutschland 315 Millionen Euro – mit 1470 Beschäftigten. Die Kundenliste der Beratungsgruppe ist alles andere als schlecht besetzt: Bayer, Lufthansa und Lanxess sind einige Namen.

Platz 4

KPMG machte in Deutschland 403 Millionen Euro Umsatz. Der Wirtschaftsprüfer und Unternehmensberater ist weltweit aufgestellt. Großkunden sind keine geringeren als Adidas und BMW. In Deutschland betreuen 2150 Mitarbeiter die Belange der Firmen.

Platz 3

Die deutsche Unternehmensberatung Roland Berger machte 2012 445 Millionen Euro Umsatz. Die Firma benannt nach ihrem Gründer und Unternehmer Roland Berger beschäftigt 1250 Mitarbeiter.

Platz 2

The Boston Consulting Group – mit rund 1880 Beschäftigten – berät Unternehmen seit 1963. Im vergangenen Jahr setzte der Konzern 490 Millionen Euro um.

Platz 1

McKinsey machte mehr als 600 Millionen Euro Umsatz in Deutschland im vergangenen Jahr. Die Berater sind nicht nur in der Unternehmensberatung aktiv, sondern entwickeln auch Strategien für Parteien. So ließ sich die CDU 2003 bei einem Parteiprogramm von McKinsey unterstützen. Das Unternehmen mit deutschem Sitz in Düsseldorf beschäftigt 2300 Mitarbeiter.

Nennen Sie bitte Beispiele.

Das kann Beratung sein, die gesetzlich neu geschaffene Themen betrifft wie Compliance und Governance...

… also alles, was unter das Schlagwort gute Unternehmensführung fällt.

Genau. Beispielsweise geht es um die Frage, wie ein Unternehmen Interessenkonflikte vermeiden oder Korruption vorbeugen und dies laufend kontrollieren kann. Aber Mandanten fragen auch in betriebswirtschaftlichen Feldern um Rat, etwa wie sie ihren Einkauf optimieren oder bestimmte Prozesse im Berichtswesen einführen und anpassen können.

Geht es dabei immer noch um generelle Fragen der Unternehmensführung, oder erteilen Sie zunehmend auch fachlichen, branchenspezifischen Rat?

Es handelt sich nach wie vor um die klassischen Tätigkeiten eines Unternehmensberaters. Aber innerhalb des breiten Spektrums werden zunehmend Spezialkenntnisse gefragt. Damit eignen sich auch die Berater zunehmend sowohl eine fachliche, als auch eine branchenbezogene Expertise an.

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