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22.03.2016

06:46 Uhr

Unternehmenskultur

Wenn sich Chefs volksnah geben

VonKerstin Dämon
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Laissez-faire bei deutschen Unternehmen: Bei Otto wird der Chef geduzt, bei Vodafone hat er kein eigenes Büro mehr und bei Daimler und Continental entfällt die Krawattenpflicht. Nicht alle mögen diese neue Lockerheit.

Die Unternehmenskultur im Wandel: Bei Daimler entfällt die Krawattenpflicht. dpa

Daimler-Chef Dieter Zetsche

Die Unternehmenskultur im Wandel: Bei Daimler entfällt die Krawattenpflicht.

Was ist denn auf einmal mit den deutschen Unternehmen los? Überall werden die Chefs zu Kumpels, zumindest erweckt es den Anschein: Bei Vodafone sitzt der Chef im Großraumbüro und die Mitarbeiter dürfen arbeiten, wann und wo sie wollen. „Jeder unserer Mitarbeiter kann bis zu 50 Prozent der Arbeitszeit außerhalb des Büros verbringen“, bestätigt der bürolose Chef des Unternehmens, Hannes Ametsreiter.

Beim Versandhändler Otto hat der Chef den 53.000 Mitarbeitern das Du angeboten und auch beim Dresscode der Chefs ist Lässigkeit nun offenbar Trumpf. Die Führungsspitze des Dax-Konzerns Continental beispielsweise hat zur Vorlage der Jahreszahlen erstmals auf Krawatten verzichtet.

So kleiden Sie sich richtig I

Wie Sie stilsicher werden

Wie kleidet man sich ordentlich? Dabei geht es um mehr als die Frage, ob mit oder ohne Krawatte. Welche Aussagen lassen sich durch welche Kleidung transportieren? Das ist keineswegs Jacke wie Hose. Ein Crashkurs.

It fits

Im Englischen heißt es „it fits“, wenn etwas passt. Daher das Wort „Outfit“. Ihre Kleidung sollte in drei Kategorien passen: Dem Anlass entsprechend, dem Typ entsprechend und der individuellen Aussage entsprechend. Genau in der Schnittmenge liegt das für sie optimale Outfit.

Für Banken, Versicherungen, Rechtsabteilungen und Buchhaltung

Anzug oder Kostüm sollten Werte wie Vertrauen und Sicherheit widerspiegeln. Das gilt auch für Mitarbeiter im Back-Office. Ein Ziel ist Understatement. Die Kleidung sollte modern und nicht bieder wirken; dunkle Business-Farben wirken am besten.

Im Management, Controlling, Marketing und PR

Es gilt, einen Tick schicker zu sein als im klassischen Business. Hosen mit Pullover gehen maximal in der Werbebranche. Ansonsten eher kompletter Hosenanzug oder Blazer-Hose-Kombi für Damen, Anzüge und Kombinationen für Herren. Anspruchsvoll, gehobene Qualität und dunklere Farben.

Im B2B

Professioneller Look ist hier unabdingbar. Klassische Kostüme, Anzüge und Kombinationen in mittleren bis dunkleren Farbtönen. Farben dürfen nicht ins Auge springen, sollten aber modern sein.

In Kreativ-Jobs

In der Werbung oder bei den Medien darf es bunter und ausdrucksstark zugehen. Hier ist Nähe angesagt und schwarze Kleidung ist da sehr hinderlich.

Große Männer brauchen Unterteilungen

Für besonders große Männer empfehlen sich farbliche Unterteilungen. Also zum Beispiel blaue Hose oder roter Pullover. Das unterbricht die Größe und lässt Sie weniger lang wirken. Männer mit langen Beinen tragen am besten längere Jacken und Ärmel.

„Wir passen uns den Gegebenheiten der Industrie an“, begründete Konzernchef Elmar Degenhart das ungewohnte Bild. „Die junge Generation, die heranwächst und die wir in unser Unternehmen aufnehmen und integrieren, die hat andere Ansprüche. Und das ist ein Zeichen für unsere Flexibilität; die Mitarbeiter müssen sich wohlfühlen, wenn sie zur Arbeit kommen, ansonsten werden sie nicht ihre volle Leistung bringen.“

Fehlende Krawatte wird zu Symbol des Kulturwandels

Die Krawatte als globales Symbol der Manager-Elite hat auch schon anderswo einen Bedeutungsknacks erfahren, etwa bei Daimler. Dort sei die fehlende Chef-Krawatte gleich ein Symbol für den Kulturwandel. Seit Konzernchef Dieter Zetsche die entspannte Arbeitsatmosphäre im Silicon Valley erlebt hat, will er die Führungskultur bei Daimler umkrempeln – und ließ bei der Jahrespressekonferenz gleich mal den Binder weg. So geht Unternehmenskultur.

„Dass immer weniger Männer Krawatte tragen, hat sich schrittweise entwickelt, wie auch Hosenanzüge bei Managerinnen“, sagt Rolf Wunderer. Das sei noch kein großer Kulturwandel. „Aber das Chefs Mitarbeitern das Du anbieten, ist nochmal eine ganz andere Sache.“ Wunderer war bis 2001 Ordinarius für Betriebswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen, wo er das Institut für Führung und Personalmanagement (IFPM) gründete.

Er sagt: „Es hängt sehr stark von der Kultur des Unternehmens und der Region ab, ob geduzt oder gesiezt wird: In den USA spricht man sich grundsätzlich mit Vornamen an. In der Schweiz duzt man sich nach einer kurzen Kennenlernphase. Und in Österreich wird heute noch teils erwartet, dass man Betriebsangehörige mit Ihrem Titel anspricht, also Herrn Diplomingenieur.“

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