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20.08.2011

11:50 Uhr

Unternehmersorgen

Die große Angst am Rohstoffmarkt

VonRegine Palm

Die Preise für Rohstoffe wie Mais, Öl oder Kupfer hören nicht auf zu steigen. Kein Wunder also, dass Einkaufschefs sich um ihre Produktionsstoffe sorgen. Eine neue Studie zeigt den hohen Stellenwert des Problems.

Weizenähren auf einem Feld: Größtes Sorgenkind sind die Getreiderohstoffe. Quelle: dpa

Weizenähren auf einem Feld: Größtes Sorgenkind sind die Getreiderohstoffe.

DüsseldorfPritt und Persil sollen teurer werden, kündigte dieser Tage der Konsumgüterkonzern Henkel an. Der Preisanstieg soll nicht nur die Profitabilität steigern, sondern auch die höheren Rohstoffkosten abfedern.

Die Preise für Mais und Kautschuk, Metalle und Öl steigen immer weiter. So wie Henkel suchen viele Unternehmen nach Wegen, um die Kosten im Griff zu behalten. Teure Grundstoffe verhageln den Firmen in fast allen Branchen die Zahlen. Nicht alle können die Preise an ihre Abnehmer durchreichen. Schwächen in der Einkaufsstrategie verschärfen oft das Problem. Gleichzeitig wächst die Angst vor Versorgungsengpässen.

Rohstoffe beeinflussen aus Sicht der Unternehmen das Geschäftsergebnis heute weitaus stärker als die in- und ausländischen Konjunkturaussichten oder der Wettbewerbsdruck. Das zeigt eine Umfrage der Kölner Unternehmensberatung Inverto in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt und dem Brancheninformationsdienst AMI. 91 Prozent der insgesamt 184 befragten Unternehmen gaben dem Thema Rohstoffe die oberste Priorität. „Das Thema ist seit Mitte vergangenen Jahres wieder präsent“, sagte Jan Müller-Gödeke, Rohstoffexperte bei Inverto.

Sie alle eint die Sorge um den Anstieg der Rohstoffpreise: 68 Prozent der Unternehmen geben an, dass diese ihr Ergebnis negativ beeinflusst haben. Daneben erschweren heftige Preisausschläge die Kalkulation. Seit dem krisenbedingten Absturz der Notierungen Mitte 2008 sind viele Grundstoffe heute wieder deutlich teurer. Der vielbeachtete CRB-Rohstoffindex hat rund zwei Drittel seiner damaligen Verluste wettgemacht. Kupfer oder Zinn notierten zwischenzeitlich sogar auf Rekordniveau. Selbst bei einigen Agrarrohstoffen wie Mais geht es weiter aufwärts.

Darunter leidet beispielsweise das Zwischenergebnis des Duft- und Aromenherstellers Symrise. Dessen Chef Heinz-Jürgen Bertram erwartet, dass sich Rohstoffe in diesem Jahr im prozentual hohen einstelligen Bereich verteuern. Viele Symrise-Produkte basieren auf Agrarerzeugnissen wie Weizen; rund 30 Prozent der Grundsubstanzen gehen auf das teure Rohöl zurück.

Größtes Sorgenkind sind die Getreiderohstoffe. Seltene Erden, Spezialmetalle für High-Tech-Produkte, landeten in der Umfrage nur auf Platz zwei. Die häufige Nennung des Getreides überrascht: Schließlich liegt der Weizenpreis noch ein Drittel unter den Preisspitzen von 2008. AMI-Geschäftsführer Manfred Rinderer glaubt, dass die Befragten die Situation heute noch schlechter einschätzen würden. Die Befragung endete Anfang Juli.

Auch in der Konsumgüterbranche sieht es kaum besser aus. Der Hamburger Dax-Konzern Beiersdorf warnte erst vor wenigen Tagen: Bei knappen Kapazitäten auf der Anbieterseite und natürlicher Knappheit von Rohstoffen sind „weitere Verfügbarkeitsengpässe zu erwarten“. Bei der Klebstofftochter Tesa stieg zwar im ersten Halbjahr der Umsatz, doch ließen die höheren Rohstoffpreise das Betriebsergebnis leicht auf 56 Millionen Euro schrumpfen.

Kommentare (6)

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Wolf54321

20.08.2011, 13:15 Uhr

Leider nicht ganz aktuell - seit April fallen viele Rohstoffe, vor allem Getreide und andere Agrarprodukte schon wieder, die zumeist in Erwartung höherer Inflation in der vergangenen Jahren durch Spekulanten zusätzlich, vor Allem bei Edelmetallen, in die Höhe getrieben wurden. Self fullfilling prophecy.

In Erwartung nachlassender Nachfrage durch geringeres Wachstum oder vielleicht sogar Rezession, könnte sich das Blatt nun wenden.

Die Situation erinnert ein wenig an den Sommer 2008, als der Ölpreis bei 150$ stand und manche Propheten schon 300$ sahen. Den Zeitpunkt haben sie natürlich nicht gesagt. Ein halbes Jahr später stand Öl bei 35$.

Christian

20.08.2011, 13:52 Uhr

Die Spekulationen auf Rohstoffe und vor allem auf Nahrungsmittel sind zu einer Bedrohung geworden. Finanz- Hasardeure sind in der Position Unternehmenserfolge zu vernichten und Hungersnöte zu erzeugen. Wer - wenn nicht wir - soll diesem unseligen Treiben ein Ende bereiten können?

leser

21.08.2011, 00:14 Uhr

Angst: was für ein Schwachsinn.
Die Rohstoffmärkte - auch so ein eigenartiger topos - sind bereits seit längerem gewohnt, wenn Fonds über sie hinwegzufegen glauben.
Angst - wer hat da Angst?

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