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12.06.2013

14:14 Uhr

Uriel Sharef

Gericht lässt Anklage gegen Ex-Siemens-Vorstand zu

Nun ist es entschieden: Der ehemalige Siemens-Vorstand Uriel Sharef wird sich vor Gericht verantworten müssen. Ihm wird die Verstrickung in ein System schwarzer Kassen und Schmiergeldzahlungen in Südamerika vorgeworfen.

Das Gericht bestätigte einen Medienbericht: Die Anklage gegen Uriel Sharef wurde zugelassen. AFP

Das Gericht bestätigte einen Medienbericht: Die Anklage gegen Uriel Sharef wurde zugelassen.

MünchenDas Landgericht München hat die Anklage gegen den ehemaligen Siemens-Vorstand Uriel Sharef zugelassen. Gerichtssprecher Hans-Kurt Hertel bestätigte am Mittwoch einen entsprechenden Bericht des „Münchner Merkur“ vom gleichen Tag.

Die Staatsanwaltschaft hatte Sharef im Zuge des milliardenschweren Korruptionsskandals bei Siemens bereits vor etwa zwei Jahren angeklagt. Ihm wird die Verstrickung in ein System schwarzer Kassen und Schmiergeldzahlungen in Südamerika vorgeworfen. Dabei ging es um fälschungssichere Pässe in Argentinien. Sharef wollte am Mittwoch auf dpa-Anfrage keinerlei Stellungnahme abgeben.

Siemens-Geschäftsfelder und ihre Zukunft

Energietechnik

Der Sektor hat dem Vorstand im vergangenen Jahr wohl den meisten Kummer bereitet. Siemens verpatzte den rechtzeitigen Anschluss von Windparks in der Nordsee und musste eine halbe Milliarde Euro Strafe zahlen. Zudem drückt verstärkt asiatische Konkurrenz auf den Markt für Transformatoren. Siemens reagierte auf den wachsenden Preisdruck mit dem Abbau Tausender Stellen.

Sortieranlagen

Nach Löschers Ansicht wirft das Geschäft mit Sortieranlagen für Postzentren und Flughäfen mit einer Rendite um die fünf Prozent bei Jahresumsätzen von 900 Millionen Euro zu wenig ab. Der Konzern sucht nun nach einem Käufer für das Segment, rund 3600 Mitarbeiter sind betroffen.

Wasseraufbereitung

Ein ähnliches Schicksal wie die Sortieranlagen-Sparte trifft auch die Wasseraufbereitungstechnik. Als Ausrüster von Wasserwerken setzt Siemens zwar rund eine Milliarde Euro um, unter dem Strich bleibt allerdings nur ein einstelliger Millionenbetrag hängen. Die Einheit soll verkauft werden.

Solarenergie-Technik

Der Ausflug in die Solarenergie-Technik erwies sich für die Münchner als teurer Flop. Mit dem Kauf der israelischen Solel für 418 Millionen Dollar und dem Erwerb von Anteilen an der italienischen Archimede wollte Siemens bei der solarthermischen Stromerzeugung mitmischen. Der Markt etablierte sich nie, Solel machte mehr Verlust als Umsatz. Die Anteile an Archimede hat Siemens bereits zurückgegeben, für Solel wurde ein Abnehmer gesucht.

Industriesoftware

Das Geschäft mit Computerprogrammen für die Industrie hat Siemens in den vergangenen Jahren stark ausgebaut. Für die Übernahme der belgischen LMS etwa zahlte der Konzern 680 Millionen Euro. Insgesamt elf solcher Softwareschmieden hat Siemens für zusammen mehr als vier Milliarden Euro gekauft.

Osram

Siemens verschenkt die große Mehrheit seiner Leuchtmittel-Tochter an die eigenen Aktionäre. Gut 80 Prozent sollen die Eigentümer behalten, der Rest bleibt bei der Mutter und deren Pensionsfonds. Siemens will in das Lampengeschäft nicht mehr investieren, Pläne für einen IPO waren gescheitert. Osram steckt selbst in der Sanierung, zunächst soll es keine Dividende geben. Zwischen 7300 und 8000 Stellen sollen weltweit abgebaut werden, einige Standorte geschlossen werden. Die Börsennotierung erfolgte Anfang Juli. Osram macht einen Jahresumsatz von gut fünf Milliarden Euro und erwartet für das laufende Geschäftsjahr wegen der Sanierungskosten Verlust.

Nokia Siemens Networks

Problem gelöst: Seinen Anteil an Nokia Siemens Networks hat der Münchner Konzern im Juli 2013 komplett an den finnischen Partner abgegeben.

Der sogenannte Eröffnungsbeschluss für die Anklage wurde bereits im März dieses Jahres gefasst, sagte Hertel der Zeitung. Wann der Prozess beginnt, sei allerdings noch nicht klar, bisher gebe es noch keine Termine für die Hauptverhandlung.

Bei Siemens sollen über Jahre hinweg rund 1,3 Milliarden Euro in dunkle Kanäle geflossen sein, um Aufträge im Ausland zu ergattern. Der größte Korruptionsskandal der deutschen Wirtschaftsgeschichte hatte den Konzern rund 2,5 Milliarden Euro gekostet, etwa für Strafzahlungen sowie Anwalts- und Beraterkosten.

Von

dpa

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