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22.09.2014

12:13 Uhr

Urlaubsguru & Co.

Das Geschäft mit den Urlaubsschnäppchen

VonBenjamin Esche

Bald Herbstferien und noch keine billige Reise gefunden? Kein Problem: Anbieter wie Urlaubsguru oder Urlaubspiraten filtern günstige Flüge, Hotels oder Reisen aus dem Web. Doch nicht immer gibt es pures Urlaubsglück.

Entspannter Urlaub: Bei günstigen Angeboten können Blogs helfen. Doch Vorsicht: Die Suche kann auch frustrierend sein. dpa

Entspannter Urlaub: Bei günstigen Angeboten können Blogs helfen. Doch Vorsicht: Die Suche kann auch frustrierend sein.

Eine Woche Urlaub auf Fuerteventura für 199 Euro? Mit Flug und Hotel? Oder 15 Tage Karibik für 806 Euro – im Fünf-Sterne-Hotel? Solche Angebote klingen fast zu schön, um wahr zu sein. Diese Schnäppchentrips öffentlich zu machen, ist das Konzept von Internet-Reiseblogs, die sich Urlaubspiraten oder Urlaubsguru nennen. Deren Betreiber sind nicht die Anbieter dieser Traumreisen, sondern sie suchen lediglich nach billigen Deals. Doch Experten mahnen zur Vorsicht: Die vermeintlich günstigen Reisen, die dann in den Blogs veröffentlich werden, können auch zu Frust bei Urlaubssuchenden führen. Denn sie sind nur temporär verfügbar und zumeist stark limitiert.

Daniel Krahn, 32, zählt zu den Gründern eines solchen Schnäppchenblogs. Gemeinsam mit seinem Freund Daniel Marx, 28, betreibt er seit Juli 2012 die Seite Urlaubsguru.de. „Am Anfang habe ich für mich selbst nach günstigen Reisen im Internet gesucht, bei denen ich viel Geld sparen konnte“, sagt Krahn, der vorher bei einer Tageszeitung als Medienberater und freier Journalist tätig war. Erst habe er nur für Freunde Reisen gesucht, dann für die Freunde der Freunde.

Viele Kunden, wenig Marge

Aus dem Suchen und Finden entstand letztlich Urlaubsguru, aus dem Hobby ein Geschäftsmodell. In einem Büro am Flughafen in Dortmund gehen für Krahn und den IT-Ingenieur Marx mittlerweile bis zu 70 Mitarbeiter täglich auf die Suche nach billigen Reisen.

Die beiden Jungunternehmer starteten zunächst mit dem Veröffentlichen von günstigen Angeboten und Urlaubsberichten. Der Durchbruch sei dann Anfang 2013 mit einem „Knaller-Angebot“ gekommen, wie Krahn sagt: „Für sechs Euro gab es eine dreitägige Reise nach Budapest – inklusive Hotel“, erinnert er sich. Das Angebot verbreitete sich über die sozialen Netzwerke, innerhalb kurzer Zeit erlangte der Name der Seite so Bekanntheit. So kamen immer mehr Besucher auf die Website. Im Juli 2014 klickten nach Betreiberangaben rund zwölf Millionen Besucher auf die Seite, über anderthalb Millionen Nutzer folgen dem Blog auf Facebook. Damit gehört Urlaubsguru aktuell zu den beliebtesten Reise-Schnäppchen-Portalen im Netz.

Was blumige Formulierungen in Reisekatalogen bedeuten

Idylle in ruhiger Lage

Die Unterkunft liegt fernab der touristischen Infrastruktur.

Touristisch gut erschlossen

Das heißt, es steht Riesenhotel neben Riesenhotel und es sind Massen an Touristen zu erwarten.

Direkt am Meer

Statt am erhofften Badestrand liegt das Hotel womöglich an einer Steilküste oder dem Hafen.

Meerseite

Den Blick aufs Meer garantiert das nicht, vermutlich ist er durch andere Häuser versperrt.

Naturbelassener Strand

Dahinter verbirgt sich wahrscheinlich ein ungepflegter Strand. Mit feinem Sand kann der Urlauber nicht rechnen, eher mit Kieselsteinen, manchmal sogar mit Müll. Eventuell liegt der Strand auch im Abwasserbereich.

Aufstrebende Gegend

Derart angepriesene Urlaubsorte erweisen sich oft als unterentwickelt. Zudem stören meist zahlreiche Baustellen das Urlaubsvergnügen.

Verkehrsgünstige Lage

Das Hotel liegt wahrscheinlich an der Hauptverkehrsstraße. Autolärm rund um die Uhr wird den Gästen kaum Ruhe und Erholung gönnen.

Unmittelbar an der Strandpromenade

Was sich nach gepflegter Flaniermeile anhört, ist oft eine viel befahrene Küstenstraße.

Relativ ruhig im Zentrum der Altstadt

Die Gäste sollten am besten ein Mittagsschläfchen halten, um nachts wieder fit zu sein, wenn Leben in die Gegend kommt.

Internationale Atmosphäre

Alkoholisierte aus aller Welt möchten sich lautstark amüsieren.

Familiäre Atmosphäre

Es ist damit zu rechnen, dass die Tischnachbarn im Bikini oder Jogginganzug zu Abend essen.

Kinderfreundliches Haus

Ruhebedürftige sollten sich hier nicht einquartieren. Kinder sind nun mal etwas lauter.

Neues Hotel

Möglicherweise ist die Hotelanlage noch gar nicht ganz fertig und Garten oder Terrasse sind noch eine Baustelle.

Zweckmäßig eingerichtete Unterkunft

Dies bedeutet Minimalausstattung ohne jeglichen Komfort.

Helle und freundliche Zimmer

Das ist ein bisschen besser als die "zweckmäßig eingerichtete Unterkunft", aber kein besonderer Komfort.

Unaufdringlicher Service

Die Kellner sind hier mitunter so unaufdringlich, dass es mit dem Abendessen länger dauern kann.

Kontinentales Frühstück

Auf den Tisch kommen nur Brot, Marmelade, Butter, Kaffee und Tee. Spricht der Katalog von einem "verstärkten Frühstück", dann gibt es vielleicht auch Wurst oder Käse und ein Ei.

Beheizbarer Swimmingpool

Das garantiert noch lange kein warmes Wasser.

Der Erfolg von Schnäppchenblogs wie Urlaubsguru hat einen speziellen Namen: Affiliate-Marketing. Dabei handelt es sich um ein System, bei dem der kommerzielle Anbieter seinem Vertriebspartner Provisionen für weitervermittelte Produkte oder Angebote zahlt. In diesem Fall sind es die Reiseanbieter, die den Schnäppchenblog-Betreibern Geld dafür zahlen, dass Blogbesucher via Link auf ihre Angebotsseite kommen und die gewünschte Reise dort buchen. Urlaubsguru oder Urlaubspiraten verkaufen die Reisen also nicht selbst, sondern machen Nutzer nur auf Angebote der Reiseveranstalter aufmerksam.

In der Regel sind die Provisionen bei diesen „Pay-per-Sale“- oder „Pay-per-Click“-Modellen überschaubar. „Die Gewinnmargen liegen im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Hier macht es sicherlich die Summe“, sagt Jan Mauelshagen, Professor für Reiseveranstaltermanagement an der Hochschule Worms. Konkrete Zahlen zu Umsätzen in dieser neuen Internetsparte liegen nicht vor.

Kommentare (4)

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Sergio Puntila

22.09.2014, 12:25 Uhr


Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Frau Sara Hudson

22.09.2014, 14:20 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Sergio Puntila

22.09.2014, 14:30 Uhr


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