Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.08.2013

18:43 Uhr

Ursula Gather

Die erste Ruhrbaronesse

Eine Professorin rückt an die Spitze der Krupp-Stiftung. Ursula Gather wird Nachfolgerin des verstorbenen Berthold Beitz. Sie muss helfen, den angeschlagenen Stahlkonzern Thyssen-Krupp aus der Krise zu führen.

TU-Dortmund-Rektorin Ursula Gather: „Ich übernehme die Verantwortung gern“. dpa

TU-Dortmund-Rektorin Ursula Gather: „Ich übernehme die Verantwortung gern“.

EssenNach dem Tod des Patriarchen Berthold Beitz hat die Krupp-Stiftung eine neue Chefin. Die Rektorin der Technischen Universität Dortmund, Ursula Gather, wird neue Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung. Damit wird Gather zur wichtigsten Aktionärsvertreterin beim Industriekonzern Thyssen-Krupp. Die Stiftung hält 25,3 Prozent. Ende Juli war der langjährige Chef der Stiftung, Berthold Beitz, im Alter von 99 Jahren gestorben.

„Dies ist eine große Aufgabe“, sagte Gather nach ihrer Wahl. „Ich übernehme die Verantwortung gern. Die Stiftung ist unabhängig und kann auf ein langes, erfolgreiches Wirken zurückblicken. Dies gilt es fortzusetzen.“ Tatsächlich tritt die 60-jährige Wissenschaftlerin zum 1. Oktober ein schweres Erbe an. Der Stahlkonzern steckt in einer der schwersten Krisen seiner Geschichte. Milliardenschwere Fehlinvestitionen in Stahlwerke in Brasilien und in den USA haben Thyssen-Krupp an den Rand des Ruins getrieben. Die Werke fahren weiter Verluste ein, der Verkauf stockt.

Die Nettoschulden betragen 185 Prozent des Eigenkapitals. Die Banken können praktisch jeden Moment die Kreditlinien kappen. Von einer Kapitalerhöhung ist die Rede. Konzernchef Heinrich Hiesinger ködert offenbar Hedgefonds. Die Krupp-Stiftung aber hat keine Mittel, um bei einer Kapitalerhöhung mitzuziehen. Ein Einstieg der RAG-Stiftung stieß beim Management und der Politik auf Ablehnung.

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

„Mit Frau Professor Gather hat das Kuratorium der Stiftung eine kluge, erfahrene und streitbare Wissenschaftlerin und Wissenschaftsmanagerin zur Vorsitzenden gewählt“, erklärte Hiesinger. „Die Entscheidung des Kuratoriums für eine starke Frau ist eine sehr gute Wahl.“

Die Wahl Gathers kommt überraschend: Die Uni-Rektorin kann keine Erfahrung in der Stahlindustrie vorweisen. Als erste Frau steht sie nun in der Tradition der Ruhrbarone. Die Professorin war im Dezember 2011 in das Kuratorium der Stiftung berufen worden. Beitz und Gather kannten sich aber schon länger. 1987 überreichte Beitz der Wissenschaftlerin den Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Preis für junge Hochschullehrer. Seitdem blieben beide in Kontakt.

Kommentare (9)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Senator

28.08.2013, 18:13 Uhr

Gott sei Dank. Eine Frau und noch dazu eine Wissenschaftlerin

Damenwahl

28.08.2013, 18:34 Uhr

"Banken können praktisch jederzeit die Kreditlinie kappen." So was aber auch. Da hält sich der Old-Boys-Club vornehm zurück. Frau Prof. "Hannemann,gehen Sie voran, Sie haben die größten Stiefel an". Jetzt auf einmal.

Der_Durchsetzer

28.08.2013, 18:51 Uhr

Das geht voll in die Hose ... vollakademische Ahnungslosigkeit.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×