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14.04.2015

12:57 Uhr

Ursula Piëch

Die mächtigste Frau bei Volkswagen

VonChristian Schnell, Martin Dowideit

Ursula Piëchs Ehemann hat bei Volkswagen eine hitzige Personaldiskussion ausgelöst. Der Aufsichtsrätin könnte im Zank um die Zukunft von Vorstandschef Martin Winterkorn eine vermittelnde Rolle zukommen.

Die 58-Jährige ist Ehefrau von Volkswagen-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und selbst Mitglied im Kontrollgremium des Automobilkonzerns. Reuters

Die 58-Jährige ist Ehefrau von Volkswagen-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und selbst Mitglied im Kontrollgremium des Automobilkonzerns.

Frankfurt/Düsseldorf„Jedes Wort, das ich öffentlich sage, wird sofort ausgedeutet“, sagt Ursula Piëch vor nicht allzu langer Zeit. „Deshalb bin ich vorsichtiger geworden.“ Welches Gewicht Sätze aus dem Mund eines Piëch-Familienmitglieds im Volkswagen-Konzern haben können, führte zuletzt einmal wieder ihr Ehemann Ferdinand Piëch vor. Mit einer kurzen öffentlichen Äußerung rüttelte an der Position von VW-Vorstandschef Martin Winterkorn.

Und auch Ursula, oft Uschi genannt, hat tatsächlich schon mit einzelnen Sätzen Geschicke im Volkswagen-Konzern gelenkt. „Nennen sie mir einen Audi, den sie aus ganzem Herzen kaufen würden“, sagte sie im Sommer 2001 beispielsweise vieldeutig einem FAZ-Reporter. Ihr Mann bekräftigte die Äußerung – und wenig später verlor der damalige Audi-Chef Franz-Josef Paefgen seinen Job.

Schon seit vielen Jahren zeigt Ursula Piëch Präsenz bei Volkswagen, zunächst als Begleitung ihres Mannes, seit einigen Jahren auch formal. Sie ist Mitglied im Audi- und seit April 2012 im Volkswagen-Aufsichtsrat. Dort, wo jetzt der Konflikt ihres Mannes mit Winterkorn besprochen werden soll. Am besten noch in dieser Woche soll nach Informationen des Handelsblatt ein außerordentliches Treffen der Aufseher stattfinden.

Der 77-jährige Ferdinand Piëch hat die 58-Jährige als seine Stammhalterin etabliert. Solange sie nach seinem Tod keinen neuen Partner habe, verwalte sie die Anteile der Piëch-Familie. Dazu hat Ferdinand Piëch eine Stiftung gegründet, denn bei seinen Kindern müsse man damit rechnen, „dass die eine Hälfte im Sinne des Erblassers handelt, die andere Hälfte hingegen Geld sehen will“, sagte er einst. Ferdinand Piëch hat zwölf Kinder, drei davon mit Ursula.

Der Weg in die Schaltzentrale der Macht bei Volkswagen begann für Ursula Plasser, so ihr Geburtsname, mit einer Stelle als Kindermädchen bei der Familie Piëch. Die ausgebildete Erzieherin meldete sich Anfang der 1980er-Jahre auf eine Stellenanzeige von Piëchs damaliger Lebensgefährtin Marlene Porsche, der Ex-Frau seines Cousins Gerd Porsche. In seiner Autobiographie schreibt Ferdinand, wie er zwei Tage nach Ursulas Jobantritt mit ihr in einem VW-Geländewagen Iltis zu einer Berghütte fährt: „Ich ließ die Probandin an der steilsten Stelle, immerhin 17 Prozent, anhalten und wieder anfahren.“

Den Test bestand sie mit Ach und Krach, eine Beziehung entwickelte sich erst danach. 1984 heirateten Plasser und Piëch, die drei Kinder kamen in den Jahren 1985, 1987 und 1994 zur Welt.

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Patriarch Ferdinand Piëch hat die Welt des Konzerns aus dem Lot gebracht. Der Großaktionär ist gut vernetzt und bestimmt somit die Regeln des Spiels. Ein Sondertreffen des Aufsichtsrats soll die Wogen glätten.

Ursula hat längst ebenfalls „Benzin im Blut“, angeleitet wird sie von ihrem ehrgeizigen Ehemann. Sie ist dafür bekannt, sich durch Briefing-Unterlagen zu quälen, schaut sich im Konzern um und scheut die von Männern dominierte Konzernwelt überhaupt nicht. In der Kommunikation unterscheiden sich Ferdinand und Ursula aber, wie die „WirtschaftsWoche“ einmal beschrieb: „Uschi, der fröhliche Socializer, Ferdinand, der trockene Fakten- und Machtmensch – sie spricht das Herz der Menschen an, er den Verstand.“

Wie sehr Piëch seine Frau auch nach mehr als 30 Jahren des gemeinsamen Lebens schätzt und hofiert, zeigen Gesten. Sitzen beide im Restaurant, dann hilft ihr Ferdinand aus dem Mantel. Anschließend rückt er ihr den Stuhl zurecht. Ein Kavalier der alten Schule, berichten die, die eine solche Szene beobachtet haben.

Kommentare (3)

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Herr Wolfgang Stroebele

14.04.2015, 15:44 Uhr

jetzt wird es höchste Zeit, Ingenieure in Kindergärten, Krippen und Horten einzusetzen

Herr peter Spirat

14.04.2015, 16:15 Uhr

Schon mein Opa sagte immer: "Hinter jedem Erfolgs-Mann steht immer eine besondere Frau".

Sergio Puntila

14.04.2015, 17:16 Uhr

Wo die Jungs spielen sollte stets eine Erziehungspädagogin wachen^^

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