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27.06.2012

16:02 Uhr

Urteil im Schmiergeld-Prozess

Gribkowsky muss lange hinter Gitter

Gerhard Gribkowsky ist zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Der ehemalige Topbanker hatte Schmiergeld von Formel-1-Chef Ecclestone angenommen. Die Staatsanwaltschaft hatte ein noch höheres Strafmaß gefordert.

Früherer BayernLB-Vorstand verurteilt

Video: Früherer BayernLB-Vorstand verurteilt

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MünchenDas Landgericht München I hat das ehemalige Vorstandsmitglied der Bayerischen Landesbank, Gerhard Gribkowsky, am Mittwoch zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt. Gribkowsky habe beim Verkauf der Formel-1-Anteile der BayernLB von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone 44 Millionen Dollar Schmiergeld kassiert und nicht versteuert, urteilte das Gericht am Mittwoch.

Der ehemalige Spitzenbanker wurde deshalb wegen wegen Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung verurteilt. Mit dem Strafmaß blieb das Gericht unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die zehneinhalb Jahre Haft gefordert hatte. Die Verteidigung hatte auf eine konkrete Strafmaßforderung verzichtet. Der 54-jährige Gribkowsky hatte die Vorwürfe zum Ende des Prozesses selbst eingeräumt.

Die BayernLB und die Formel 1

Höhepunkt der New Economy

Es war der Höhepunkt der New Economy, als das Medienunternehmen EM.TV im Jahr 2000 bei der Formel 1 einstieg. Kurz zuvor hatte EM.TV um die Gebrüder Thomas und Florian Haffa in einem ähnlich spektakulären Deal die Rechte an der „Muppets Show“ erworben.

Kirch und Kredite bei der BayernLB

Mit im Boot bei der Formel 1 war auch damals schon Bernie Ecclestone, Zampano des PS-Spektakels, mit seiner Familienstiftung. Nur wenig später ging es mit EM.TV bergab. Die Kirch-Gruppe des damaligen Medienzaren Leo Kirch kam zu Hilfe, erhielt im Gegenzug den Anteil an dem Rennzirkus und stockte ihn noch auf. Dafür musste Kirch Kredite aufnehmen, unter anderem bei der BayernLB.

Gribkowsky wird Motorsport-Verantwortlicher

Die Kirch-Gruppe meldete dann 2002 Insolvenz an. Dadurch wurde die Landesbank aus München unerwartet zum Anteilseigner der Formel 1 und der damalige Risikovorstand Gerhard Gribkowsky zum Motorsport- Verantwortlichen. In der Folgezeit entwickelte sich ein Streit mit den Autokonzernen, denen die tonangebende - und profitable - Rolle Ecclestones und seiner Verbündeten ein Dorn im Auge war. Auch eine Übernahme der Formel 1 durch einen oder mehrere Hersteller oder eine Konkurrenzveranstaltung standen zur Debatte.

Anteilsverkauf an CVC

Vier Jahre später verkaufte Gribkowsky die BayernLB-Anteile an den Finanzinvestor CVC Capital Partners und die Wogen glätteten sich. Das Unternehmen zählt zu den weltweit größten der Private-Equity-Branche und hat europäische Wurzeln. Hauptsitze sind Luxemburg und London.

Ecclestone verkaufte

Der Finanzinvestor übernahm die Formel-1-Mehrheit durch den Erwerb der Anteile der BayernLB und von Ecclestone selbst beziehungsweise seiner Familie. Dies geschah indirekt über die neu gegründete CVC-Tochter Alpha Prema, an der Ecclestone wiederum auch selbst beteiligt ist. Der heute 82-Jährige blieb auch bei diesem Deal Chef der Formel 1. Gribkowsky rückte in den Aufsichtsrat von Alpha Prema.

Oberstaatsanwalt Christoph Rodler sagte in seinem Schlussplädoyer am Mittwoch, dass eine Mitschuld auch bei Ecclestone liege. Gribkowskys Verteidiger machten der Staatsanwaltschaft schwere Vorwürfe, weil sie Ecclestone nicht angeklagt. Aus Angst vor dem mächtigen Formel-1-Boss werde mit zweierlei Maß gemessen.

„Herr Ecclestone spazierte über eine Rennstrecke in Deutschland, als unser Mandant schon in Untersuchungshaft saß“, sagte Anwalt Daniel Amelung. Einen konkreten Strafantrag stellten Gribkowskys Anwälte nicht. Der Angeklagte selbst bedauerte die Taten in seinem Schlusswort. „Heute würde man gerne die Zeit zurückdrehen - aber das geht nun mal nicht“, sagte Gribkowsky.

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Gribkowsky hatte im Jahr 2006 als Risikovorstand der BayernLB den Auftrag, die Anteile der Bank an der Formel 1 zu verkaufen. Dabei arbeitete er eng mit Ecclestone zusammen, der die Bank als Eigentümer unbedingt los werden wollte. „Er fühlte sich eingeengt von den Bankern, die nichts verstehen“, sagte Rodler. Um sicherzugehen, dass Gribkowsky den Verkauf in seinem Sinne regele, habe Ecclestone dem Banker aus Bayern einen Beratervertrag bei der Formel 1 und viel Geld versprochen - was Gribkowsky ganz recht war. „Er hatte schon lange die Absicht, die staubige Landesbank zu verlassen.“

Der Glanz der Formel 1 hat Gribkowsky fasziniert. Er sei vom „Virus der Formel 1“ befallen gewesen, sagte sein Anwalt Dirk Petri. Ecclestone habe Gribkowsky mit Charme umschmeichelt und mit Geld verführt. Dieser Versuchung habe Gribkowsky nicht widerstehen können.

Kommentare (9)

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matze

27.06.2012, 17:07 Uhr

hoffe möglichst lange!
und hier noch ein "frischer link" bezüglich betrug und wie er im detail abläuft:
http://www.zerohedge.com/news/shocking-details-barclays-epic-lie-bor-fraud-duuuude%E2%80%A6whats-ur-guys-345-3m-fix%E2%80%A6tell-him-get-it

stetson

27.06.2012, 17:14 Uhr

Kann man den wirklich zu 8 Jahren verknacken? Der ist doch bestimmt systemrelevant!

Account gelöscht!

27.06.2012, 17:19 Uhr

find ich etwas übetrieben, zumal Vergewaltiger mit weniger Jahre einfahren...

Was ist mit Eccelstone? Glaub der lacht sich gerade tod über unser Spieser Neid Justiz System

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