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02.06.2012

11:09 Uhr

US-Arbeitsmarkt

Deutsche Berufsausbildung als Exportschlager

VonAstrid Dörner

Weil es auf dem US-Markt zu wenig Fachkräfte gibt, bilden deutsche Firmen dort nach dem dualen System selbst aus. Das System kommt gut an in Wirtschaft und Politik. Auch deutsche Produkte sollen sich so besser verkaufen.

VW-Angestellte im US-Werk in Chattanooga, Tennesse, bereiten Motoren für den Einbau in Autos der Passat-Reihe vor. dpa

VW-Angestellte im US-Werk in Chattanooga, Tennesse, bereiten Motoren für den Einbau in Autos der Passat-Reihe vor.

Virginia BeachWenn Andrew Bates seinen Arbeitgeber in Virginia Beach ansteuert, führt sein Weg am Bundesadler vorbei. „Honorarkonsulat Bundesrepublik Deutschland“ steht auf dem Schild, das gut sichtbar am Sicherheitshäuschen angebracht ist. Zwar hat sein Job in der Küstenstadt des US-Bundesstaates Virginia nichts mit dem Konsulat zu tun, das hier ebenfalls seinen Sitz hat. Aber das Symbol der Bundesrepublik ist eine Einstimmung auf das, was den Amerikaner hinter der Schranke erwartet: Werksunterricht nach deutschem Vorbild.

Bates ist Auszubildender in der US-Zentrale des schwäbischen Kettensägenherstellers Stihl. Hat er die Schranke passiert, taucht er ein in eine strikt durchgeplante Ausbildungswelt, die ihm bis vor kurzem völlig fremd war. Um die weltweit führenden Kettensägen, Heckenscheren, Trimmer und Sägen herzustellen, braucht Stihl technisch hochversierte Mechatroniker, Werkzeugmacher und CNC-Maschinisten. Spezialisten eben, wie man sie aus Deutschland kennt. Doch die gibt es in den USA nicht. Also hat sich Stihl entschlossen, nicht nur die Produktion in die USA zu bringen, sondern die Ausbildung gleich mit – nach dem bewährten dualen Prinzip mit Theorieunterricht und Praxis im Betrieb.

Stihl ist nur einer von vielen deutschen Herstellern. Volkswagen, Siemens und Bosch haben ähnliche Modelle – und die sorgen in den USA derzeit für Aufsehen. Trotz Rekord-Arbeitslosigkeit gibt es in Amerika kaum gut ausgebildete Facharbeiter. Ein institutionalisiertes Ausbildungssystem kennen die Amerikaner nicht. Noch nicht. Denn die deutschen Unternehmen bringen es ihnen jetzt näher.

Sie investieren Millionen, um gegen den Fachkräftemangel in der weltgrößten Volkswirtschaft anzukämpfen. Damit helfen sie in erster Linie sich selbst. Doch die duale Ausbildung funktioniert in den USA so gut, dass längst andere darauf aufmerksam geworden sind. Die Weltraumbehörde Nasa und Industrieexperten aus dem Weißen Haus haben schon bei Stihl angefragt. Bosch hilft Unternehmen, die solch ein Modell auf die Beine stellen wollen. Und VW hat gerade beschlossen, einen weiteren Ausbildungsgang einzuführen.

Präsident Barack Obama hat das Engagement der deutschen Unternehmen schon mehrfach gelobt. In seiner Rede zur Lage der Nation im Januar hob er gleich zweimal den Siemens-Konzern hervor. Denn Siemens und andere haben mit ihrer dualen Ausbildung begonnen, das marode amerikanische Bildungssystem umzukrempeln. Es könnte eine Lösung sein für Obamas zähen Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Obwohl in der größten Volkswirtschaft der Welt Millionen von Menschen ohne Job sind, können Firmen rund 600.000 Stellen nicht besetzen, weil die Fachkräfte fehlen.

Kommentare (16)

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General-Investigation

02.06.2012, 14:28 Uhr

Das war doch schon immer so, das ein Deutscher Facharbeiter mit Gesellenbrief in den USA auf Händen getragen wurde.
Ein Bekannter von mir ist vor knapp 30 Jahren in den USA gewesen und hat dort für 2 Jahre gearbeitet. Er war Zimmermann und war auf den Baustellen sofort Bauleiter, der nur mit Zeichnung, Winkel und Bleistift kontrollierte. Das ist schon immer normal gewesen, weil die Amerikaner erstens keine vernünftige Ausbildung haben, von genauem Arbeiten schon mal gar nichts verstehen und eine ziemlich erbärmliche Einstellung zur Pünktlichkeit haben. Die kommen wann sie wollen, wenn sie überhaupt kommen.
Die Amerikaner haben nie verstanden das man Mitarbeiter erstens gut ausbilden muß und ihnen zum zweiten einen vernünftigen Lohn bezahlt, Statt dessen bekommen sie Urkunden, weil sie Mitarbeiter des Monats geworden sind - und sie freuen sich so gewaltig darüber. Vor Jahren wollte ich selbst mit einem Amerikaner in die USA gehen und dort in die Selbständigkeit gehen; wir haben uns auch über den Lohn unterhalten, denn wer anständig arbeitet soll anständig bezahlt werden - so jedenfalls meine Einstellung. Wenn es dem Laden gut geht, sollen auch die Mitarbeiter etwas davon haben. Mein Bekannter sagte mir dann, ich kann tatsächlich froh sein wenn ein Ami jeden Tag zur Arbeit kommt und auch, das eine Urkunde reicht um sie glücklich zu machen. Vielleicht ist das ja ein Grund, warum dort alles drunter und drüber läuft und sich nur einige wenige die Taschen füllen, während die anderen ackern. Das System dort ist der Fehler.

Hans

02.06.2012, 14:51 Uhr

Ich hatte ehrlich gesagt für die Amerikaner nie viel übrig. Ohne sie alle über einen Kamm zu scheren, muß man doch sagen, [...]. Zeit meines Lebens wurde ich dafür dann auch stets und ständig als böser Nazi beschimpft!
Aber habe ich denn wirklich so Unrecht?
[...]

[+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++]

bjarki

02.06.2012, 15:23 Uhr

@ Hans: Sie waren sicher niemals in den USA und Sie sprechen nicht ein Wort Englisch( vermutlich nur irgendeinen Dialekt aus Deutschland). " Voll krank " sind Sie nicht, Ihre Körperfunktionen werden laufen, aber " voll dumm".

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