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02.01.2008

15:44 Uhr

US-Geschäft

Commerzbank räumt auf

VonHans G. Nagl

Überraschend und ohne Angabe von Gründen hat die Commerzbank den Leiter ihres US-Geschäfts entlassen. Das Institut habe sich von Hans Joachim Döpp getrennt, sagte ein Sprecher von Deutschlands zweitgrößtem Geldhaus gestern. Ob es einen Zusammenhang mit der Subprime-Krise gebe und weitere Abschreibungen drohten, ließ er offen.

Quelle: dpa

FRANKFURT. Mit dem in den USA bestens verdrahteten Döpp muss auch der in New York für das Kreditgeschäft verantwortliche Jürgen Boysen den Hut nehmen. Im Umfeld der Commerzbank hieß es zudem, im Konzernbereich Controlling könnte es demnächst weiterer personelle Veränderungen geben.

In den USA mussten wegen milliardenschwerer Wertberichtigungen bereits mehrere Chefs von Großbanken den Hut nehmen. Hierzu gehören unter anderem Charles Prince von Citigroup sowie Stanley O’Neal von Merrill Lynch.

Das Vorgehen der Commerzbank in der Angelegenheit ist aber insofern erstaunlich, als die Bank die Veränderungen weitgehend im Stillen vorgenommen hat. Angesichts der seit Monaten schwelenden Kreditkrise reagieren die Finanzmärkte sensibel auf Personalien, insbesondere wenn sie das US-Geschäft oder das Risikomanagement betreffen. Dennoch beließen es die Frankfurter lediglich bei einer eng gestreuten Pressemeldung in den USA, die zudem am Freitagabend vor Silvester verschickt wurde.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Commerzbank die Investoren im Zusammenhang mit der Finanzkrise mit schlechten Nachrichten überrascht. So musste der im Mai an die Aufsichtsratsspitze wechselnde Bankchef Klaus-Peter Müller alleine für das dritte Quartal Subprime-Abschreibungen von 291 Mill. Euro tätigen. Im Sommer hatte das Institut noch einen Wertberichtigungsbedarf von lediglich 80 Mill. Euro angekündigt und an dieser Zahl lange Zeit festgehalten. Die weitaus höheren Belastungen fielen nach Angaben der Bank praktisch ausschließlich im US-Geschäft an.

Anders als jüngst der Rivale Deutsche Bank hat die Commerzbank bei der Vorlage der Quartalszahlen Anfang November weitere Abschreibungen nicht ausgeschlossen. Dies legt nahe, dass die Krise für die deutsche Nummer zwei nach wie vor nicht ausgestanden ist. Zumal sich die Marktlage seit Oktober noch deutlich verschlechtert hat und die kritischen Engagements im US-Hypothekengeschäft in aller Regel nach Marktpreisen bewertet werden. Ihre gesamten Subprime-Positionen beziffert die Commerzbank auf 1,2 Mrd. Euro.

Döpp stand seit rund fünf Jahren an der Spitze des US-Geschäfts, was nicht auf eine generelle Unzufriedenheit der Commerzbank mit seiner Leistung hindeutet. Er gilt als überaus gut verdrahtet in der US-Finanzbranche. So saß er etwa im Executive Committee des Institute of International Bankers (IIB). Diese Branchenvereinigung vertritt die Interessen ausländischer Geldhäuser in den USA. Im Juli 2006 war Döpp zudem als Vertreter der internationalen Banken bei der Bankenaufsicht des Staates New York gewählt worden. Sein Nachfolger in New York wird nun nach Angaben des Commerzbank-Sprechers Harry Yergey, der bislang für die westeuropäischen Filialen des Konzerns verantwortlich war und in London saß.

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